Das Gemeindeprojekt in Bolpur

Nähen von Masken (c) Adelheid Schmitt

Das Kinderkrankenhaus
„St. Mary’s Child & Mother Health Care Center

 

Seit 2011 ist das Kinderkrankenhaus für Menschen  aus den Dörfern rund um Bolpur eine wichtige Anlaufstation. Die meisten Patienten gehören zu dem Ureinwohnerstamm der Santals, die in der indischen Gesellschaft noch unter den Kastenlosen rangieren.

Sie leben in ihrer traditionellen Art, sprechen ihren Dialekt, aber nicht die Amtssprache Bengalisch, leben ohne Strom- und Wasserversorgung, ohne medizinische Versorgung in armen und sehr primitiven hygienischen Verhältnissen; dazu kommt noch Mangelernährung.

Hier greift die Arbeit des Kinderkrankenhauses: zum einen die kostenlose Behandlung vor allem von Kindern und Müttern bei  Tuberkulose, Augenkrankheiten, Hautkrankheiten, Infektionen usw.
Das zweite, gleich wichtige Standbein sind Aufklärung und Prävention in den Bereichen Ernährung und Hygiene: im Krankenhaus selbst und durch geschulte Begleiter  in den Dörfern.

 

Kurzchronik

Im Februar 2010 beschloss der Pfarrgemeinderat, dass das Kinderkrankenhaus, unterstützt durch das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen, das Gemeindeprojekt werden soll.

Zunächst flossen alle Spenden in den Aufbau des Krankenhauses.

Im Februar 2011 wurde das Kinderkrankenhaus eingeweiht, etwa ein Jahr später baulich erweitert.

Seitdem fließen alle Spenden in den laufenden Betrieb (Medikamente, Arbeitsmaterial: Spritzen, Verbandsmaterial, Geräte usw.).

Neues vom Gemeindeprojekt in Bolpur

Verteilung von Lebensmitteln (c) Adelheid Schmitt

Die Kinderkrankenstation in der Corona-Krise

Die gute Nachricht: Bis Ende Juni (letzter Stand) gab es keinen einzigen Corona-Fall in den Dörfern rund um die Kinderkrankenstation!

Allerdings wird auch nicht getestet. Bei Verdachtsfällen wird eine strenge Quarantäne verhängt. Beatmungsgeräte gibt es in Bolpur und Umgebung nicht.

Die Maßnahmen in den Dörfern sind vor allem die strenge Einhaltung der Abstandsregeln: beispielsweise werden sie vor Brunnen mit Kreide eingezeichnet.

Ärzte sind derzeit keine vor Ort. Die (lokalen) Ärzte bleiben zu Hause und machen nur im staatlichen Krankenhaus Notdienste. Frau Dr. Golembiewski befindet sich in Deutschland, ihr Aufenthalt in Bolpur endete ganz planmäßig schon vor der Corona-Krise.

Die Ambulanz ist ohne Ärzte offen: Das Personal der Ambulanz kümmert sich um die stationären Tuberkulose–Patienten. Chronisch Kranke können sich mit Hilfe des Ambulanzwagens die notwendigen Medikamente im Kinderkrankenhaus abholen. Schwierige Fälle müssen in andere Krankenhäuser gebracht werden z.B. nach Kalkutta, was derzeit mit vielen Hindernissen verbunden ist.

Die Ausgangssperre bedeutete für die Menschen, die nicht in der Landwirtschaft beschäftigt sind, dass sie die Dörfer nicht verlassen durften. Mit Straßensperren wurde streng kontrolliert. Sie konnten also nicht mehr als Tagelöhner arbeiten und hatten somit kein Einkommen. Inzwischen gibt es Lockerungen und einige können wieder arbeiten

Die Schule ist geschlossen. Dafür kümmern sich Mitarbeiter intensiv um den „Schulgarten“, auf dem nachhaltige Anbaumethoden eingesetzt werden.

Die Regierung stellt pro Monat ein Kontingent von Nahrungsmitteln zur Verfügung, das aber nicht ausreicht: 2 kg Reis und 3 kg Weizen pro Person, sowie 1 Maske und 1 Seife pro Familie.

Das Krankenhaus hat die Erlaubnis erhalten, die 33 Dörfer abzufahren und den Kindern täglich eine Getreide-Linsen-Milch-Instant-Mischung als Zusatznahrung zu bringen. Diese Nahrung wird im Krankenhaus von den noch verbliebenen Mitarbeitern hergestellt.

Eine große Stütze sind die Dorfhelfer, die jeweils in ihrem Dorf von Haus zu Haus gehen um zu erfahren, wer krank ist und wer Hunger leidet. Sie können die Patienten mit Medikamenten versorgen. Auf ihren Schultern liegt jetzt hauptsächlich die Gesundheitsbetreuung.

In dieser Krise zeigt sich, wie vorausschauend und wichtig der Aufbau dieses Dorfhelfer-Netzwerks (durch Frau Dr. Golembiewski) war und ist!

 

Karen Fiedler und Adelheid Schmitt