Schmuckband Kreuzgang

2. Sonntag im Advent - Nikolaus-Tag

(c) Pfr. Walter Mückstein
Datum:
So. 6. Dez. 2020
Von:
Martina Patenge

Tröstet, tröstet mein Volk 

Morgenandacht

Lied zum Anhören und Mitsingen
Mit Ernst o Menschenkinder (GL MZ 761)
Psalm 42, 1-7
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.
Wann darf ich kommen
Und Gottes Antlitz schauen?
Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht;
Denn man sagt zu mir den ganzen Tag: „Wo ist nun dein Gott?“
Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke:
wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar,
mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Meine Seele, warum bist du betrübt
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Gebet und Segen für den Tag
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu Eigen dir.                                                                                                      (Nikolaus von Flüe)
Und so bitte ich dich um deinen Segen für diesen Tag, mein Herr und mein Gott. Segne die Bewegungen meines Herzens. Segne meine heutigen Pläne. Und segne alle Menschen, die dich suchen. Amen.

 

Impuls für den Tag

 Aus der Tageslesung

 „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und ruft ihr zu, dass sie vollendet hat ihren Frondienst…Eine Stimme ruft: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott: Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, werde eben.“  (Jes 40, 1- 4)

Anregung
Jesaja hat immer noch eine weitere Vision vom Ende der schweren Zeit des Volkes Israel im Exil. Dabei ist die aktuelle Situation alles andere als hoffnungsvoll. Kein Ende der Verbannung ist in Sicht. Aber von Gott her kommt Hoffnung und Trost. Mit seinen Trostworten prägt Jesaja dem Volk ein: Ihr müsst aber auch was dafür tun. Ihr dürft den Glauben an den Gott, Eurer Väter, nicht verlieren! Ihr müsst mit Gott in Verbindung bleiben! Hier wählt er das Bild einer Straße, die für den Herrn gebaut werden soll. Straßenbau ist keine Kleinigkeit, sondern Schwerarbeit.
Straßenbau sagt den meisten heute etwas: in unserem Land werden ständig irgendwo Straßen gebaut. Zeitweilig sieht die Gegend dann aus wie eine Mondlandschaft, weil riesige Erd- und Steinmengen bewegt werden, um den Untergrund für eine neue Trasse herzurichten. Da müssen auch Wälder, Hügel und Berghänge weichen oder werden für immer verändert. Für Menschen, denen die Umwelt am Herzen liegt, oft genug eine Katastrophe.
Vielleicht ist es manchmal im eigenen Inneren gar nicht so leicht, Platz für Gott zu schaffen – oder gar eine Straße für Gott zu bauen. Auch wenn wir glauben dürfen, dass Gott immer schon da ist: „Gott ist mir näher, als ich mir selber bin“, formulierte es vor 800 Jahren Meister Eckhart. Das ist ganz bestimmt so. Dennoch gibt es manchmal so viel anderes, was die Sicht auf Gott verstellt. Oder das Hinspüren erschwert. Der Advent ist eine besondere Gelegenheit zum inneren Straßenbau.
Und was das Besondere ist: Tröstet mein Volk! - das steht zuerst. Erst wenn die Menschen getröstet sind, können sie sich um die neuen Wege kümmern. Nicht umgekehrt.
Zum Nachsinnen
  • Ich spüre hin, wo ich Trost brauche und getröstet werden möchte. Das alles darf ich „getrost“ Gott vortragen.
  • Gibt es einen Menschen, der/die mich trösten kann?
  • Wie sieht es mit meinen inneren „Straßen“ zwischen Gott und mir aus? Wäre da etwas aufzuräumen oder neu zu bauen? Was brauche ich dafür? Was könnte ich tun?
  • Oder ist da gar derzeit eine Wüste?
  • Könnte mir ein Gespräch mit einem/einer Seelsorger*in oder einer/einem Geistlichen Begleiter*in gut tun?
Impuls
Vielleicht können Sie heute einen Advents-Sonntagsspaziergang machen? Nehmen Sie die Wege oder Straßen bewusst wahr, spüren Sie Ihren Schritten nach.  Lassen Sie die heutigen Worte des Jesaja oder des Evangeliums noch einmal in sich klingen.
Zum Anhören:
„Tröstet, tröstet mein Volk“ 
Arie aus dem „Messias“ von Georg Friedrich Händel
Weiteres Angebot:
Verheißung und Erfüllung - Predigt von Pfr. Walter Mückstein zum 2. Advent