Zeitgemäß und dennoch der Tradition verpflichtet:
Der Bläserkreis St. Stephan nach mehr als 55 Jahren

„Harmonie beim Musizieren und Beisammensein sowie Dynamik bei der Auswahl der Stücke haben sicher dazu beigetragen, unser Projektensemble dorthin zu bringen, wo wir heute stehen.“ Martin Bäßler, der den Bläserkreis (Stand 2023) seit 15 Jahren leitet, blickt sichtlich zufrieden auf die zurückliegenden Jahre zurück. So hat der Bläserkreis kontinuierlich Zuwachs auch an jüngeren Musikern bekommen. Freunde bringen Freunde mit und selbst Kinder musizierender Eltern zeigen Interesse mitzuwirken. Im 56. Jahr seines Bestehens gehören dem Ensemble weit über 50 Blechbläser aus drei Generationen an.

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Auftritte immer in Orchesterstärke erfolgen. „Als Projektensemble passen wir uns flexibel den sich ergebenden Besetzungen an“, erläutert Bäßler. „Projektensemble“ bedeutet, dass zu jedem musikalischen Anlass mit großem Verteiler angefragt wird, wer von den Bläserinnen und Bläsern terminlich kann und mitspielen möchte. Danach werden vom Leiter Stücke ausgewählt und die Noten verschickt; die Vorbereitung erfolgt dann individuell zu Hause; zumeist am Vortag des Auftritts gibt es eine gemeinsame Probe. Somit werde „Dynamik“ bei Arrangements wie Ensemblebesetzung groß geschrieben, ebenso wie bei Instrumentierung und verwendeter Literatur. Während in den Jahrzehnten nach der Gründung 1968 durch den damaligen Gemeindepfarrer und späteren Monsignore Klaus Mayer und den Berufstrompeter Hans Gerards meist (sakrale) Musik der Renaissance mit Trompeten, Posaunen und bei Bedarf Pauken erklang, werden heute Stücke aller Epochen, also bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen aufgeführt, wobei die Einteilung zwischen E- und U-Musik durchaus fließend ist. Die Besetzung hat sich (entsprechend der Arrangements) erweitert um Piccolotrompeten, Flügel- und Tenorhörner, Euphonien, Waldhörner, Tuben und Schlagwerk. Zusätzlich wird heute zudem regelmäßig zusammen mit der (neuen Klais-) Orgel (Organist: Hans-Gilbert Ottersbach) musiziert. Zu den Zeiten, als noch das kleine Nachkriegsprovisorium der Orgel auf der gegenüberliegenden Seite seinen Dienst tat, war das gemeinsame Musizieren schwierig. Die neue Orgel ermöglicht seit 2013 nun ganz andere musikalische Optionen. Einen Eindruck davon kann man in den vielen Videos auf unserem Youtube-Kanal erhalten. Das Musizieren des Bläserkreises mit dem Kirchenchor (Leitung Heinz Lamby) und der Orgel findet sich beispielhaft in der Uraufführung „Gottes Verheißung nach der Sintflut“ von G. Fischer-Münster oder der „Missa antiqua“ von Wolfram Menschick.

 

Eine Konstante über all die Jahre des Bestehens ist ein liturgisch-dienender Auftrag. „Ein abwechslungsreich, musikalisch gestalteter Gottesdienst kann für Kirchenbesucher die Hürde zur Liturgie senken und zum Besuch der Messe mit motivieren. Musik betont zudem Inhalte und kann durch Kontraste Aufmerksamkeit fördern“, führt der Leiter des Ensembles aus.

Die Tradition spiegelt sich beim regelmäßigen Mitwirken an den kirchlichen Hochfesten wider. Die Öffnung nach draußen ins Weltliche zeigt sich ansatzweise beim traditionellen Turmblasen an Ostern und im Advent unter der Leitung von Mirjam Bäßler. Aber auch darüber hinaus wollen wir präsent sein, beispielsweise über unseren YouTube-Kanal. In diesem veröffentlichen wir regelmäßig unter der Federführung von Posaunist Wolfgang Windschmitt Klangbeispiele unseres aktuellen Wirkens.

Turmblasen

Besonders empfehlen wir die Uraufführungen von Stücken zum zeitgenössischen Komponisten aus dem Mainzer Raum, Gerhard Fischer-Münster. Der Kontakt entstand eher zufällig. Mittlerweile dürfen wir Herrn Fischer-Münster als einen Freund unseres Ensembles bezeichnen.

Projekte mit Gerhard Fischer-Münster

Zum Abschluss: Ein Blick in die Geschichte des Bläserkreises St. Stephan: