Schmuckband Kreuzgang

Wasser des Lebens

Datum:
Di. 16. März 2021
Von:
Pfr. Walter Mückstein
Aus der Tageslesung
Der Prophet Ezechiel sieht in einer Vision, wie im Tempel eine Quelle entspringt, die nach und nach zum Fluss wird. Und der hat eine besondere Eigenschaft:
"Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen, alles, was sich regt, leben können, und sehr viele Fische wird es geben. Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden die Fluten gesund; wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.
An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen. Ihr Laub wird nicht welken, und sie werden nie ohne Frucht sein. Jeden Monat tragen sie frische Früchte; denn das Wasser des Flusses kommt aus dem Heiligtum. Die Früchte werden als Speise und die Blätter als Heilmittel dienen."   (Ez 47,9.12)

Anregung
Heilsame Quellen sind keine Seltenheit. Orte in Deutschland, die eine solche vorweisen können, dürfen sich "Bad" nennen. Und es entstehen dann bald Kurkliniken, in denen das Wasser zu therapeutischen Zwecken angewandt wird. Das ist die medizinisch-sachliche Ebene.
Um die Heilkraft von Wasser ranken sich aber auch viele Mythen und Märchen. Ein bekanntes Beispiel ist die Version der Gebrüder Grimm: Das Wasser des Lebens.  Klar, dass auch in der Bibel das Wasser eine heraussragende Rolle spielt und zum Bild für Gottes Heilswirken wird. Es ist ja schon ganz ohne außergewöhnliche Heilkräfte schlichtweg lebensnotwendig - und in den biblischen Ländern eine seltene Kostbarkeit.
Wo aber können wir das Wasser des Lebens finden? Der Jesuit P. Alfred Delp (1945 von den Nazis hingerichtet) schreibt dazu:
"In uns selbst strömen die Quellen des Heiles und der Heilung. Gott ist als ein Brunnen in uns, zu dem wir zu Gast und Einkehr geladen sind. Diese inneren Quellen müssen wir finden und immer wieder strömen lassen in das Land unseres Lebens. Dann wird keine Wüste. ...
Von innen her wird uns die Kraft und die geistige Sicherheit und Überlegenheit kommen. Wie oft habe ich dies erfahren in der Hetze und Gejagtheit dieser Monate, unter der Last und Übermacht: dass auf einmal die Frische und die Kraft von innen her aufgehen als morgendliche Sonne." *

Mich besinnen
  • Konnte ich auch schon die heilsame Wirkung von Wasser erfahren?
    Wo und wie war das konkret?
  • Was sagt mir der Text von P. Alfred Delp? Kann ich ihn nachvollziehen?
  • Glaube ich daran, dass Gott als ein Brunnen in mir ist, aus dem ich immer wieder schöpfen darf und soll?
  • Habe ich einen Zugang zu dieser inneren Quelle - oder ist mir der Weg dorthin (manchmal) versperrt? Scheint die Quelle (gelegentlich) wie ausgetrocknet zu sein?
  • Wofür möchte ich Gott danken? Worum möchte ich ihn heute bitten?

Impuls
Wenn Sie, z.B. durch die Folgen der Corona-Krise, müde und erschöpft sind: Beten Sie für sich selbst und für andere darum, "dass auf einmal die Frische und die Kraft von innen her aufgehen als morgendliche Sonne."

Nachklingen lassen
Ströme lebendigen Wassers

* Alfred Delp, Gesammelte Schriften, hrsgg. von Roman Bleistein, Frankfurt 1984. Band IV, Seite 273f