In Stein gemeißelt

Krippe

Mehr als Brot

https __www.pfarrbriefservice.de_sites_default_files_atoms_image_bread-baking-3788689_by_matthiasboeckel_cc0-gemeinfrei_pixabay_pfarrbriefservice (c) Matthias Boeckel, Pixabay_Pfarrbrief

 

Gott ins Spiel bringen und  dadurch von Gott ins Spiel gebracht werden.

Es ist eine meiner liebsten Evangelien, das Evangelium von der Brotvermehrung, wohl auch, weil ich als Jugendliche die Wundererzählungen im Neuen Testament rundweg abgelehnt habe. Jetzt mit 59 weiß ich, solche Wunder gibt es, auch heute noch.

Aber von vorne.

Sie kennen die Erzählung? Sie beginnt mit einer brenzligen Situation, Johannes der Täufer ist von Herodes Antipas umgebracht worden. Auf ihn hatten viele ihre Hoffnung gesetzt, in ihm den erwarteten Messias oder wiedergekehrten Elias gesehen. Jesus zieht sich zurück in die Einsamkeit. Für die damaligen Leser sind eindeutige Schlüsselworte im Text, die einsame Gegend Wüste gilt als Ort der Begegnung mit Gott – Jesus sucht die Nähe Gottes. Die Menschen folgen ihm. Er hat Mitleid. Wieder ein Schlüsselwort: Mitleid, eine Eigenschaft Gottes, die in den Heiligen Schriften des Alten Testaments immer wieder der Anlass für eine barmherzige Zuwendung Gottes zu den Menschen ist.

Es wird Abend. Die Jüngerinnen und Jünger wollen, dass Jesus die Menschen in die Dörfer schickt, damit sie sich dort etwas zu essen kaufen.

Jetzt die Überraschung: Gebt ihr ihnen zu essen! Nicht, „macht euch keine Gedanken. Ich gebe ihnen zu essen oder Gott gibt ihnen zu essen. Oder, sie brauchen nicht essen, da sie satt sind…

Gebt ihr ihnen zu essen!

Eine echte Herausforderung.

Stellen Sie sich vor, bei den vielen Bitten, die wir an Gott richten, Frieden zu schaffen, Hunger, im Großen und im Kleinen...  würden wir die Antwort erhalten: Mach Du.

Stockt Ihnen auch der Atem, wenn Sie das hören? Genau; auch wir würden sagen: Was ich habe reicht doch nicht. Reicht noch mal für mich. Wie die Jüngerinnen und Jünger würden wir sagen: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Auf jeden Fall zu wenig. Niemals wird das reichen. Es reicht schon nicht für uns. Was für eine unsinnige Idee.

Dann geht es darum, ernst zu machen mit meinem Glauben:

  • Alles geben. Wilhelm Willms, Priester und Verfasser geistlicher Lieder und Lyrik, der dieses Jahr 90 geworden wäre, hat 1976 folgenden Liedtext geschrieben, der mich sehr beeinflusst hat: Wenn jeder gibt was er hat, dann werden alle satt.
  • Nicht von mir schieben – auf die Politiker, die Kirchenoberen, die Reichen, auf jeden Fall die anderen
  • Teilen
  • Gott ins Spiel bringen und paradoxerweise dadurch von Gott ins Spiel gebracht werden.

Ich dachte zuerst, dass Unmögliches von mir verlangt wird. Aber es wird ja nicht verlangt, dass ich gebe, was ich nicht habe. Es wird nur verlangt, dass ich gebe, was ich habe.

Lassen Sie mich IHnen ein Beispiel erzählen: Manchmal, in einem Gespräch ist das meine Ratlosigkeit, mein Nichtweiterwissen. Wenn ich das dann teile, dem anderen zur Verfügung stelle, habe ich erlebt, dass das Gespräch eine wunderbare Wendung nimmt. Das Gegenüber hat es als tröstlich empfunden, dass auch ich nicht weiterweiß. Und wenn wir das dann eine Zeitlang miteinander ausgehalten haben entstand in dieser Zeit eine Idee, wie es weitergeht. Ein kleiner Moment, der was verändert. Als würde das Innehalten einen Blick in eine andere Realität ermöglichen. Ich erlebe das als Momente, in denen Gott wirkt.

Claudia Staudinger, Ökumenisches Mittagsgebet am 01.AUGUST 2020