Resumees von Mitgliedern der Mainzer Delegation zum Abschluss der Auftaktveranstaltung am 1. Februar

Wenn es in einer derart respektvollen Weise weitergeht, gehe ich gerne weiter mit

Mainzer Vertretung beim Synodalen Weg: Weihbischof Udo Bentz, Bischof Peter Kohlgraf, Isabella Vergata, Pfarrer Markus Konrad, Martin Buhl (v.li.n.re.) (c) Synodaler Weg
Mainzer Vertretung beim Synodalen Weg: Weihbischof Udo Bentz, Bischof Peter Kohlgraf, Isabella Vergata, Pfarrer Markus Konrad, Martin Buhl (v.li.n.re.)
Sa 1. Feb 2020
Anette Schermuly

Das Mainzer Team ist zurück von der Auftaktveranstaltung des Synodalen Weges in Frankfurt. Bischof Kohlgraf, Weihbischof Bentz, Isabella Vergata und Martin Buhl schildern ihre Eindrücke.

Bischof Peter Kohlgraf auf Facebook:

"Gerade komme ich aus Frankfurt zurück. Drei Tage haben 220 Menschen, denen die Kirche und ihre Zukunft am Herzen liegt, gebetet, diskutiert, argumentiert und auch kontroverse Ansichten beraten. Gestern wurde intensiv um die Geschäftsordnung gerungen. Nach der Zustimmung ist zu hoffen, dass sie einen guten Rahmen für ein geordnetes Miteinander bildet. Es war ein Anfang, und ich war erstaunt und berührt über die Breite und Differenziertheit der Beiträge, über inhaltliche Statements und manchen sehr persönlich gefärbten Redebeitrag. Wenn es in einer derart respektvollen Weise weitergeht, gehe ich gerne weiter mit. Nirgends wehte nach meinem Eindruck der Wind einer deutschen Sonderkirche oder einer Spaltung, Gegensätze gilt es auszuhalten und in einen Weg der Unterscheidung einzubringen. Ein Dank an alle, die vorbereitet und bei der Durchführung mitgeholfen haben, ein Dank an unsere gute Mainzer Gruppe!"

Weihbischof Udo Bentz, Generalvikar auf Facebook:

"Am ersten Schritt ist nicht die Weite das Entscheidende, sondern die Art und Weise, wie ich diesen ersten Schritt gehe... So bin ich als einer von den sechs Teilnehmern aus dem Bistum Mainz ganz zuversichtlich aus Frankfurt von der Versammlung Der Synodale Weg nach Mainz zurückgekehrt. Es holperte hier und da, das gehört dazu. Wir brauchten viel Zeit für die Geschäftsordnung, aber eine gut akzeptierte Arbeitsgrundlage hilft bei der Arbeit. Es gibt immer noch viel Skepsis auf allen Seiten, das vermeidet falschen Übermut...
Die Mischung von persönlichen Glaubens- und Lebenszeugnissen, durchdachter Statements und Appellen mit Herzblut braucht es auch weiterhin.
Ich habe mich z. B. auch sehr über meine Nachbarn gefreut, die ich vorher noch nicht kannte, und auch diese Weise des Miteinanders braucht es.
Nochmals: Nicht die Weite des ersten Schrittes ist entscheidend, sondern die Art und Weise und die Richtung, wie ich diesen ersten Schritt gehe..."

Stellungnahme von Isabella Vergata:

"Meine Erwartungen an die Synodalversammlung wurden übertroffen!

Ich wollte intensive, ehrliche und fruchtbare Gesprächsrunden und frischen Wind. 

Das alles und noch viel mehr habe ich in den letzten drei Tagen miterleben dürfen. 

Ein Querschnitt der Gesellschaft: Nicht Frauen und Männer, sondern „Geschwister“ verschiedenen Alters, Kleriker und Laien, Haupt- und Ehrenamtliche, jeder war repräsentativ anwesend. Ich durfte den Beirat Katholiken anderer Muttersprache vertreten und betonen, dass man sich beim Synodalen Weg der Kirche in Deutschland gemeinsam als Gemeinschaft auf den Weg machen muss. Die Kirche in Deutschland ist multikulturell und muss Gemeinden anderer Muttersprache mit an Bord holen.

Gelernt habe ich: Kirche wird und muss eine neue Gestalt finden und annehmen. Ich habe eine Synodalversammlung erlebt, die alle Meinungen anhört und bereit ist einen Wandel zuzulassen. Die Versammlung wurde als „stärkstes Antriebsaggregat“ und „neues Format“ verstanden und man ist sich einig darüber, dass wir Diskussionen ohne Tabus brauchen und Beschlüsse, die Reformprojekte auf den Weg bringen. Zudem darf die kritische Anteilnahme der Medien nicht fehlen, um möglichst viele zu beteiligen, die Menschen zu erreichen und weiterhin transparent zu bleiben. Ich bin aus der Synodalversammlung gegangen, mit der Gewissheit, dass Kirche Entfaltung und Veränderung sein muss und wird. Ich freue mich auf die Ergebnisse der Synodalforen und sage: Ci vediamo a settembre!"

Statement von Martin Buhl:

"

Die erste Synodalversammlung in Frankfurt war nach meiner Wahrnehmung geprägt von einer tiefen Verbundenheit aller Teilnehmenden mit unserer Kirche und der Einmütigkeit, dass Veränderungen notwendig sind.

Die offene und auch in strittigen Fragen faire Diskussion hat deutlich gemacht, dass wir um den richtigen Weg für die Zukunft der Kirche im geschwisterlichen Miteinander von Laien, Priestern und Bischöfen ringen.

Gefreut hat mich, dass wir Laien mit einem großen Selbstbewusstsein unsere Positionen vertreten und unserer Verantwortung für unsere Kirche wahrnehmen.

Die Erfahrung der Gemeinschaft, die getragen war vom gemeinsamen Gebet, vom Singen und Schweigen, macht mich zuversichtlich, dass wir bei vielen Themen gute Wege finden, die Kirche zu erneuern, so dass sie wieder glaubwürdig in die Welt hinein wirken kann.

Aber es bleibt auch eine gewisse Skepsis, ob es uns gelingen mag, die dringend notwendigen Veränderungen  vor allem bei den Themen „Kirche und Macht“ und „Frauen in kirchlichen Ämtern“ aber auch bei der Sexualmoral anzugehen. Hier wurden die Kontroversen doch auch sehr deutlich.

Für das Bistum Mainz wünsche ich mir, dass wir in den Gremien, Verbänden und Gemeinden die Themen der Synodalversammlung auch diskutieren und unsere Erfahrungen des pastoralen Wegs in den synodalen Weg einbringen."