Mal ehrlich: Haben wir verlernt, normal miteinander zu reden?
Sonntag nach der Wahl ist mir es wieder aufgefallen. Ich habe kurz den Fernseher eingeschaltet und reingeschaut in die Runde mit den Spitzenpolitikern. Mein Eindruck: Alle reden gleichzeitig, niemand hört zu, jeder versucht lauter zu sein als der andere. Nach ein paar Minuten war ich raus.
Und das passiert nicht nur im Fernsehen und in der Politik. Auch im Alltag. In der Bahn, im Supermarkt oder auf der Straße. Oft reichen Kleinigkeiten und Menschen reagieren gereizt. Die Nerven liegen schnell blank. Menschen fühlen sich provoziert.
Ja, wann haben wir verlernt, normal miteinander zu reden?
Nicht jede andere Meinung ist ein Angriff. Nicht jeder Fehler eine Provokation.
Wie schön wäre es, wenn wir uns weniger schnell empören, Vieles gelassener angehen. In der Bibel heißt es: „Jeder soll bereit sein zu hören, aber sich Zeit lassen, bevor er redet, und noch mehr, bevor er zornig wird.“ (Jak 1,19, vgl. 1 Kor 7,8; Jak 3,2; Sir 5,11) Das klingt überraschend aktuell. Und vielleicht ist es genau das, was unserem Miteinander gerade fehlt. Denn ein gutes Miteinander beginnt oft mit einem einfachen Satz: „Erzähl mal. Ich hör dir zu.“
Sven Herget, katholische Kirchenredaktion
