Pater Joshy George Pottackal wird der neue Weihbischof von Mainz. Am 15. März soll die Bischofsweihe stattfinden. Mit dieser Entscheidung hat Papst Leo XIV. das Bistum Mainz überrascht. Als gebürtiger Inder wird Pater Joshy der einzige Nicht-Europäer unter den deutschen Bischöfen sein.
In Jeans und Jacke, oft das Handy am Ohr – unter den Menschen, die morgens in den Mainzer Gassen zur Arbeit gehen, fällt Pater Joshy nicht auf. Die wenigsten würden in ihm einen Ordensmann vermuten. Seit dem 26. November aber steht der Karmelit im Mittelpunkt des Interesses.
Die Entscheidung in Rom ist gefallen: Im Erbacher Hof in Mainz stellt Bischof Peter Kohlgraf Joshy George Pottackal der Presse und den Mitarbeitenden des Ordinariats als neuen Weihbischof vor. Zwei Jahre hatte man im Bistum auf diesen Tag gewartet. Im Ordensgewand zeigt sich der 48-Jährige bei der Pressekonferenz. Lange dauert der Applaus im Saal – ein Zeichen des Respekts und des Wohlwollens. Pater Joshy ist gerührt: „Toll, dass so viele da sind. Das hätte ich nicht erwartet.“ In seinem bewegenden Statement sagt er auch: „Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich eines Tages die Berufung zum Weihbischof erhalte.“
Vor drei Jahren siedelte Pater Joshy in die Bischofsstadt über, um seinen neuen Job als Personalreferent für die Priester im Bistum im Bischöflichen Ordinariat anzutreten. Schon diese Personalentscheidung damals schien ungewöhnlich: ein Ordensmann aus Indien in Referenten-Funktion. Die Jahre zuvor verband man mit dem Namen Pater Joshy einen Ort am südlichsten Zipfel des Bistums: Hirschhorn. 13 Jahre lang wirkte der Karmelit aus dem indischen Kerala in der Pfarrgemeinde Neckartal als Pfarrer und wohnte dort zusammen mit einem Mitbruder in der Klostergemeinschaft Hirschhorn. Weit weg vom Zentrum der Diözese. Nun ist er mittendrin.
„Ich bin kein Theoretiker“
Mehrere Tage Bedenkzeit hatte sich Pater Joshy erbeten. Als der Anruf kam, dass er Mainzer Weihbischof werden soll, dachte er erst einmal: „Nein, das will ich nicht“, erzählt er. Aber die Ermutigungen aus seinem Umfeld seien stark gewesen. Joshy Pottackal ist sich bewusst, dass er für viele nicht in das Schema des typischen Weihbischofs passt. „Ich bin kein Theoretiker mit Doktortitel“, sagt er in der Pressekonferenz und hat mit dem Satz „Meine Predigten sind selten länger als fünf Minuten“ die Lacher auf seiner Seite. Berührend sein Bekenntnis zum neuen Amt: „Obwohl oder gerade weil Fragen und Zweifel bleiben, vertraue ich auf Gott und seinen Weg für mich. Und so sage ich heute einmal mehr ja, ich lasse mich darauf ein.“
Bischof Peter Kohlgraf steht fest hinter der römischen Entscheidung und hinter Pater Joshy. Er würdigt dessen Charakterzüge, darunter Bescheidenheit, Kompetenz, ein klarer Blick und ein gutes Urteil. „Er ist ein Mann mit ausgeprägtem pastoralem Interesse und ein Seelsorger mit Herz“, sagt Kohlgraf. „Als Bischof erfüllt es mich mit Freude, ihn künftig an meiner Seite zu wissen – und an der Seite der Menschen im Bistum Mainz.“ Für ihn persönlich bedeute seine Ernennung nicht nur Unterstützung in der täglichen Arbeit, „sondern auch einen mitbrüderlichen Gesprächspartner – für die Themen unseres Bistums wie auch für die Aufgaben in der Bischofskonferenz.“ Im Kreise der dortigen Bischöfe und Weihbischöfe wird Pater Joshy Pottackal auffallen – als Einziger, der nicht aus Europa stammt.
Auf die Frage, wie es ist, ein so hohes Amt in einem anderen Kulturkreis anzutreten, antwortet Pater Joshy gelassen. „Ich bin seit 21 Jahren in Deutschland.“ Sein ganzes Berufsleben habe er bisher hier verbracht. „Die Kultur kommt mir nicht fremd vor. Ich bin ja auch deutscher Staatsbürger.“ Wenn er stattdessen Bischof in Indien würde: „Das würde für mich jetzt fremd sein“, findet er.
„Ein starkes und wichtiges Zeichen“
Multikulti in der Kirche? Mit Pater Joshy als Weihbischof kommt die Amtskirche in Deutschland einer gelebten Weltkirche näher, die nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Für Bischof Peter Kohlgraf ist die Personalentscheidung des Vatikans auf jeden Fall bemerkenswert. „Ich halte sie für ein starkes und wichtiges Zeichen in unsere Zeit hinein“, betont er und ist überzeugt: „Es gibt in dieser Kirche keine Fremden.“
Zur Person
Joshy George Pottackal wurde am 30. April 1977 in Meenkunnam im indischen Bundesstatt Kerala geboren. Nach der Schule besuchte er ab 1992 das Knabenseminar der Karmeliten.
1996 legte er seine erste Profess ab. Anschließend studierte er im Calvary Institute of Philosophy and Religion der Kapuziner in Thrissur Philosophie und im Dharmaram Vidya Kshetram der Karmeliten in Bengaluru Theologie. 2003 empfing er in Thrissur die Priesterweihe.
2004 kam er nach Mainz, wo er zunächst die Sprachschule und danach das Pastoralseminar für die Ordenspriester an der philosophisch-theologischen Hochschule Münster besuchte.
Seit 2006 ist er für das Bistum Mainz tätig. Die ersten Jahre war er in Mainz Stadt Jugendseelsorger und parallel Kaplan.
2009 ging er als Pfarrer nach Hirschhorn. Seit 2022 ist er Personalreferent für die Priester im Bistum Mainz.