Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz: Warum Domjubiläum?

Programmskizze zur Pressekonferenz anlässlich der Ankündigung des 1000-jährigen Jubiläums des Willigis-Domes in Mainz (2009) am 1.12.2008 in der Memorie des Mainzer Domes

I.

Auch wenn wir ein tausendjähriges Jubiläum feiern, blicken wir nicht nur dankbar auf die Anfänge und eine lange Geschichte zurück, sondern der Mainzer Dom ist bis heute ein Gotteshaus. Darum gibt es die enge Verbindung zum Bischof von Mainz und zur (Erz-)Diözese, die beide noch älter sind. Der Mainzer Dom hat jedoch durch seine geschichtliche Bedeutung und seine Stellung in Staat und Stadt einen hohen Stellenwert auch für das bürgerliche und städtische Leben. Im Übrigen muss jede Generation sich das Wissen um Ursprung, Geschichte und Bedeutung des Domes wieder selbst aneignen. Dazu dienen in besonderer Weise auch die Jubiläen, die an entscheidende Daten anknüpfen. Viele neue Erkenntnisse bereichern uns.

II.

Um es von Anfang an zu sagen: Wir haben ein solches konkretes Datum, warum wir, wenn gewiss auch in einem größeren Kontext, das tausendjährige Jubiläum des so genannten Willigis-Domes feiern. Am 29./30. August des Jahres 1009 ist der von Willigis erbaute Dom kurz vor oder nach der Weihe einem Brand zum Opfer gefallen. Die damaligen Quellen sind verständlicherweise dürftig. Immerhin sagen z.B. die Annalen von Quedlinburg, die den neuen Dom dem vom Brand verschonten alten gegenüberstellen: „Die neue Mainzer Basilika ist mit allen zusammenhängenden Gebäuden elend durch das Feuer verbrannt worden, nur die alte Kirche blieb." Vom stolzen Bauwerk standen nur noch die Grundmauern und die Stümpfe der beiden Rundtürme des Ostwerks. Die Forschung vertritt mehrheitlich die Ansicht, Willigis habe seinen Dom auf einem seit langem unbebauten Gelände errichtet, das sumpfig gewesen sei, und zwar vor der heutigen Johanniskirche, bei deren Vorgängerbau es sich um den alten Dom handele. Der hochbetagte Erzbischof Willigis war jedoch nicht bereit, der Katastrophe den Sieg zu überlassen. Ungebrochen ordnete er den sofortigen Wiederaufbau an. So wird wiederum deutlich, warum wir vom Mainzer Willigis-Dom sprechen. Willigis starb freilich bald, nämlich am 23. Februar 1011, und wurde in dem von ihm gegründeten Stift St. Stephan begraben.

Vor allem bei den Daten um die Weihe von Kirchen und Klöstern stehen wir nicht nur wegen der lückenhaften historischen Dokumentation vor manchem Rätsel. Manchmal gibt es keine Jahresangaben, manchmal mehrere. Dies hängt auch damit zusammen, dass man lange Zeit an einem Großbau arbeitete; es gab Teilfertigungen; Katastrophen, darunter Brände und Blitzschläge, die manches in Asche legten - so gab es auch manchmal Weihen von Kirchen, die noch nicht fertig gestellt waren; manchmal wissen wir nur von Teilweihen, aber nicht immer von einer abschließenden Weihe des gesamten Gebäude-Komplexes.

III.

In diesem Sinne muss man das Jubiläumsjahr 1009/2009 immer in einem größeren Kontext sehen, auch wenn es wie in unserer Situation ziemlich genau auf den 29./30. August 1009 bezogen werden kann. Dies wird gerade bei der Geschichte unseres Domes deutlich.

Früher galt es als ziemlich unumstößlich, Erzbischof Willigis habe sofort nach Amtsantritt im Jahr 975 den Bau des Domes begonnen. Er wollte offensichtlich mit diesem Neubau, der nach mancher Meinung aufgrund des Zustandes des alten Domes eigentlich gar nicht so notwendig war, einen ganz neuen Akzent setzen. Darüber soll später noch ein Wort gesagt werden. Aus diesem Grunde hat das Bistum im Jahr 1975 „1000 Jahre Mainzer Dom" gefeiert und dafür auch wichtige Studien gefördert. Daran schließen wir an.

In der Zwischenzeit ist die Forschung jedoch mit einem konkreten Datum wie 975 zurückhaltender geworden. So nennt man z.B. das Jahr 997/98 als Beginn des Neubaus oder man bleibt noch zurückhaltender und setzt den Beginn des Neubaus etwa „vor 1000" an, wobei allerdings dann die Bauzeit bis 1009 erstaunlich kurz wäre.

Wir haben schon darauf hingewiesen, dass die Nachfolger des Erzbischofs Willigis, der selber energisch den Neubau betrieb, den Wiederaufbau förderten. Erst Erzbischof Bardo (1031-1051) stellte den Dom endgültig wieder her und weihte ihn im Jahr 1036. Wie weit Veränderungen vorgenommen worden sind und ob der neue Dom schon in Benutzung war oder ob man sich mit dem alten Dom begnügte, ist im Einzelnen nicht bekannt. Jedenfalls trägt der erste Bau an der heutigen Stelle mit Recht darum auch den Namen Willigis-Bardo-Dom.

Wenn wir das tausendjährige Jubiläum des Willigis-Domes im Blick auf das Jahr 1009 feiern, dann sollte man also immer diesen Dreiklang vor Augen haben: 975 bzw. „vor 1000" Beginn des Neubaus, Vollendung und Brand 1009, Wiederaufbau und feierliche Weihe 1036. Man muss unser eigenes Jubiläum also immer wieder, wie auch noch von inhaltlicher Seite aus zu zeigen sein wird, in diesen zeitlichen Gesamtzusammenhang hineinstellen.

Bei der Bedeutung, die Erzbischof Willigis für Mainz hat, kann man auch nicht an den Lebensdaten von Erzbischof Willigis (um 940 geboren) vorbeigehen. Er ist nämlich, wie schon gesagt, bald nach der Vollendung des mit ihm eng zusammenhängenden Domes am 23. Februar 1011 verstorben. Wir feiern also im Jahr 2011 auch den tausendjährigen Todestag des Erzbischofs Willigis. Der Tod des Willigis erfolgt ja nur eineinhalb Jahre nach dem Brand im Jahr 1009. Dieses Datum gehört in unseren weiteren Festrahmen. Im Blick auf Willigis und seine Zeit bereitet das Dommuseum eine große Ausstellung zum Mainzer Dom vor, die gewiss auch durch viele historische Studien und Tagungen begleitet sein wird. Unser Jubiläum findet damit eine konsequente Fortsetzung. Darüber werden Sie rechtzeitig informiert.

In diesem Kontext darf auch darauf hingewiesen werden, dass wir schon früher einzelne Jubiläen, die eng mit der frühen Mainzer Kirchengeschichte zu tun haben, begangen haben, nämlich: 1600. Todestag des hl. Martin von Tours (8.11.397), Patron des Bistums Mainz und des Mainzer Doms; 1250-Jahrfeier der Ernennung des hl. Bonifatius zum Erzbischof von Mainz (1996) und im Jahr 2004 1250-jähriger Todestag des hl. Bonifatius; 1000-jähriges Jubiläum von St. Stephan in Mainz mit einem Vortrag und Studien über Leben und Werk des hl. Willigis (1990) und der 1150. Todestag (4.2.856) des Erzbischofs Hrabanus Maurus (sein 1200. Geburtstag wurde 1980 gefeiert). Diese „Säulen der Mainzer Kirche im ersten Jahrtausend" gehören zusammen, gerade wenn vom Dom und der Stellung der Mainzer Kirche um die Jahrtausendwende die Rede ist. Zu diesen Gedenktagen gibt es eine reiche Literatur (vgl. einige Hinweise im Anhang).

Etwas außerhalb unserer Zeit, jedoch im Rahmen großer Mainzer Bischöfe, darf ich an dieser Stelle wenigstens erwähnen, dass wir im Jahr 2011 auch den 200. Geburtstag von Bischof Wilhelm Emmanuel Frhr. von Ketteler begehen, der von 1850 bis 1877 als Bischof von Mainz weit über das Bistum hinaus auf das katholische Leben in Deutschland und auf die Sozialverkündigung der Kirche überhaupt einwirkte. Dabei gibt es durchaus einen Zusammenhang mit unserem Thema, denn Ketteler war sich des Mainzer Erbes gerade im Blick auf die genannten Bischöfe durchaus bewusst und hat viel zur Wiederherstellung des Mainzer Domes beigetragen (1859-1864: Ausmalung des Inneren, 1870/1879: Chorturm, Ostkrypta).

IV.

Die Bedeutung dieser Zusammenhänge versteht man erst ganz, wenn man vor die Zeit der Erbauung des Domes zurückgeht. Dann werden die geistigen und politischen Fundamente für seine Entstehung voll deutlich. Mainz ist am Zusammenfluss von Rhein und Main eine uralte Siedlung und hatte, von noch früheren Zeiten abgesehen, bei den Kelten, Germanen und Römern eine kaum zu überschätzende Bedeutung. Das Christentum und der Bischofssitz in Mainz sind ziemlich alt, reichen auf jeden Fall in das 4. Jahrhundert zurück, aus dem die ersten Quellen stammen. Wir haben aber auch Nachrichten aus sehr viel früherer Zeit, nämlich vom hl. Irenäus, Bischof von Lyon, der um 180 n. Chr. Christen in Mainz erwähnt (Adv. haer.), auch wenn nicht von einem Bischofssitz die Rede ist. Wahrscheinlich kam das Christentum zuerst durch Soldaten, Kaufleute oder Handwerker zu uns. Über manche Zeiten, besonders der Völkerwanderung, fehlen uns Dokumente. Eine größere Kirche muss im 7. oder 8. Jahrhundert Martinus geweiht gewesen sein, wahrscheinlich ist sie identisch mit dem Vorgängerbau der heutigen Johanniskirche, die 1820 evangelisch wurde.

Als Willigis „vor 1000" den neuen Dom erbaut, gibt es einige Besonderheiten. Er baut offensichtlich nicht an der bisherigen Stelle der Kirche, wie es eher üblich war. Heute wissen wir, dass er auf sumpfigem Gelände baute, sodass auch der heutige Dom - wenn auch unterfangen - noch auf den Eichenholzpfählen steht, die damals das Fundament ermöglicht haben. Es sollte also offenbar ein ganz neuer Dom erbaut werden. Der Grundriss weicht schon dadurch von dem normalen Plan ab, dass das Querhaus im Westen und nicht wie üblich im Osten liegt. Als Vorbild hat wahrscheinlich die St. Peterskirche in Rom gedient (ähnlich beim Bonifatiusdom in Fulda und dem Kaiserdom in Aachen). Auch sonst werden neue Maßstäbe gesetzt. Als erster unter den oberrheinischen Domen erhielt der Mainzer damals bereits seine heutige Größendimension. Der Mainzer Erzbischof als Primas Germaniae (969/974) drückte seinen Anspruch durch einen neuen Dom von der Form der Mutterkirche der Christenheit aus. Willigis erhielt ja schon im März 975 mit dem Pallium das Privileg, als Vikar und Stellvertreter des Papstes in Deutschland und Gallien bei allen kirchlichen Amtshandlungen, besonders bei der Kaiserkrönung und auf den Synoden, die nach Rom höchste und alle anderen Bischöfe überragende Stellung einzunehmen und zu besitzen. Damit war Mainz die seit langem beanspruchte Führungsrolle im deutschen Episkopat von höchster Autorität zuerkannt worden. Der Erzbischof war Metropolit der größten Kirchenprovinz, Apostolischer Vikar, Primas und Päpstlicher Legat, Erzkapellan, Kanzler und zeitweilig noch Reichsverweser. Mainz wird zur Metropole und größten Erzdiözese Europas mit 15 Suffraganbischöfen, die von Chur im Süden bis Verden an der Aller im Norden und Prag im Osten reicht.

Willigis hohe Stellung in Kirche und Reich manifestiert sich im Neubau der Bischofskirche, die aus vielen Gründen zu einer der großartigsten, bedeutsamsten Leistungen der mittelalterlichen Architektur wurde. Der Dom ragt aber noch durch andere Dinge hervor: Er hat die aufwendigste Ausstattung aller deutschen Bischofskirchen. Die Türflügel aus der Willigiszeit am Marktportal (998) sind ein besonderes Kunstdenkmal. Der Mainzer Dom hat auch deshalb eine große kunsthistorische Bedeutung, weil seine Umbauung in einzigartiger Weise erhalten blieb. Er wurde nicht wie viele Dome dieser und späterer Zeit freigestellt (vgl. z.B. Frankfurt, Köln), sondern der Markt, Höfchen, Schöfferstraße, Kreuzgang, Bibliothek, Memorie, Kapitelsaal, die Räume des heutigen Dommuseums, die Plätze und vieles (früher z.B. die Liebfrauenkirche, erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen) sind als lebendiger Ausdruck all dessen, was zum Dom gehört, in besonderer Weise erhalten. Dies gilt auch für die Gotthardkapelle (1137). So ist der Dom auch für andere Sakralbauten dieser Zeit Vorbild geworden, z.B. für Speyer und Worms, aber auch für Regensburg und Augsburg, um nur diese zu nennen.

Ich will hier, da es ja um den Anfang des Willigis-Domes geht, abbrechen. Die folgenden Jahrhunderte haben viele Erweiterungen, Ergänzungen und Erneuerungen gebracht. Alle großen Stilepochen von der Frühromanik über die Gotik und die Renaissance bis Barock, Rokoko und Historismus haben z.T. kräftige Spuren hinterlassen und doch ein erstaunliches Ganzes geformt und erhalten. Alle großen Stilepochen der europäischen Kulturgeschichte sind hier vereint; an dieser Stelle darf ich auch auf die jüngste Neugestaltung der Sakramentskapelle verweisen (2007). Kunsthistoriker sprechen darum von einem „Stelldichein der Stilgeschichte" im Mainzer Dom. In diesem Zusammenhang darf ich nur noch ein Beispiel aus späterer Zeit nennen, nämlich der weithin als sehr gelungen angesehene Bau des Vierungsturmes von Franz Ignaz Michael Neumann, einem Sohn von Balthasar Neumann (1767). Dies alles können wir uns heute durch neue Forschungen zum Dom und seiner Baugeschichte besser aneignen.

In dieser tausendjährigen Geschichte gibt es natürlich immer wieder Brände und Beschädigungen. Es gibt große Brandnachrichten für 1081 und 1767, aber auch die Informationen über den Beschuss des Domes durch die Preußische Armee im Jahr 1793, über den geplanten Abbruch des Domes - wir haben den ersten Bischof des neuen Bistums, Joseph Ludwig Colmar, als Retter des Domes erkannt (1802-1818) -, die Profanierung und den Raub vieler Ausstattungsgegenstände in den Jahren 1797-1803, und schließlich die Verwendung des Domes als Kaserne, Lazarett und Viehstall im Jahr 1813/1814. Die Hälfte der Ausstattung ging verloren. Die Renovierungen 1913-1929 schufen neue Fundamente als Ersatz für die verfaulten Pfahlroste. Gott sei Dank, dass der Fliegerangriff des Jahres 1942 - man zählt ihn als siebten Dombrand - keine so großen Schäden verursachte. Bis 1960 verwendete man ein Notdach. Seit 2001 gibt es die bekannten Außenrenovierungen, für die auch der Dombauverein und die Domstiftung mit dem Domkapitel und dem Bistum, auch die staatliche Denkmalpflege eingeschlossen, Sorge tragen.

V.

Wir haben also viele gute Gründe, um 1000 Jahre Mainzer Willigis-Dom zu feiern. Daran wird uns auch weit über Mainz hinaus eine offizielle Briefmarke erinnern, die das Bundesfinanzministerium im August 2009, gleichsam dem Jubiläumsmonat, uns übergeben wird.

Aber dies alles darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir das tausendjährige Jubiläum eines heute noch „im Gebrauch" befindlichen, lebendigen Gotteshauses feiern. Es ist nicht nur ein bedeutsames historisches Monument und eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit, sondern der Dom ist - und dies verleiht ihm eine eigene Kontinuität und Identität - über ein Jahrtausend ein Ort unaufhörlichen Gotteslobes, und zwar in aller Öffentlichkeit. Daran müssen auch wir Christen immer wieder erinnert werden. Es braucht eine neue Aufmerksamkeit auf den spirituellen Charakter des Domes, der uns mit der tausendjährigen Kunst und Kultur auch heute zum Glauben hinführen kann.

Dazu habe ich für das Jubiläumsjahr ein Leitwort, ein Motto, ausgewählt. Es trifft sich gut, dass wir in der katholischen Kirche von Mitte 2008 bis Mitte 2009 das „Paulusjahr" feiern. Das ausgewählte Leitwort ist dem 1. Korintherbrief entnommen und heißt:
„Denn der Tempel Gottes ist heilig - und das seid ihr."
(1 Kor 3,17). Ich brauche hier keine konkretere Auslegung versuchen. Ein paar Worte genügen. Es ist eine Aufforderung, ein Appell, ein Aufmerksammachen darauf, dass wir dem, was wir sind, auch in unserem Leben entsprechen. Mit dem „Tempel" wird auf den Dom angespielt. Damit wird die Vorstellung vom Dom etwas „verfremdet" und macht uns nachdenklich. Wir werden an den „Tempel" in Jerusalem und seine Bedeutung für unseren Glauben und alle christlichen Kirchen erinnert.

Es ist der Tempel Gottes. Das Haus gehört also Gott. Er wohnt darin. Dies unterscheidet Tempel und Dom von unseren Häusern. Dennoch steht der Dom mitten in unserer Wohnwelt. Dies ist gerade beim Mainzer Dom so auffällig. Darum hat er auch eine große Nähe zum bürgerlichen und städtischen Mainz. Tempel in christlichem Sinne besagt an dieser Stelle aber auch, dass es nicht auf Steine allein ankommt, und seien sie noch so kostbar. Die Glaubenden müssen lebendige Steine, Zeugen sein (vgl. 1 Petr 2,5). Es geht um einen spirituellen Bau, der freilich unsere leibhaftige Welt und auch unseren Leib einschließt. Darum passen hier viele Aussagen über die Kirche als „Bau" zusammen (1 Kor 3,9; 1 Kor 6,16.19; Eph 2,21 f., vgl.auch LG 6). Das Bildwort von der Kirche als Bau wird vom Heiligen Paulus sehr grundsätzlich verwendet, auch in dem Sinne, dass der Bau/Aufbau der Kirche „konstruktiv" sein muss. Unser Wort „Erbauung/erbaulich" lässt dies leider nicht mehr erkennen, aber es ist ein wichtiges Merkmal und auch ein Kriterium der Mitarbeit in der Kirche, dass sie „aufbauend, hilfreich, konstruktiv" ist. Dies gilt auch als Kriterium für Kritik in der Kirche (vgl. dazu 1 Kor 8,1.10; 10,29; 14,3-5.12.17.26).

In diesem Sinne will uns das Leitwort „Denn der Tempel Gottes ist heilig - und das seid ihr." für ein lebendiges Zeugnis des Glaubens heute provozieren.

VI.

Diese Provokation wollen wir an vielen Themen, mit zahlreichen Motiven und im Zusammenwirken mit Künsten und Wissenschaften, aber auch unzähligen Menschen, fruchtbar zu machen suchen. In der Pressemappe finden Sie ein gewiss vorläufiges Verzeichnis aller Planungen. Ich werde dies jetzt nicht vorlesen und kommentieren. Ich möchte nur einen Ausgangspunkt nennen, wenn wir nämlich am 1. Februar das Jubiläumsjahr eröffnen, und wir werden gegen Schluss im November 2009 mit einem Höhepunkt diese erste Phase vollenden, wenn wir - so hoffen wir -wohl den Herrn Bundespräsidenten in Mainz begrüßen dürfen.

Am Mainzer Dom haben immer viele Künste und öffentlich bedeutsame Faktoren eine Rolle gespielt. Wir sind deshalb besonders glücklich, dass wir zu diesem Jubiläum für zahlreiche Veranstaltungen vier Medienpartner unserer Region gewinnen konnten, die uns bei der Überbringung der Jubiläumsbotschaft und der Bedeutung des Mainzer Domes in die große gesellschaftliche Öffentlichkeit hinein unterstützen wollen.

Ich begrüße daher mit ganz besonderer Herzlichkeit und großem Dank Herrn Intendanten Prof. Markus Schächter vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), Herrn Fernsehdirektor Bernhard Nellessen vom Südwestrundfunk (SWR), Herrn Bernd Koslowski, Mitglied der Geschäftsleitung der Verlagsgruppe RheinMain (AZ), und Herrn Joachim Türk, Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Es wird ein Proprium unseres Jubiläums sein, dass wir auf diese Weise die Bedeutung des Mainzer Domes noch besser noch in weitere Kreise hinein und weiter zur Sprache bringen können. Sie unterstützen uns auch bei vielen einzelnen Unternehmungen.

Herr Prälat Dietmar Giebelmann, Generalvikar des Bistums Mainz, und Prälat Heinz Heckwolf, Domdekan des Mainzer Doms, stehen Ihnen nachher außer mir gerne zu Fragen des Programms zur Verfügung. Beiden und allen unseren beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danke ich für ihren hohen Einsatz, ebenso bedanke ich mich jetzt schon bei Ihnen, den Damen und Herren der Medien, für Ihr Interesse.

Lassen Sie mich schließen mit einem Wort des Schriftstellers Rudolf Krämer-Badoni (1962), der uns in einer Besinnung auf den Mainzer Dom mahnt „nur das zu bauen, was aus der eigenen Zeit stammt, und zwar das Beste und Neueste aus der eigenen Zeit. - Dies jedenfalls ist die Lehre des Mainzer Doms für uns Heutige. Die großartigen Spannungen und gelungenen Lösungen stammen aus den genial zueinander in Beziehung gesetzten Teilen vieler Jahrhunderte. Ein gewachsenes Kunstprodukt. Ein Gebirge, von Künstlern erbaut."

Nun aber haben unsere Medienpartner das Wort.

 

Ausgewählte Hinweise allgemeiner Art

  • A. Ph. Brück (Hg.), Willigis und sein Dom. Festschrift zur Jahrtausendfeier des Mainzer Domes (975-1975) = Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 24, Mainz 1975.
  • W. Jung (Hg.), 1000 Jahre Mainzer Dom (975-1975). Werden und Wandel. Ausstellungs-katalog und Handbuch, Mainz 1975.
  • F. Arens, St. Martin, der Mainzer Dom und das Erzstift, in: Neues Jahrbuch für das Bis-tum Mainz 1982, 9-56.
  • W. Jung/A. Schuchent, Der Dom zu Mainz. Ein Handbuch, 3. Auflage, Mainz 1984.
  • F. Jürgensmeier (Hg.), Die Bischofskirche St. Martin zu Mainz. Mit Beiträgen zur Ge-schichte des Domes und einer bibliografischen Handreichung. Festgabe für Domdekan Dr. Hermann Berg, Frankfurt/Main 1986 (Bibliografie von R. E. Schwerdtfeger, Der Dom zu Mainz: 109-314).
  • D. H. Klein/H. Rosbach (Hg.), Mainz. Ein Lesebuch, Husum 1987, 26 ff.
  • F. Jürgensmeier, Das Bistum Mainz. Von der Römerzeit bis zum II. Vatikanischen Kon-zil, Frankfurt/Main 1988, 49 ff.
  • H. Schreiber, Unsere frühen Bischofssitze = Deutschland - das unbekannte Land 8, Frankfurt/Main 1989, 64 ff.
  • H. Hinkel (Hg.), 1000 Jahre St. Stephan in Mainz = Quellen und Abhandlungen zur mit-telrheinischen Kirchengeschichte 63, Mainz 1990.
  • J. Frederiksen, Mainz. Lesebuch, Frankfurt/Main 1992, 86 ff. (Dom).
  • D. von Winterfeld, Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umland, Würzburg 1993, 119 ff.
  • E. Dassmann, Die Anfänge der Kirche in Deutschland. Von der Spätantike bis zur früh-fränkischen Zeit = Urban-Taschenbücher 444, Stuttgart 1993 (vgl. Reg.: 227).
  • B. Nichtweiß (Hg.), Lebendiger Dom. St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart, Mainz 1998 (umfangreiche, reich bebilderte Darstellung von Geschichte, Bauwerk, Aus-stattung, Liturgie, Musik usw., ausgewählte Veröffentlichungen)
  • F. Prinz, u.a., Säulen der Mainzer Kirche im ersten Jahrtausend. Martinus, Bonifatius, Hrabanus Maurus, Willigis = Mainzer Perspektiven aus der Geschichte des Bistums, hrsg. von B. Nichtweiß, Mainz 1998.
  • J. Frederiksen (Hg.), Mainz. Ein literarisches Porträt, Frankfurt 1998, 113 ff. (Dom).
  • Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte, hrsg. von F. Jürgensmeier, Bd. I/Teil 1, Würz-burg 2000, 223-280 (Ernst-Dieter Hehl).
  • D. von Winterfeld/F. Janson/W. Wilhelmy, Dom St. Martin Mainz, Reihe: Kleine Kunst-führer des Verlages Schnell&Steiner, Nr. 608, 23. vollständig neubearbeitete Auflage, Regensburg 2002 (Erstausgabe 1955, vgl. auch 20. Auflage von W. Jung, München 1990).
  • R. W. Gassen, Romanik zwischen Speyer, Mainz und Heidelberg, Fulda/Petersberg 2007, bes. 83 ff.
  • F. Arens, Der Dom zu Mainz. Neubearbeitet und ergänzt von G. Binding, 3. Auflage, Darmstadt 2007 (neuestes Literaturverzeichnis: 154 ff.).