Innehalten

Kirschblüte- (c) Hans Reis

INNEHALTEN

Jetzt ist es nicht mehr nur eine Unterbrechung, des sonst so betriebsamen, hektischen Alltags. Der Alltag, die Hektik selbst hat eine Vollbremsung hingelegt. Kein Innehalten im Tageslauf, ein Innehalten als Zeitabschnitt. Eine Fastenzeit, die uns nicht fragt, was wir fasten wollen, die uns das Fasten vorschreibt.  Alle Veranstaltungen und Treffen sind abgesagt. Entbehrung der ungewohnten Art. Gleichzeitig kommt der Frühling mit Macht. Es wird Grün. Das Leben platzt mit aller Kraft aus sich heraus. Welches Fest wird es sein, wenn wir uns wieder um den Hals fallen dürfen! Wenn wir wieder miteinander feiern, essen, tanzen, singen, musizieren!

März 2020

UNAUFHALTSAM

wie ein Sonnenaufgang, wie Wachsen und Vergehen und Wachsen und Vergehen und Wachsen

wie ein Kind, das Laufen lernt

unaufhaltsam, leise und langsam,

wird sich das Reich Gottes durchsetzen

wider alle Wahrscheinlichkeit

wider alle Gewalt

wider allen Spott

VERSPROCHEN.

Das Reich, das im Wohlergehen aller besteht.

Die heilige Ordnung, die uns heilt.

Das Reich, in dem es niemanden gibt, der sich über den anderen stellt und niemanden, der sich unter den anderen stellt.

Das Reich Gottes, in dem das Kreuz, der Weg zu Leben in Fülle ist.

Februar 2020

Anderswunsch

Weihnachten und die Zeit um den Jahreswechsel ist die Zeit der Wünsche. Zuerst die der Wunschzettel und Geschenke unterm Weihnachtsbaum, dann die Zeit der Neujahrswünsche. Alles Gute, Glück und Segen, Erfolg, Gesundheit. Das Leben wird dennoch Höhen und Tiefen haben. Gelingen und Scheitern werden sich abwechseln.

Die Wünsche spiegeln,  was für uns wichtig ist.  Besitz. Prestige. Geliebtwerden. Kein Leid zu spüren, nicht trauern zu müssen, nichts loszulassen...

Drei so ganz andere Wünsche in den "Offenbarungen der göttlichen Liebe" von Juliana von Norwich haben mich vor Weihnachten stutzig gemacht. Sie wünsche sich drei Wunden, die Wunde der Reue, des Mitleids und die Wunde der willentlichen Sehnsucht nach Gott. Ich stelle es mir vor und meditiere es seither, ganz angefüllt mit dem Licht aus der Höhe zu sein und tatsächlich, in diesem Moment hat kein einziger eigener Wunsch noch Platz. Und trotzdem wird es nicht eng, sondern weit und hell und einfach und großzügig. Weil Gott so groß und weit ist.

Du führst mich hinaus ins Weite, Gott. Und Glück und Segen liegen in allem, was geschieht, Höhen und Tiefen, Gelingen und Scheitern. Es ist wie ein Lachen, wie eine Freude über allem.

Haben Sie Gott im Herzen. Und den Himmel über Ihrem Leben.

Januar 2020