Schmuckband Kreuzgang

Den Kelch trinken – will ich das wirklich?

Datum:
Mi. 3. März 2021
Von:
Dr. Bernhard Deister
Aus dem Tagesevangelium
Auf dem Weg nach Jerusalem bitten zwei der Jünger Jesus um die Plätze rechts und links von ihm in seinem Reich. Er antwortet ihnen mit einer Gegenfrage:
Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? (Mt 20,22)

Anregung
Verständlich, was die beiden Jünger sich wünschen: sie wollen Jesus in seinem Reich ganz nahe sein. Ist das nicht ein naheliegender Wunsch in der Nachfolge – dem, der uns so fasziniert möglichst nahe sein zu wollen? Ist es nicht vielmehr sogar das Innerste christlichen Lebens überhaupt – Jesus möglichst nahe sein zu wollen?
Umso erschreckender kann die Antwort Jesu wirken: Könnt Ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Und das mitten in der Ankündigung, dass er nach Jerusalem gehen und dort ausgeliefert und hingerichtet werden wird.
Angesichts seines Todes im Berliner Gefängnis schreibt Dietrich Bonhoeffer in seinem berühmten Gedicht „Von guten Mächten“ folgende Zeilen:
„Und reichst du uns den schweren Kelch,
den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.“
Wir können staunen über diesen Heroismus – oder versuchen uns vom Glauben Bonhoeffers anstecken zu lassen: Für ihn kann auch das Leid aus Gottes Hand kommen. Es ist Teil Seiner Schöpfung. Auch im Leid kann Gottes Wille geschehen. Er will unser Heil, Leben in Fülle. Und das kann Er uns auch in und durch unsere(n) Leiderfahrungen schenken. Wenn wir so im Leid auch Gottes ‚gute und geliebte Hand‘ miterleben (oder Gott zumindest darum bitten können) – nimmt das dem Leid nichts von seinem Schmerz und seiner Kraft, aber wir können vielleicht etwas davon erahnen, dass wir auch darin Gott und Jesus ganz nahe sind – so als säßen wir zu seiner Rechten und Linken.

Mich besinnen
  • Wenn ich an Leiderfahrungen in meinem Leben denke – gibt es für mich darin Spuren der Gegenwart Gottes, seiner ‚guten und geliebten Hand‘?
  • Kenne ich Menschen, die für mich in ihrem Leiden etwas von Gottes Nähe ausgestrahlt haben?
  • Wie geht es mir, wenn ich im Vater unser „Dein Wille geschehe“ bete? Bin ich davon überzeugt, dass Sein Wille für mich das Beste ist?

 

Impuls
Hören Sie die Vertonung der Zeilen Dietrich Bonhoeffers "Von guten Mächten" (Text: GL 430 – aber mit anderer Melodie!) immer wieder an und lassen Sie sie in sich wirken – und wenn es geht, singen Sie mit!