Schmuckband Kreuzgang

Bleiben

Datum:
Mo. 4. Jan. 2021
Von:
Pfr. Walter Mückstein
Aus dem Tagesevangelium
"In jener Zeit stand Johannes wieder am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm.
Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus.
Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du?
Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde." (Joh 1,35-39)
Anregung
"Willst du mich nicht mal wieder besuchen?" - "Gerne, ich komme demnächst mal vorbei."
Vermutlich kennen Sie solche Dialoge. Ok, wir meinen das mit dem "Vorbeikommen" nicht so wörtlich und gehen dann schon auch hinein. Aber die Formulierung macht etwas deutlich: Gefühlsmäßig sind wir oft eher auf "Durchreise". "Heute hier, morgen dort, bin kaum hier, muss ich fort ..." Der alte Schlager von Johannes Wader bringt es auf den Punkt.
Von den beiden Jüngern im Evangelium hören wir: "Und sie blieben jenen Tag bei ihm." Sie wollen diesen Jesus näher kennen lernen. Darum fragen sie ihn nach seiner Bleibe. Im griechischen Urtext steht für wohnen und bleiben das gleiche Wort. Und dieses Wort spielt im Johannes-Evangelium eine zentrale Rolle. Allein das Verb "bleiben" kommt 25 mal vor.
Jesus lädt zum "Bleiben" ein - bei ihm, in ihm und in den ewigen Bleiben seines Vaters (Joh 14,2). Mit Jesus in einer lebendigen Beziehung leben heißt: nicht nur gelegentlich mal vorbeischauen (z.B. in ausdrücklichen Gebetszeiten oder Gottesdiensten), sondern dauerhaft bleiben. Das bedeutet nicht, immer an ihn zu denken. Es geht um eine Grundhaltung. Der Epheserbrief drückt es so aus: "Durch den Glauben wohne Christus in euren Herzen, in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet." (Eph 3,17)
Wenn jetzt die Weihnachtstage mit den vielen geistlichen Anregungen langsam zu Ende gehen, kann das doch eine tragfähige Brücke in den Alltag sein.
Zum Nachsinnen
  • Kenne ich das Grundgefühl, immer nur irgendwie auf der Durchreise zu sein: "Heute hier, morgen dort..." - bei dem, womit ich mich beschäftige, woran ich denke, was ich tue .. .?
  • Gibt es in mir die Sehnsucht, mehr zur Ruhe zu kommen, mich nicht zu verzetteln, einfach mal nur da sein zu dürfen - kurzum: zu bleiben?
  • Kann ich in meinem Glauben, in meiner Beziehung zu Jesus Christus einen festen Halt für mein Leben finden?
Impuls
Versuchen Sie heute - und in den nächsten Tagen - nicht nur von Geschäftigkeit zu Geschäftigkeit zu eilen, sondern da und dort einfach einmal zu verweilen, zu bleiben.