Schmuckband Kreuzgang

Impuls aus den Tagestexten

Datum:
So. 28. Feb. 2021
Von:
Dr. Bernhard Deister
Die entscheidende Frage
Aus der zweiten Tageslesung
Mitten hinein in eine Zeit der Verfolgung und des Versteckens, aber auch in das Erleben von Aufbruch und gegenseitiger Stärkung stellt Paulus der Gemeinde in Rom – und mit ihr uns heute – die entscheidende (Glaubens-)Frage:
Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?  (Röm 8,31b)

Anregung
Der Blick auf den Weg Jesu und seine Hingabe am Kreuz lässt Paulus zu der Aussage kommen, dass Gott für uns ist und in seinem eigenen Sohn sich uns in der ganzen Fülle seiner Liebe und Treue längst geschenkt hat. Von Jesus Christus, dem Auferstandenen, der zur Rechten Gottes des Vaters sitzt, bezieht Paulus seine Gewissheit.
Der thronende Christus ist in vielen Kirchen abgebildet – zugleich ist er unserem heutigen Erleben auch fremd. Eigentlich ist die Zeit der Kaiser und Könige vorbei – auch wenn wir sie mit Bischofsthron und exponierten Priestersedilien in unseren Kirchen noch konservieren. Deshalb ist es so wichtig, gerade die liebevolle Zuwendung Jesu zu allen Menschen, die ihn bis in die Verlassenheit des Kreuzes und das Dunkel des Todes gebracht hat, als Anker für unsere Fragen und Unsicherheiten zu nehmen.
Die aktuelle Krise – nicht nur im Erzbistum Köln – kann uns aber auch fragen lassen: Ist Gott wirklich für uns? Wo ist Er denn – in Kirche, Welt, Coronakrise, Impfchaos…? Und selbst wenn Er für uns ist – sind da nicht trotzdem so viele gegen uns – und Ihn? Auch Paulus hatte viele Feinde – die ihn sogar das Leben gekostet haben. Aber all das zählt für ihn nicht, solange er in sich die Klarheit hat, dass Gott für ihn ist.
Wenn wir wahrnehmen, wie Gott sich uns in Jesus zuwendet und uns seine Liebe und Nähe schenkt – dann können wir etwas erahnen von der Kraft, die aus der entscheidenden Frage kommt: Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?

Mich besinnen
  • Wie erlebe ich es – ist Gott für mich? Wo erlebe ich ihn auf meiner Seite – und wo enttäuscht er mich durch Ferne oder Schweigen?
  • Wo erlebe ich bei Menschen, dass sie gegen mich sind? Wo fühle ich mich ausgeliefert/ allein/ verlassen? Wie gehe ich mit solchen Verletzungen um?
  • Welche Erfahrungen des „Gott ist für mich“, „Er hält zu mir“ gibt es in meinem Leben? Was lösen sie in mir an Resonanz und Nachklang aus?

Impuls
Ob als Frage oder Aussage – als „Bist Du für mich?“ oder als „Du bist für mich!“ – wiederholen Sie heute diesen Satz immer wieder, schreiben Sie ihn auf einen Zettel und schauen Sie immer wieder darauf – und nehmen Sie Ihre innere Resonanz wahr ohne sie verändern oder bewerten zu wollen.
Nachklingen lassen
Heinrich Schütz (1585-1672): Ist Gott für uns ...
Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?
Welcher auch seines eigenen Sohns nicht hat verschonet,
sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben,
wie sollt´ er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hie, der gerecht macht,
Wer will verdammen?
Christus ist hie, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferwecket ist,
sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns.
Alleluja.