Schmuckband Kreuzgang

Spürsam bleiben in harten Zeiten

Rahel weint immer noch

Datum:
Mo. 28. Dez. 2020
Von:
Dr. Bernhard Deister
Aus dem Tagesevangelium
Gerade noch von den Sterndeutern als König verehrt, teilt Jesus kurz nach seiner Geburt das Schicksal viel zu vieler Kinder auch unserer Zeit – seine Familie muss mit ihm fliehen, und in Bethlehem kommt es zum schrecklichen Mord an vielen Kindern – nur um irdische Macht zu sichern. Eine alte Verheißung des Propheten Jeremia spiegelt sich darin:
Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen:
Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen,
denn sie waren nicht mehr..…    
 (Mt 2,18)
Anregung
Der Kindermord von Bethlehem, an den wir am heutigen Tag denken, ist wie die Schattenseite von Weihnachten. Da der von einem leuchtenden Stern „weltweit“ bekannt gemachte wahre König – auf der anderen Seite der über Leichen unschuldiger Kinder gehende weltliche Machthaber, der alles tut, um seinen eigenen Vorteil zu sichern.
Auch heute, mehr als 2000 Jahre später, muss Rahel noch um ihre Kinder weinen. Millionen müssen vor Krieg und Terror fliehen, suchen verzweifelt neue Heimat oder sterben in den Kriegsgebieten und auf der Flucht. Zugleich wütet immer noch die Corona-Pandemie und auch die Freude über den jetzt auch bei uns zugelassenen Impfstoff wird durch die Statistiken der Todesfälle bei uns und weltweit mehr als nur getrübt.
Wir können dieses globale Leid als einzelne weder beenden noch wirklich lindern – aber wir können unser Herz offen und achtsam halten für beide Seiten: den Strahl der Liebe Gottes zu uns ganz persönlich, der so strahlt, dass Sterndeuter das Kind finden und es die Dunkelheit unserer Zeit hell machen kann, aber auch für das Leiden so vieler an eben dieser Finsternis und Brutalität in der Welt und uns Menschen. Licht und Finsternis sind in jedem von uns – und genau darin wird Gott immer wieder neu Mensch.
Mich besinnen
  • Was sind meine Schatten und inneren Dunkelheiten – wo habe ich Angst um mich und mein Wohlergehen – auch zu Lasten anderer?
  • Vor wem oder was bin ich auf der Flucht und muss mich schützen – so wie Josef und Maria Jesus?
  • Welche Erfahrungen von Gottes Licht und Liebe durfte ich in meinem Leben machen – vielleicht auch ganz konkret an diesem Weihnachten 2020?
Impuls
Mit Gott an meiner Seite kann ich mit Rahel weinen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Dunkelheit das letzte Wort hat. Stellen oder setzen Sie sich doch mit Ruhe heute an eine Krippe und ‚schenken‘ Sie dem Neugeborenen alle eigene und globale Finsternis und Sorge.
Vielleicht tut Ihnen dabei das Lied: Ich steh an Deiner Krippe hier (GL 256)  noch einmal gut
oder das Lied  Weil Gott in tiefster Nacht erschienen (GL MZ 772)