Anregungen des Dezernats Seelsorge zum Umgang mit der Corona Krise in der gemeindlichen Seelsorge im Bistum Mainz

Brief an alle Mitarbeitenden im Bistum Mainz vom 23. März 2020

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Di 24. Mär 2020
Bistum Mainz, Dezernat Seelsorge

Die Corona-Krise stellt die Seelsorge in den Pfarrgemeinden im Bistum Mainz vor eine große Herausforderung. Das Verbot von Zusammenkünften von Gottesdiensten trifft uns schmerzhaft. Wir befinden uns in der Österlichen Bußzeit und müssen davon ausgehen, dass wir die Kar- und Osterliturgie nicht in der gewohnten Weise werden feiern können. Dennoch möchten wir uns als Kirche nicht einfach zurückziehen.

Gerade jetzt werden wir als Kirche im Dienst an der Gesellschaft und als Seelsorgerinnen und Seelsorger gebraucht.
Gerade jetzt sind kreative Ideen zu entwickeln, wie unser religiöses und spirituelles Leben auch in Zeiten von „Corona“ gepflegt werden kann.

In den vielen Anfragen und Rückmeldungen, die uns derzeit erreichen, spüren wir, dass es gilt, die Balance zwischen zwei Polen zu halten:

  • Kirche und Seelsorge ereignen sich in sozialen Kontakten, die aber angesichts der aktuellen Bedrohung der Menschen auf ein Minimum zu reduzieren sind. Die Absage von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen schmerzt uns sehr. Aber es gilt – so paradox dies klingt - unseren solidarischen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten, indem wir alle Begegnungen, die eine physische Anwesenheit erfordern, weitestgehend einstellen.

  • Andererseits dürfen wir uns in dieser Situation nicht einfach als Kirche von der Bildfläche verabschieden. Die aktuelle Situation ist auch für uns im Bistum Mainz und für das Leben in den Gemeinden eine Bewährungsprobe. Es gilt, neue Formen der Verbundenheit in den Gemeinden zu entwickeln und angemessene Formen zu finden, wie wir in diesem Jahr in guter Weise das Osterfest begehen können. Dazu kommt die Herausforderung, wie wir besonders gefährdete Personengruppen unterstützen können und welchen Beitrag wir leisten können, damit das soziale Miteinander in unseren Ortschaften erhalten bleibt. Kirche kann sich nicht einfach zurückziehen. Wir spüren, dass wir gebraucht werden.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie herzlich:

  1. Sind Sie solidarisch mit den Erkrankten und den Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und in den pflegerischen Berufen, indem Sie sich an die behördlichen Vorgaben zur Einschränkung der sozialen Kontakte halten.
  2. Leisten Sie ihren Beitrag zu einem Zusammenhalt in Ihren Gemeinden und in der Gesellschaft. Wenn wir uns kaum noch von Angesicht zu Angesicht begegnen können, so entwickeln Sie andere Formen der Begegnung. Wir denken dabei an die Pflege von sozialen Kontakten über das Telefon, das Internet und Social-Media mit allen damit verbundenen Möglichkeiten.
  3. Entwickeln Sie Ideen, wie Sie trotz des Verbots von Zusammenkünften und zum Gottesdienst in diesem Jahr die Kar- und Osterzeit begehen können.
  4. Nutzen Sie die Gelegenheit, um häusliche Gebetsformen neu anzuregen.
  5. Vielleicht ist diese Zeit des Rückzugs in unsere Häuser auch eine gute Zeit für spirituelle Angebote.
  6. Unterstützen Sie die besonders gefährdeten Personengruppen und die Familien, wenn es zu Engpässen in der Beschäftigung der Kinder kommen sollte.

Für die Arbeit in den Gemeinden möchten wir aus der Fülle der Ideen, die uns in diesen Tagen erreichen, einige Anregungen weitergeben. Zusätzlich finden Sie viele gute Ideen und Anregungen auf den Homepages der Dekanate unseres Bistums. Wir werden versuchen, solche Ideen auf der Bistumshomepage zu bündeln, verweisen aber auch auf die Kirchenzeitung „Glaube und Leben“ sowie auf „katholisch.de“.

1. In der Gemeinde in Verbindung bleiben: Seelsorge am Telefon

Aktive Seelsorge am Telefon

Alle Seelsorger und Seelsorgerinnen sollten Möglichkeiten einer aufsuchenden Seelsorge ohne physische Präsenz einrichten. Eignen Sie sich die Haltung einer aktiven Seelsorge am Telefon an, indem Sie einige Stunden am Tag die Menschen, die üblicherweise zu den Geburtstagen oder zu Krankenkommunionen besucht werden, anrufen. Auch die Familien der Erstkommunionkinder, die Firmlinge oder die Abiturienten sollten Sie anrufen und darüber sprechen, wie sie diese Situation empfinden und bewältigen.

Präsenzzeiten am Telefon

Richten Sie feste Präsenzzeiten der Seelsorgerinnen und Seelsorger am Telefon in den Pfarrbüros ein und machen Sie diese bekannt. In diesem Dienst könnten sich die Kolleginnen und Kollegen zu festen Zeiten am Tag abwechseln.

2. Liturgie

Feier der Kar- und Osterliturgie

Es ist derzeit davon auszugehen, dass auch die Kar- und Osterliturgie nur stellvertretend von den Priestern für die Gemeinden gefeiert werden kann. Dennoch möchten wir die Priester auffordern, die Kar- und Osterliturgie stellvertretend in den zentralen Pfarrkirchen zu den in den Gemeinden gewohnten Zeiten zu feiern. Läuten Sie wie sonst üblich zur Einladung zum Gottesdienst die Glocken, damit die Gläubigen in ihren häuslichen Gemeinschaften, in ihren Hauskirchen innerlich daran teilhaben können.

Wir bitten Sie, auch die Predigten in gewohnter Weise vorzubereiten und diese gemeinsam mit den Lesungen und den Evangelien in geeigneter Form in der Gemeinde zu veröffentlichen. Dazu könnte z. B. die Website der Pfarrgemeinde dienen oder ein Abdruck in einem Pfarrbrief, der dann ausgetragen oder an geeigneten Stellen ausgelegt wird. Vielleicht finden Sie auch Möglichkeiten, eine Predigt in Bild und Ton aufzuzeichnen und bei YouTube einzustellen oder in anderer Weise zu verbreiten.

Derzeit erarbeitet das Liturgiereferat eine entsprechende Kopiervorlage, in die Sie zu den abgedruckten Gebeten, Lesungen und Lieder ihre eigenen Predigten und Anregungen einsetzen können. Diese Vorlage wird Ihnen noch in dieser Woche gemeinsam mit einem Brief unseres Bischofs Dr. Peter Kohlgraf an die Gemeinden zugehen. Weitere Anregungen, die ständig aktualisiert werden finden Sie unter bistummainz.de/liturgie.

Fürbitten

Um die Gemeinden in diese priesterlichen Gottesdienste einzubeziehen, könnte ein Aufruf dienen, Gebetsanliegen und Fürbitten per Brief oder Mail vorab an das Pfarramt zu senden. Diese Anliegen sollten dann in den Gottesdiensten vorgetragen werden.

Feier der Kar- und Ostergottesdienste in Familien als Hausgottesdienst (Vorlage)

Viele Familien werden keine andere Möglichkeit haben, als die Gottesdienste im Kreise der Familie als Hauskirche zu begehen. Das Liturgiereferat hat dazu eine komplette Vorlage er- arbeitet, die Ihnen gleichzeitig mit diesen Anregungen als pdf- Datei zugeht. Bitte sorgen Sie für die Verbreitung dieser Anregung, indem Sie diese auf Ihrer Homepage veröffentlichen und/oder per Mail an Ihre Adressverteiler senden. Natürlich können Sie die Datei auch drucken und in gedruckter Form verteilen.

Haus- und Krankenkommunion

Auch wenn uns zahlreiche Anregungen erreichen, wie bei einer Überbringung der Krankenkommunion, die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden könnten, bitten wir Sie, auf die Austeilung derzeit unbedingt zu verzichten. Uns ist bewusst, dass dies für viele alte und kranke Menschen ein schmerzlicher Einschnitt ist, doch zählen gerade diese Menschen zu den am meisten vom Corona Virus gefährdeten Risikogruppen. Die Informationen aus Italien sprechen hier eine eindeutige Sprache. Bitte halten Sie aber stattdessen unbedingt regelmäßig telefonischen Kontakt!

Abendliches Gebet und Martinus-Läuten

In einigen Gemeinden im Bistum werden bereits allabendlich die Glocken geläutet und die Gläubigen aufgefordert, eine abendliche virtuelle Gebetsgemeinschaft zu bilden. Auch Weihbischof Dr. Bentz hat in einer Videobotschaft auf der Homepage des Bistums dazu aufgerufen, die Idee des täglichen Martinus Läutens aufzugreifen. Die aktuelle Situation könnte auch eine Chance sein, das abendliche Angelusgebet neu zu beleben.

Beispiele zur Umsetzung finden Sie beispielsweise auf der Homepage des Dekanats Worms https://bistummainz.de/dekanat/worms/themen/home-gebet/  und des Dekanats Dreieich https://bistummainz.de/dekanat/dreieich/ .

Stundengebet

Für Menschen, deren Alltag bisher eher hektisch verlief, und die nun zu Hause ihren Tag neu strukturieren müssen, könnte auch die Neuentdeckung des Stundengebets eine Hilfe sein. Anregungen dazu finden sich unter folgenden Links: https://stundenbuch.katholisch.de/kalendertag.php 
https://www.maria-laach.de/te-deum-heute/ 

Hilfen für Hausgottesdienste in Familien

3. Verkündigung und Spiritualität

Spirituelle Anregungen zu den Sonntagsevangelien

Da wir davon ausgehen, dass wir über einen längeren Zeitraum auf gottesdienstliche Versammlungen verzichten müssen, erscheint die Veröffentlichung der jeweiligen Lesungen und des Evangeliums und einer daran ausgerichteten Predigt bzw. von spirituellen Anregungen auf der Homepage der Pfarreien sinnvoll. Auch wenn es solche Auslegungen auch auf verschiedenen einschlägigen Websites gibt, bitten wir Sie, dass weiterhin persönlich Predigten erstellt werden, weil diese eine Verbindung der Seelsorgerinnen und Seelsorgern mit den Gemeindemitgliedern herstellen können. Auch die Diakone, die Gemeindereferenten/innen und die Pastoralreferenten/innen könnten in diesen Dienst einbezogen werden. Vielleicht gelingt es Ihnen, dass die örtlichen Tageszeitungen diese Impulse wöchentlich aufgreifen, da es den Zeitungen an den sonst üblichen Berichten über lokale Ereignisse und an Anzeigen mangeln wird. Eine andere Möglichkeit ist es, einen Film mit der lebendig vorgetragenen Predigt auf der Website zu veröffentlichen.

Hinweis auf Websites mit Gedanken zu den Evangelien

Eine zusätzliche Möglichkeit ist, die Sonntagsimpulse von katholisch.de mit der Website der Pfarrei zu verlinken. https://www.katholisch.de/aktuelles/themenseiten/ausgelegt-der-sonntagsimpuls 

Für Familien mit Kindern im Grundschulalter können auch die Sonntagsblätter des Deutschen Katechetenvereins verlinkt werden.

https://www.katecheten-verein.de/de/aktuelles/biblische-unterstuetzung-in-zeiten-von- corona-dkv-bietet-sonntagsblaetter-zum-kostenlosen-download/ 

„Exerzitien in der Quarantäne“

Einige Mitchristen, die recht plötzlich in häuslicher Absonderung oder in Quarantäne gelandet sind, schildern uns, dass Ihnen diese Zeit wie verordnete Exerzitien vorkommt. Dazu trägt auch die aktuelle Stimmungslage bei: Wir spüren, dass wir das Leben nicht selbst in der Hand haben, dass wir Menschen die Natur nicht besiegen können und auf einmal mit Unsicherheit und Angst umgehen müssen. Jetzt ist viel Zeit, über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachzudenken. In dieser Situation liegt eine Chance, „Exerzitien in der Quarantäne“ anzubieten. So könnten dazu geeignete Anregungen auf der Homepage veröffentlicht werden und in der Gemeinde ein Kreis gebildet werden, der sich digital zu den aufkommenden Ideen und Fragen austauscht.

Online-Exerzitien im (Krisen) Alltag unter www.hoffnung.online

Seit dem 4. Fastensonntag (22. März 2020) gibt es auf der Internetseite www.hoffnung.on- line Online-Exerzitien im (Krisen) Alltag für unser Bistum. Jeden Tag gibt dort das Team des Zentrums für Glaubensvertiefung und Spiritualität (Kardinal-Volk-Haus Bingen) einen kurzen Impuls zu einem Aspekt aus der Tageslesung. Fragen und Anregungen zum Austausch runden das Angebot ab und laden zur Kommunikation per Telefon, Mail oder andere digitale Kanäle ein. Zusätzlich bietet das Zentrum über die Mailadresse austausch@hoffnung.online das Angebot, mit den Mitarbeitenden des Zentrums direkt in Kontakt zu treten.

4. Diakonie und gelebte Solidarität

Ältere Menschen und Risikopersonen

Überlegen Sie auf Pfarreiebene, ob Sie einen Einkaufs- oder Dienstleistungsservice für ältere Menschen und für Menschen, die häuslicher Quarantäne leben müssen, organisieren können. Achten Sie darauf, dass es dabei nicht zu einer direkten Begegnung kommt. Nach unserer Beobachtung entstehen derzeit im Netz zahlreiche Initiativen zur Nachbarschaftshilfe, wo insbesondere junge Menschen ihre Hilfe anbieten. Andererseits haben aber gerade ältere Menschen häufig kein Internet. Hier könnten Sie über Ihre telefonischen Kontakte oder über Handzettel eine Verbindung herstellen.

Briefkastenwurfsendung insbesondere an ältere Menschen

Um die älteren Menschen in Ihrer Gemeinde zu erreichen, gerade wenn nicht alle Telefon- nummern bekannt sind, könnte es hilfreich sein, einen persönlichen Brief zu formulieren und zu verteilen. Ein solcher Brief könnte die Verbundenheit und Solidarität gerade in der Krisenzeit zum Ausdruck bringen. Darin könnten Sie den Menschen das Angebot machen, telefonisch mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern zu festgelegten Zeiten (siehe oben zu Präsenzzeiten am Telefon) in Kontakt zu treten und ggf. Unterstützung zu erbitten.

Ehrenamtliche Telefonpatenschaften

Ehrenamtliche könnten „Telefonpatenschaften“ für zwei bis vier ältere Menschen übernehmen, diese regelmäßig anrufen und notwendige Dienstleistungen organisieren. Hier sind insbesondere die Besucher/innen der Seniorenkreise und die älteren Menschen, die sich üblicherweise bei den Werktagsgottesdiensten versammeln, in den Blick zu nehmen.

Besuchsdienste

Vorhandene Besuchsdienste sollten ihren Dienst weiterführen, indem sie als Ersatz für die persönlichen Besuche versuchen, die Menschen telefonisch zu erreichen.

Familien

In vielen Familien wird sich die Frage stellen, wie sie ihre Kinder über einen so langen Zeitraum zu Hause beschäftigen können. Auch dazu könnten Anregungen oder Materialien in den Pfarreien zur Verfügung gestellt werden.

Selbstständige in Notlagen

Viele Selbständige, insbesondere in der Gastronomie oder die Inhaber von kleinen Läden, sind in der aktuellen Situation in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Deswegen bieten manche Lokale ihre Speisen inzwischen mit einem Lieferservice an. Ebenso richten auch kleinere Geschäfte eine Website ein, auf der sie ihre Produkte und einen Lieferservice anbieten. Bitte überlegen Sie, ob Sie solche Angebote nutzen können, bevor Sie bei einem großen Internethändler bestellen.

Unsere Wünsche für die Pfarrgemeinden im Bistum Mainz

Die aktuelle Situation ist für uns alle eine große Herausforderung, und es sind sehr existenzielle Fragen, Sorgen und Ängste, die die Menschen derzeit bedrängen. Immer deutlicher zeigt sich, dass wir Menschen mit dem Gefühl, alles im Griff zu haben, an unsere Grenzen stoßen. In dieser Zeit gilt es zusammenzuhalten und solidarisch zu sein mit unseren Familien, Freunden, Nachbarn und allen Menschen, die uns anvertraut sind. Es geht darum aufmerksam zu sein, wo Hilfe benötigt wird, aber auch darauf zu achten, was für unsere eigene Gesundheit und unsere Seele notwendig ist.

Die Entschleunigung des gesellschaftlichen Lebens kann für uns durchaus eine Zeit der Besinnung und Neuorientierung sein. Es ist eine Zeit, in der wir uns verstärkt darauf besinnen, was uns trägt und Sinn und Orientierung gibt. Für uns Christen ist das große Geschenk unseres Glaubens eine Chance, die Zuwendung Gottes zu erbitten und zu erfahren. Unsere Hilflosigkeit, unsere Sorgen und unsere Ängste dürfen wir vor Gott tragen im Vertrauen auf seinen Beistand und seinen Segen.

Wir wünschen Ihnen von Herzen, dass Sie in Ihren Pfarrgemeinden diese schwierige Zeit meistern und in der Beziehung zu Jesus Christus Halt, Trost und Ermutigung erfahren.

Das wünschen wir allen Gemeindemitgliedern und Verantwortlichen in unserem Bistum. Gleichzeitig danken wir allen, die sich durch die unterschiedlichsten Hilfsangebote, durch Gottesdienst und durch das Gebet für andere einsetzen.

Mainz, 23. März 2020

Zur Beachtung bezüglich des Coronavirus