Stiftung St. Stephan

Die Gemeinde St. Stephan in Mainz hat eine Stiftung gegründet, die zum Erhalt von Kreuzgang und Kirche mit ihren weltberühmten, von Marc Chagall gestalteten Kirchenfenstern beitragen soll.

Der Mainzer Generalvikar, Prälat Dietmar Giebelmann, überreichte die Stiftungsurkunde am Montagabend, 10. September, in einem Gottesdienst an Pfarrer Stefan Schäfer und dankte „allen Stiftern und Wohltätern der Pfarrei" für ihr Engagement. St. Stephan sei zusammen mit dem Mainzer Dom „eine der wichtigsten Kirchen in unserem Bistum", sagte Giebelmann. Die „Stiftung St. Stephan in Mainz" ist eine Unterstiftung der Bonifatius-Stiftung des Bistums Mainz, die als Dachstiftung für inzwischen 43 Pfarrgemeinden der Diözese fungiert.

„Die St. Stephanskirche ist ein Kulturgut und eine Pfarrkirche. Beides gehört untrennbar zusammen", sagte Giebelmann. Mit den Chagall-Fenstern habe die Gemeinde „eine ganz eigene christlich-jüdische Tradition begonnen, die alljährlich Zehntausende von Menschen herbeiruft, die eintauchen in die Bilder- und Farbenwelt der Bibel und damit ihren Glauben neu entdecken". Zugleich sei die Gründung der Stiftung „ein Glaubensbekenntnis", sagte Giebelmann, „denn niemand gründet eine Stiftung, wenn er nicht an seine Zukunft glaubt. Einmal grundgelegt bedarf es der Menschen, die sich die Stiftung zu eigen machen." Pfarrer Schäfer dankte in seiner Begrüßung besonders Stefan Schmitz für die Initiative und das Engagement bei der Stiftungsgründung und begrüßte unter anderen die früheren Pfarrer von St. Stephan, Monsignore Klaus Meyer und Egon Retsch, sowie die Kulturdezernentin der Stadt Mainz, Marianne Grosse.

Die Stiftung ist mit einem Vermögen von 500.000 Euro ausgestattet. Gründungsstifter sind Stefan Schmitz, Peter Eckes, Peter Ditsch, Dirk Gemünden, die Mainzer Volksbank und die Gemeinde St. Stephan. Den Vorstand der Stiftung bilden Pfarrer Schäfer, Stefan Schmitz, der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Hermann Wolters, Wolfgang Hempler, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank Mainz, und Bettina Kolbe von der Geschäftsstelle Stiftungen des Bischöflichen Ordinariates.

Über den Zweck heißt es in der Stiftungsurkunde: „Zweck der Stiftung ist die finanzielle Förderung des historischen Ausbaus, der baulichen Erhaltung des Ensembles sowie der sakralen Ausstattung der katholischen Pfarrkirche St. Stephan in Mainz. Dieser Zweck wird insbesondere verwirklicht durch die Unterstützung von baulichen Maßnahmen aller Art, die der Wiederherstellung, der Ausstattung sowie der Instandhaltung der Pfarrkirche St. Stephan und des Kreuzgangs dienen." Erforderliche Maßnahmen seien unter anderem die Restaurierung des Westchors sowie des seit Jahrzehnten provisorischen Gewölbes und auch die Erneuerung der Heizungs- und Beleuchtungsanlage, wie es im Faltblatt der Stiftung heißt.

Die Bedeutung von St. Stephan wird außerdem in der Präambel der Stiftung deutlich gemacht. Dort heißt es: „Seit mehr als 1.000 Jahren prägt St. Stephan als Krone das Bild der Stadt Mainz. Von Erzbischof Willigis errichtet und von Kaiser Otto III. zur Gebetskirche des Reiches bestimmt, in der für die Anliegen des Reiches gebetet werden sollte, ist diese Kirche über die Jahrhunderte hinweg ein Zeichen des Glaubens und der Bitte um Frieden gewesen. Nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges realisiert die Stephanskirche den von ihrem Stifter gegebenen Auftrag heute wieder in neuer und herausragender Weise: Die Kirchenfenster, die Marc Chagall für diese vom Krieg gezeichnete Kirche geschaffen hat, sind inzwischen ein weltweit wahrgenommenes Symbol der Aussöhnung der Religionen, der Völkerverständigung und des Friedens. Die Stephanskirche auch kommenden Generationen als Zeichen für die Kraft der Versöhnung und des Neubeginns auf der Grundlage der biblischen, jüdisch-christlichen Botschaft, als Ermutigung zum Dialog der Religionen und als Gebetsstätte zu erhalten und das mit diesem Gotteshaus anvertraute Erbe zu pflegen, ist das Anliegen der Stiftung."