Die katholische Pfarrei Hausen - ein Blick zurück

kirchenbuch

Genauere Unterlagen über die früheren kirchlichen Verhältnisse unserer näheren und weiteren Heimat haben wir erst seit dem 16. und 17. Jahrhundert. Das ursprüngliche Bild lässt sich aber mit einiger Sicherheit aus erhaltenen Einzelurkunden ergänzen. So wissen wir, dass das Christentum im 7. und 8. Jahrhundert Einzug in unsere Gegend hielt und durch den heiligen Bonifatius eine stabile Verwaltung bekam.

Unser Gebiet - das Landkapitel Rodgau - gehörte zum Archediakonat Aschaffenburg, das seinerseits wieder dem Erzbistum Mainz unterstand. Erste Pfarreien bildeten sich am Main entlang. Die wichtigsten waren Seligenstadt und Mühlheim, deren Anfänge in der Karolinger-zeit liegen.

Seit Jahrhunderten, wahrscheinlich seit Gründung, war Hausen eine rein katholische Gemeinde. Auch im Zuge der Reformation und Gegenreformation im 16. Jahrhundert bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 gab es keine Veränderungen, da Hausen ohne Unter-brechung zum Gebiet des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz gehörte.

Einzelne evangelische Bürger wurden erstmals im Jahre 1836 in der Gemeinde registriert. Im 19. Jahrhundert lebten für mehrere Jahrzehnte zwei jüdische Familien mit durchschnittlich 10 Personen in Hausen. In den siebziger Jahren zogen sie fort.

Anfang des 9. Jahrhunderts ist die Mutterkirche unserer Gegend Mühlheim (Mulinheim inferior, Untermühlheim, im Unterschied zu Seligenstadt, damals Obermühlheim). Zu Mühlheim gehören, neben Hausen und Obertshausen, die Filialen: Bieber, Bürgel, Dietesheim, Heusenstamm, Lämmerspiel und Offenbach.

Am 6. Oktober 1069 wird Hausen als „villa Hyson" in einer in Frankfurt am Main ausgestellten Urkunde zum ersten Mal erwähnt. Heinrich IV. (König und späterer deutscher Kaiser, bekannt durch seinen „Gang nach Canossa") schenkt dem Kloster St. Jakob in Mainz „Neubruchland im Forst Dreieich bei dem Dorf Hausen im Maingau".

1339 gehört Hausen zu Lämmerspiel, das zu Beginn des 14. Jahrhunderts als selbständiger Pfarrort mit den Filialen Hausen und Obertshausen von der Mutterkirche getrennt wurde.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 leben in Hausen noch zwei Familien mit 15 Personen.

1726 wird Obertshausen auf Antrag des Grafen von Schönborn von Lämmerspiel getrennt und Heusenstamm zugeteilt.

Hausens erstes Kirchlein

kapelle

Zu Beginn des Jahres 1728 ersucht der Ortsvorstand (Johann Hoffmann als Schultheiß und Andreas Gultan, Johann Bieroth, Johann Nikolaus Komo als Gerichtsschöffen) die Gräfin Maria Theresia von Schönborn von Heusenstamm sie möge vom Erzbischöflichen Ordinariat in Mainz die Genehmigung zum Bau einer Kirche in Hausen erbitten. Die „Lizens" wird post-wendend erteilt und am 24. Mai 1728 (Pfingstmontag) wird von Pfarrer Johann Kaspar Gräffler, Lämmerspiel, in Anwesenheit der ganzen Gemeinde und zahlreicher Gäste der Grundstein zur ersten Hausener Kirche in der Fortsetzung der heutigen Kapellenstraße eingangs der Herrnstraße gelegt.

Das im Jahre 1758 begonnene „Kirchenbuch von Hausen" berichtet ausführlich über Bau und  Finanzierung des ersten Hausener Gotteshauses. Die Kapelle (sacellum), wie sie urkundlich ge-nannt wird, ist 11.80 m lang, 5 m breit und 5.20 m hoch. Die Kirche der Mutterpfarrei ist kaum größer. Viele Jahre ist unser Kirchlein nur ein Bethaus ohne „Licenz" zur Messfeier. Die Gläubigen halten darin ihre Andachten, bei denen der Lehrer mit ihnen betet und singt. Erst m 23. Oktober 1747 „ist vom erzbischöflichen Generalvikariat zu Mayntz auf geschehenes unterthäniges Bitten, und von Pfarrer Kempter zu Lämmerspiel eingeschickte Information der Kirch zu Hausen hinter der Sonn die Licenz hiermit erteilt worden, in unserer Kirch auf Werktäg Meß lesen zu lassen." Fast ein halbes Jahr verging, ehe am „Freitag, 6. April 1748, von ihrer Hochwürden H. Philip Kempter in unserer Kirch die erste Meß gelesen worden ist".

 1755 werden Johann Heinrich Graf aus Hausen und Anna Maria Pyroth aus Bieber als erstes Brautpaar mit „Sondergenehmigung" getraut - in der Kapell', wie die Hausener ihr Kirchlein in weiser Selbstbescheidung bis zum Abriss 1899 nennen. Fast 30 Jahre nach Baubeginn, kommt der Mainzer Weihbischof Christoph Nebel auf einer Firmungs- und Visitatsionsreise in unsere Gegend und weiht das Gotteshaus am 23. September 1756 zur Ehren der Jungfrau Maria und des heiligen Josef. Die Zahl der Hausener Katholiken geht auf zweihundert zu.

Aufs Jahr ein Jahrhundert später beschreibt der legendäre Sozialbischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler bei einem Firmungsbesuch drastisch den verwahrlosten Zustand der Hausener Kapell': „Christus muss immer noch in einem Stall wohnen - nämlich in Hausen hinter der Sonne".Die gescholtenen Hausener Schäflein nehmen sich das Wort ihres Oberhirten zu Herzen: Zwei Jahre später ist ihr Gotteshaus aufgehübscht.

Doch seine Jahre sind gezählt. 1880, die Einwohnerzahl ist auf 748 geklettert - fast ausschließ-lich Katholiken -, beginnt die Pfarrgemeinde mit regelmäßigen Sammlungen für eine neue Kirche.

Über 6 Jahrhunderte war Hausen eine Filiale der Mutterpfarrei Lämmerspiel. Endlich und lang ersehnt: St. Josef Hausen, mit 1415 katholischen Einwohnern die größte Filialgemeinde in der Diözese Mainz und längst über sein Pfarrdorf Lämmerspiel hinausgewachsen, wird am 1. Mai 1924 „für alle überraschend" (Pfarrer Schwahn in der Chronik) selbständige Pfarrkuratie, ein von der Mutterpfarrei abgetrenntes Gebiet mit eigener Kirche und eigenem Seelsorger. Peter Valentin Schwahn, bereits als Kaplan in Lämmerspiel für Hausen zuständig, wird zum ersten Pfarrkuraten ernannt.

Pfarrer Schwahn, ein Stadtbürger aus dem zweitausendjährigen Mainz, unserer Bischofsstadt,  war von seinem „höchsten Dienstherrn" dazu ausersehen, 33 Jahre seines Priesterlebens segensreich in einer Landpfarrei zu wirken, über 15 Jahre auch als Dekan des großen, damals noch ungeteilten Dekanats Offenbach Stadt und Land. 1951 ehrte ihn Bischof Dr. Albert Stohr mit dem Titel Geistlicher Rat. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums l962, verliehen die Gemeindevertreter der politischen Gemeinde dem Jubilar als erstem Hausener Bürger einstimmig die Würde eines Ehrenbürgers.