Schmuckband Kreuzgang

Was kann von dort Gutes kommen?

Datum:
Sa. 20. März 2021
Von:
Martina Patenge
Aus dem Tagesevangelium
In Jerusalem ist Festwoche, das Laubhüttenfest. Gefeiert wird Erntedank und die Erinnerung an die Wüstenwanderung des Volkes Israels. Jesus nutzt die besondere Stimmung. Er redet. Er lehrt. Er fällt auf. Und er spaltet die Zuhörerschaft. Die einen sagen:
„Er ist ein Prophet. Andere sagten: Er ist der Messias. Wieder andere sagten: Kommt denn der Messias aus Galiläa?“ (Johannes 7,40)

Anregung
Diplomatisch ist Jesus nicht gerade. Immer mehr provoziert er Konflikte mit den Frommen und Mächtigen. Den einen kommt das gerade recht. Für sie ist er Idol und Prophet, wenn nicht sogar der Messias. Dass er Anstoß erregt, ist der beste Beweis dafür und macht ihn interessant. Den anderen aber ist er suspekt – angefangen bei seiner Herkunft aus Galiläa. Man kann die Verachtung förmlich spüren: Wer aus Galiläa stammt, kann nicht der ersehnte Prophet sein. Und weil das so ist, setzen sie sich zumindest in dieser biblischen Szene noch nicht einmal damit auseinander, was er sagt und denkt. Es reicht, dass er aus der falschen Gegend kommt. Das ist das Aus.
Während ich noch den Kopf schüttle über so viel Borniertheit, frage ich mich: Und wie ist das heute? Entscheidet die geographische, aber auch die soziale Herkunft nicht immer noch häufig über Erfolg oder Misserfolg im Leben, über wirtschaftlichen Aufstieg, über Karrieren, sogar über den gesundheitlichen Status? Zugegeben, da hat sich viel getan. Die demokratischen Entwicklungen gerade in Europa haben glücklicherweise auch das soziale Gefüge verändert. Noch vor 100 Jahren konnten die Schranken der Herkunft kaum überwunden werden. Die Revolutionen, Arbeiteraufstände und politischen Verwerfungen bis hin zur Wahl der Nationalsozialisten hatten stark auch damit zu tun – mit dem Unbehagen, der Verzweiflung und Not derer, die bis dahin eher von Fortschritt, Bildung und Lebenschancen ausgeschlossen waren und zu Recht dagegen opponierten, mit den bekannten fürchterlichen Folgen.
Im Blick auf die Welt ist das alles noch lange nicht überwunden, gibt es nach wie vor ein Gefälle zwischen Nord- und Südhalbkugel, zwischen hochentwickelten Industriestaaten und benachteiligten Entwicklungsländern. Flüchtlingskrise, aktuell auch die Pandemie und der Impfstoffmangel wecken vielerorts Wünsche nach mehr Abschottung und „wir zuerst!“.  Fremdes macht oft skeptisch und ablehnend. Dieser Teil des Schicksals von Jesus bleibt leider aktuell.
 
Zum Nachsinnen
  • Beim Laubhüttenfest in Jerusalem tritt Jesus sehr selbstbewusst auf. Ich stelle mir vor, wie Jesus sich im Festgetümmel bewegt. Wie geht es mir damit? Sehe ich eher den Propheten und Messias, oder eher den Unruhestifter?
  • Jesus nimmt in Kauf, dass er nicht so richtig in die geordnete Welt seiner Zeit passt. Ganz für seinen Gott da zu sein – fürs Reich Gottes zu kämpfen macht ihn unbequem. Und für viele bleibt er fremd.
  • Was ist mir nicht nur in dieser biblischen Szene an Jesus wichtig, was spricht mich an? Und wo ist er mir vielleicht fremd (geblieben)? Ich schreibe mir auf einen Zettel, was mir dazu einfällt.
  • Ich nehme mir einmal Zeit, über mein Verhältnis zu fremden Menschen, fremden Ländern, „dem Fremden“ nachzusinnen. Bin ich da eher offen oder eher ängstlich? Komme ich meinen Motiven ein wenig auf die Spur? Ich versuche, vor mir selbst so ehrlich wie möglich zu sein.
Impuls
Schauen Sie im Lauf des Tages immer wieder auf Ihren Zettel  (siehe oben) – und seien Sie auf diese Weise mit Jesus verbunden, wie er jetzt gerade für Sie wichtig und bekannt ist. Sagen Sie es ihm. Gerne immer wieder!
Nachklingen lassen
Einer ist unser Leben (GL MZ 840)