Interview mit Merwe Hunzelmann zu den Pfarreiratswahlen:Pfarreiratswahlen im Bistum Mainz

Die Ergebnisse lagen am Dienstagmittag vor: Insgesamt 137.288 Personen waren wahlberechtigt. Von den 192 Personen, die in den Pfarreien zur Wahl standen, wurden 126 Personen in die elf Pfarreiräte gewählt. 50 davon männlich, 76 weiblich. Die Wahlbeteiligung war unterschiedlich hoch, sie lag bei 6,81 Prozent in Gießen bis zu 18,45 Prozent im Otzberger Land, im Durchschnitt bei 12,98 Prozent.
Welche Aufgaben übernimmt ein Pfarreirat im Vergleich zu früheren Pfarrgemeinderäten?
Der Pfarreirat führt die Arbeit der bisherigen Pfarrgemeinderäte weiter. Er verantwortet u.a. die Fortschreibung des Pastoralkonzeptes, liturgische, karitative und gemeindebildende Aufgaben sowie Impulse für neue Projekte und die Verstetigung bewährter Angebote. Neu ist die größere Bedeutung von Vernetzung, Koordination und der Zusammenarbeit mit Gemeindeausschüssen und Gemeindeteams.
Warum haben nur in diesen elf Pfarreien Wahlen stattgefunden?
Aufgrund der schrittweisen Neugründungen finden Pfarreirats-Wahlen derzeit nicht überall gleichzeitig statt und wir haben von 2024 bis 2028 jedes Jahr Wahlen. Sobald die Gründungsphase der neuen Pfarreien abgeschlossen ist, möchte das Bistum wieder zu einem einheitlichen Wahltermin zurückkehren. Der genaue Zeitpunkt wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.
Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Vorbereitung der Wahlen insgesamt in den neuen Pfarreien?
Mit Gründung der neuen Pfarreien sind auch neue Strukturen entstanden, die nun mit Leben gefüllt werden müssen. Die künftigen Pfarreiräte tragen Verantwortung für deutlich größere Räume, was es für die Gewählten anspruchsvoll macht, die gesamte Pfarrei mit ihren unterschiedlichen Gemeinden im Blick zu behalten.
Bei der Vorbereitung der Wahlen hat sich gezeigt: Es ist wichtig, dass im Wahlvorstand möglichst Menschen aus allen Gemeinden zusammenarbeiten. So können Menschen vor Ort angesprochen werden. Denn es braucht für eine Pfarreiratswahl viele Engagierte, die mitanpacken, geeignete Kandidierende ansprechen, Wahlwerbung machen, die Materialien verteilen und am Tag der Wahl unterstützen. Diese Menschen zu finden, war nicht immer einfach.
Herausfordernd war zudem, Menschen für ein Mandat zu gewinnen, da das neue Gremium noch wenig bekannt ist und Erfahrungswerte fehlen. Generell wird es schwieriger, Personen für langfristiges Ehrenamt zu finden. Umso erfreulicher ist, dass sich in allen elf Pfarreien ausreichend Kandidierende gefunden haben.
Wie wird sichergestellt, dass die einzelnen Kirchorte und Gemeinden – inklusive der Gemeinden anderer Muttersprache – in der großen neuen Pfarrei gehört und vertreten werden?
Damit Gemeinden lebendig bleiben, braucht es weiterhin engagierte Menschen vor Ort. Dies geschieht z.B. über Gemeindeausschüsse. Sie sind Unterausschüsse des Pfarreirats und gestalten das Gemeindeleben. Um eine gute Kommunikation zwischen den Gremien sicher zu stellen, ist mindestens ein Mitglied des Pfarreirates ebenfalls Mitglied im Gemeindeausschuss. Zudem wird der Gemeindeausschuss durch eine hauptamtliche Bezugsperson aus dem Pastoralteam begleitet, die ebenfalls eine gute Kommunikation und die Vernetzung unterstützt. Bei der Wahl selbst stellen wir durch die Wahl nach Wahlbezirken sicher, dass aus jeder Gemeinde jemand im Pfarreirat vertreten ist.
Auch die Gemeinden anderer Muttersprache sind Teil der neuen Pfarreien, behalten ihre eigenen Traditionen und sind mit Stimmrecht im Pfarreirat vertreten. Auch hier wird es Gemeindeausschüsse geben.
Welche Bedeutung messen Sie dem neuen Pfarreirat für die pastorale Weiterentwicklung in den kommenden Jahren bei?
Der Pfarreirat ist das zentrale Beteiligungsgremium in der Pfarrei und wirkt je nach Sachgebiet beratend oder entscheidend mit. Die Mitglieder des Gremiums werden demokratisch gewählt und gemeinsam mit den Hauptamtlichen der Pfarrei setzen sie zentrale Akzente in der pastoralen Weiterentwicklung.
Ich freue mich sehr, dass sich in diesem Jahr viele Menschen gefunden haben, die in den nächsten vier Jahren mit viel Herz und Engagement die Arbeit in den Pfarreiräten aufnehmen. Dafür schon jetzt herzlichen Dank!
Welche Impulse wünschen Sie sich vom neu gewählten Gremium?
Pfarreiräte können vielfältige Impulse geben: bei spirituellen Angeboten, Gemeinschaft und Engagement, bei strategischen Fragen sowie bei der Entwicklung pastoraler Ziele und Schwerpunkte. Auch soziale und gesellschaftliche Themen können aufgegriffen und Projekte unterstützt werden.
Wesentlich bleiben eine gute Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, um Menschen vor Ort zu informieren und einzubinden.