Schmuckband Kreuzgang

Voll Gnade und Kraft

Datum:
Sa. 26. Dez. 2020
Von:
Pfr. Walter Mückstein
Aus der Tageslesung
"In jenen Tagen tat Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk."  (Apg 6,8)
Anregung
"Wenn wir ehrlich sind, müssen wir, glaube ich, schon zugeben, dass das Erlebnis, der Gefühlsgrund der diesjährigen Weihnachtstage irgendwie unheimlich war. Da klang die Botschaft vom Frieden den Menschen auf Erden in Herz und Gemüt, da hörten wir die Worte, dass der Retter da sei und die Welt umgewandelt sei." 
Das bringt wohl gut auf den Punkt, was viele Menschen vorgestern und gestern erlebt haben. Dieser Eindruck stammt aber nicht von mir und nicht von heute. Er stammt von P. Alfred Delp zum Stephanus-Tag 1942, also miten im 2. Weltkrieg. Er spricht dann kurz von den verwundeten und gefallenen Soldaten und fährt fort:
"Das passt irgendwie nicht in die weihnachtliche Botschaft hinein. Gerade in den Tagen, da die Botschaft herausgestellt wird, wird einem klar, irgendwie ist da etwas nicht in Ordnung, irgendwie ist die Welt außer Facon geraten, irgendwie ist nicht Weihnachten oder noch nicht Weihnacht."
Und dann lenkt der den Blick auf den Tagesheiligen:
"Da ist die Gestalt des Stephanus, des Mannes, der Weihnachten erlebt und ernst genommen hatte. Und sie zeigt, was aus einem Menschen wird, der das Weihnachtsgeheimnis wirklich zum Grundgeheimnis seines Lebens macht. ‚In jenen Tagen wirkte Stephanus voll Gnade und Kraft große Wunder und Zeichen unter dem Volke‘ (Apg 6,8). Voll Gnade und Kraft. Das erste, was gesagt wird. Der Mann, der über sich selbst hinausgewachsen ist, der Mensch, der alle menschlichen Grenzen hinter sich lässt, der übermenschliche Möglichkeiten zur Verfügung hat, weil er die Botschaft von der Vergöttlichung des Menschen ernst genommen hat: dass die göttliche Kraft und die göttliche Wirklichkeit zur Verfügung steht und in uns am Wachsen und Werden ist, und dass deswegen der Raum, der über dem gläubigen Menschen, dem Christen, steht, mehr ist als der nur menschliche Raum." (P. Alfred Delp SJ) *
Natürlich ist unsere Situation nicht mit den Schrecken des 2. Weltkriegs zu vergleichen - auch wenn der französische Präsident Emmanuel Macron davon sprach, dass wir uns im Krieg gegen das Corona-Virus befinden. Wir haben Menschen vor Augen, die durch dieses Virus verwundet wurden oder gestorben sind. Die Worte Delps haben mich auf diesem Hintergrund sehr berührt - und ich möchte sie gerne mit Ihnen teilen.
Zum Nachsinnen
  • Wie habe ich Heiligabend und den Weihnachtstag erlebt?
    War es für mich stimmig und gut - oder waren mir diese Tage auch "irgendwie unheimlich"?
  • Wie ist die Weinhachtsbotschaft "Christ, der Retter ist da!" in diesem Jahr bei mir angekommen? Wie klingt sie in mir nach?
  • Kann ich daran glauben, kann ich vielleicht sogar etwas davon spüren, dass auch ich im Vertrauen auf die Menschwedung Gottes in und durch mich "voll Gnade und Kraft" bin?
  • Wofür möchte ich Gott danken?
    Worum möchte ich ihn bitten?
Impuls
Falls Sie einen Weihnachtsgruß bisher aufgeschoben haben, weil eine Beziehung zu einem anderen Menschen irgendwie gestört oder belastet ist: Greifen Sie zum Telefon und rufen Sie an - im Vertrauen auf die "Gnade und die Kraft", die in Ihnen wirksam sind.
Zur Vertiefung
Wenn Sie Zeit und Lust haben hören Sie aus dem Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn-Bartholdy:
Die Steinigung des Stephanus (22'46'')   
Dazu der Text (hier relevant: Abschnitt 4-11)

* Alfred Delp, Gesammelte Schriften, hrsgg. von Roman Bleistein, Frankfurt 1983. Band III, Seite 116 f