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glauben:

Sich in Gemeinschaft mit Gott wissen.

 

Wer verdient es in Wirklichkeit „Gott“ genannt zu werden? Das ist unsere Einstiegsfrage in den „PKW unseres Glaubens“ gewesen. „Gott“ meint den Unterschied zwischen Sein und Nicht-Sein, ohne wen nichts wäre. So begreifen wir von Gott nur das von ihm restlos Verschiedene und wahren dadurch seine Unbegreiflichkeit.

Gott ist kein vom Menschen ausgedachtes Superwesen. Er ist kein „höchstes Seiendes“ oder gar das „Sein“ selbst. Gott ist kein „etwas“ oder „jemand“. Nur die Wirklichkeit verdient „Gott“ genannt zu werden, die nicht zum Bestand des Weltlichen gehört. Gott ist keine Wirklichkeit, die man begreifen und mit den Mitteln unseres Denkens in den Griff kriegen kann. Und doch ist Gott auch nicht „nichts“.

Von der Welt aus gesehen, können wir von der Welt lediglich sagen, dass sie geschöpflich ist. Geschöpflichkeit ist dabei so gemeint, dass nichts in der Welt vergöttert werden darf, da Gott kein Bestandteil dieser Welt ist. Trotzdem besteht nichts in der Welt ohne Gott, als das Woraufhin auf das, was restlos von ihr verschieden ist. Wie etwa Schwarz nicht ohne Weiß sein kann und Dunkelheit nicht ohne Licht oder Leben nicht ohne Tod, als die Beziehung darauf, was das jeweils restlos von ihr Verschiedene ist, so gibt es die ganze Welt nicht ohne die Beziehung auf die restlos von ihr verschiedene „Nicht-Welt“, die wir „Gott“ nennen.

Für religiöse Menschen scheint die Vorstellung von einem am Anfang der Welt, etwa beim „Urknall“ und dann später situativ eingreifenden Gott meist unproblematisch. Gott als Schöpfer meint aber nicht, Gott habe die Welt „gemacht“ – damit würde er ja Bestandteil der Welt – sondern nichts in der Welt kann ohne das restlos von ihr Verschiedene sein. Gott wird dabei als der eingeführt, von dem alle Wirklichkeit überhaupt abhängt. Da ist es auch sinnlos, Gott das ständige und willkürliche und undurchschaubare Eingreifen zuzuschreiben.

Wer einfach nur möglichst schnell im Glauben losfahren will, ohne die Rückfrage zu stellen „Wer ist Gott?“, darf sich nicht wundern, wenn er im Glauben nur sehr schwierig oder gar nicht an sein Ziel, nämlich in einem letzten Vertrauen in die Liebe Gottes, ankommt.

Die Verwiesenheit der Welt auf das von ihr restlos Verschiedene, „Gott“ genannt, ist an sich noch nicht tröstlich und gibt noch keine Sicherheit und Orientierung im Leben.

 

 

glauben heißt in der Gemeinschaft mit Gott leben

Die christliche Botschaft behauptet, dass nichts auf der Seite des Menschen ausreicht, um sich eine Gemeinschaft mit Gott zu verschaffen. Und gleichzeitig behauptet diese Botschaft, dass wir schon immer mit Gott Gemeinschaft haben. Wie soll das möglich sein?

Die christliche Botschaft antwortet darauf: Nur von Gott her ist das möglich und eine solche Zusage ist für den Menschen nur im Glauben zu erkennen.

Das ist der tiefere Sinn des Satzes: Der Glaube kommt von Hören (Röm 10,17). Wir Menschen werden von Gott angesprochen in einem zwischenmenschlichen Wort, das auf Jesus zurückgeht und das uns verkündet, in diesem Wort geschieht die Gemeinschaft mit Gott. Das Wort Gottes sagt uns die hundertprozentige Sicherheit zu, dass wir in Gott geborgen sind. Das ist wie ein angelegter Sicherheitsgurt. Gemeinschaft mit Gott bedeutet, dass man nicht mehr aus der Angst um sich selbst zu leben braucht.

Diese Gemeinschaft mit Gott besteht darin, dass wir in die Liebe Gottes zu Gott, des Vaters zum Sohn, aufgenommen sind. Für diese Gewissheit beruft man sich auf Jesus von Nazareth. An die Gottessohnschaft Jesu glauben heißt dann, sich auf Grund seines Wortes mit ihm und um seinetwillen von Gott angenommen wissen. Gottessohnschaft meint nicht, Jesus war ein mit magischen und übernatürlichen Kräften ausgestatteter Supermann, denn er ist uns in seiner Menschlichkeit in allem gleich außer der Sünde.

Weltvergötterung?

Der christlichen Botschaft zufolge hat sich Gott selbst in seinem Wort der Welt mitgeteilt, sich ihr in Liebe zugewandt und ihr sogar Anteil an der göttlichen Wirklichkeit gegeben. Wie soll das möglich sein, ohne dass Gott zu einem Teil der Welt wird? Und wie kann die Welt das Wort Gottes vernehmen, verstehen und beantworten, wenn die Welt einseitig auf Gott bezogen ist, aber restlos von ihm verschieden? Die Einseitigkeit der Beziehung kann keine Beziehung Gottes auf die Welt begründen. Die christliche Rede von einem Wort Gottes scheint aber genau das zu behaupten: Gott spricht die Menschen an, Gott wird Mensch, meint doch, dass sich Gott real der Welt zuwendet. Wie kann das sein? Würde Gott mit dieser Zuwendung nicht ein Stück Welt und damit von der Welt abhängig? Ein von der Welt abhängiger Gott ist kein Gott, sondern nur der Versuch, ein Stück Welt zu „vergöttern“. Letztlich setzt sich in der Weltvergötterung der Mensch an die Stelle Gottes.

 

Warum sprechen wir von Dreifaltigkeit?

Wie löst die christliche Botschaft diese theologische Schwierigkeit? Nach der christlichen Botschaft muss eine solche Beziehung Gottes zur Welt eine Wirklichkeit nach der Art Gottes sein und nicht nach geschaffener, weltlicher Art. Um überhaupt eine Beziehung Gottes zur Welt aussagen zu können, spricht die christliche Botschaft von der Dreifaltigkeit Gottes. Damit ist gemeint: Gottes Zuwendung zu uns besteht darin, dass wir vom ersten Augenblick unserer Existenz an, also von vornherein, in eine Liebe Gottes zu Gott, nämlich die des Vaters zum Sohn, die der Heilige Geist ist, aufgenommen sind. Diese Zusage gilt über den Tod hinaus in alle Ewigkeit. Sie ist unüberbietbar und enthält den vollständigen christlichen Glauben. Auf dieses Wort können wir selber nicht kommen. Es muss uns zu dieser Welt dazugesagt werden.
Damit ist gesagt: Eine solche Beziehung kann nur eine sein, die in Gott besteht und in die alle von Gott verschiedene Wirklichkeit hineingeschaffen ist. Eine Beziehung Gottes auf die Welt ist deshalb nur so aussagbar, dass wir in eine göttliche Liebe hineingeschaffen worden sind. 

Skizze 5
Skizze 5

 

In der Skizze 5 ist das schwarz Dargestellte – die Welt als geschaffen – Gegenstand der Vernunfterkenntnis. Gegenstand des Glaubens ist das rot Dargestellte – das Aufgenommensein der geschaffenen Welt in die gegenseitige Liebe von Vater und Sohn. Dieses Aufgenommensein besteht von Ewigkeit her und ist ungeschaffen.

von Gott geliebt - schon immer und ewig! (Röm 8,38f)

Für den Glauben ist der Mensch auf Gottes Zusage, das „Wort Gottes“, angewiesen, um auf diese Liebe im Leben und Sterben, also auch gegen die Macht der Todesverfallenheit, zu vertrauen. Auf den Glauben kommen wir als Menschen nicht, wenn wir nur die Welt betrachten. Die Welt als solche sieht so aus, als hätte sie mal etwas, aber mal auch wieder nichts mit der Liebe Gottes zu tun. Als hätte der Tod das letzte Wort. Diese Liebe Gottes zur Welt als von Ewigkeit her bestehende Wirklichkeit hat ihr Maß nicht an der Welt, sondern an Gott. An keiner Wirklichkeit der Welt kann man ablesen, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben. Dies wird nur durch das Wort offenbar, das uns in Jesus Christus zugesagt wurde. Die Gemeinschaft mit Gott ist in ihrer Wahrheit und Wirklichkeit nur dem Glauben zugänglich. Wenn uns dieses Wort von der Teilhabe an der Gemeinschaft mit Gott zugesagt wurde, dann wird in seinem Licht alle gute Erfahrung mit der weltlichen Wirklichkeit zu einem Gleichnis der Liebe Gottes. Alle schlechte Erfahrung kann dann nicht mehr eine solche Macht entfalten, dass der Tod, die Angst und die Selbstsicherung das letzte Wort über uns sind und wir daran verzweifeln müssten.

Wort Gottes

Ein „anderes Wort hat Gott nicht“ und etwas Größeres als die Gemeinschaft mit Gott gibt es nicht. Sie allein will im „Wort Gottes“ verkündet und wirklich sein. Dass wir dieses Wort vernehmen können, ohne es zu einem menschlichen Wort zu machen, ist in der Gnade begründet, die unser glaubendes Hören begleitet. Die in einer Eucharistiefeier vorgelesenen Texte sind in dem Sinn als „Wort Gottes“ zu verstehen, in dem sie uns in das Gottesverhältnis Jesu, in die Liebe des Vaters zum Sohn, hineinnehmen. Gottes „Eingreifen“ und Gottes „Präsenz“ in unserer Welt besteht in seinem dazugesagten Wort. Sie besteht durch das zwischenmenschliche Wort der Weitergabe des Glaubens. Das ist die Kirche. Die Sakramente sind Zeichen dieses angenommenen „Wortes Gottes“. Sie fügen dem „Wort Gottes“ als zugesagter Gemeinschaft mit Gott nichts hinzu, sondern verdeutlichen sie; in ihnen wird die Gemeinschaft mit Gott präsent(iert). Unsere Erlösung besteht genau in dem Maß und darin, inwiefern wir diesem „Wort Gottes“ glauben, unsere Angst um uns selbst entmachten lassen und so als Menschen zueinander in ein neues Verhältnis kommen.

Kann man die Dreifaltigkeit verstehen?

Um unsere Gemeinschaft mit Gott aussagen zu können, spricht die christliche Botschaft also von der Dreifaltigkeit Gottes: Der eine Gott existiert als drei voneinander verschiedene Weisen der Selbstpräsenz, welche die christliche Botschaft als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist bezeichnet: Drei Personen in einer Natur.

Skizze 6
Skizze 6

 

Drei Personen in einer Natur lassen sich als drei Weisen der Selbstpräsenz verstehen und darstellen wie in Skizze 6.

Die Kreise in der Grafik sind nicht als Flächen, sondern als Linien gemeint, als drei voneinander verschiedene Beziehungen der Selbstpräsenz ein und derselben einen Wirklichkeit Gottes (Punkt in der Mitte). Personsein des Menschen meint unsere Fähigkeit zur Selbstpräsenz in allem was wir tun. Wir beziehen uns immer auf uns selbst, wenn wir leben. Auch hier gibt es eine dreifache Weise der Selbstpräsenz. Das Ich bezieht sich auf ein Du, während der Bezug von Ich und Du ein gemeinsames Wir ergibt. Ich-Du-Wir sind voneinander unterschieden und beziehen sich so aufeinander, dass sie eine Einheit bilden. So können wir hinweisend auch in Bezug auf Gott von Personsein als Selbstpräsenz und zwar hinweisend in drei voneinander verschiedenen und untereinander unterschiedlich vermittelten Weisen der Selbstpräsenz reden. Damit ist die Rede von der Dreifaltigkeit kein Glaube an drei Götter. Denn die drei Weisen der Selbstpräsenz wahren die Einheit des einen Gottes. Aber es handelt sich auch nicht um drei Erscheinungsweisen ein und derselben Wirklichkeit, die sich einmal so und ein andermal anders zeigt. Die drei Wesen der Selbstpräsenz Gottes, die wir Personen nennen, sind in der folgenden Weise voneinander unterschieden und gleichzeitig aufeinander bezogen:

Vater - Sohn - Heiliger Geist

Der Vater ist ohne Ursprung, eine unmittelbare Selbstpräsenz der einen Wirklichkeit Gottes.

Der Sohn hat alles, was er ist, vom Vater. Er ist, wie das große Glaubensbekenntnis formuliert, „gezeugt, nicht geschaffen“. Mit gezeugt bzw. aus dem Vater geboren ist gemeint, dass der Sohn eine von Ewigkeit her durch die Selbstpräsenz des Vaters vermittelte Selbstpräsenz derselben einen Wirklichkeit Gottes ist. Mit „nicht geschaffen“ ist gemeint, dass er also Gott ist und nicht wie die Welt ein "restloses bezogen sein auf die Wirklichkeit Gottes in restlose Verschiedenheit von ihr". Vielmehr ist er Selbstpräsenz der einen Wirklichkeit Gottes ohne Verschiedenheit von ihr - also eine zweite Selbstpräsenz, die als zweite die erste voraussetzt. Der Mensch Jesus von Nazaret ist in seiner Existenz als Mensch hineingeschaffen in die ewige Selbstpräsenz Gottes, die wir den Sohn nennen. An Jesus als den Sohn Gottes glauben bedeutet deshalb:

Aufgrund seines Wortes sich und die ganze Welt von vornherein in die ewige Liebe des Vaters zu ihm aufgenommen zu wissen. Das ist die Zusammenfassung des gesamten christlichen Glaubens.

Der Heilige Geist ist die gegenseitige ewige Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn. Er ist eine dritte Selbstpräsenz der einen Wirklichkeit Gottes. Diese dritte Selbstpräsenz setzt die des Vaters und des Sohnes voraus. Der Heilige Geist geht als ihre gegenseitige Liebe „vom Vater und vom Sohn aus“, jedoch so, dass der Sohn es vom Vater allein hat, mit Ursprung des Heiligen Geistes zu sein. Der Vater ist der alleinige letzte Ursprung auch des Heiligen Geistes.

 

Wir sprechen von der Dreifaltigkeit Gottes, um aussagen zu können, dass die Welt vom ersten Augenblick ihrer Existenz an innerhalb der gegenseitigen Liebe des Vaters und des Sohnes geschaffen worden ist; Gottes Liebe zur Welt ist die ewige Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn und hängt nicht von geschaffenen Bedingungen ab. Deshalb ist sie verlässlich. In sie von vornherein (noch ehe man selber darum weiß) aufgenommen zu sein, bedeutet ein solches geborgen sein, dass keine Macht der Welt, nicht einmal der Tod dagegen ankommt. Gott hat gar keine andere Liebe als diese.

Gott wird Mensch

Menschwerdung des Sohnes bedeutet, dass der Mensch Jesus, vom ersten Augenblick seiner geschaffenen Existenz an, hineingeschaffen ist in die Selbstpräsenz Gottes, die der Sohn ist.  Gottsein und Menschsein bleiben voneinander verschieden („ohne Vermischung“), sind aber miteinander durch die Relation der Selbstpräsenz Gottes, die der Sohn ist, verbunden („ohne Trennung“): In Jesus verbindet sich also wahres Gottsein und wahres Menschsein durch die Person des Sohnes. Im Glauben geschieht ein solches Anteilhaben am Gotteskindschaftsverhältnis Jesu mit jedem Menschen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Aus diesem Verständnis der Dreifaltigkeit folgt auch ein neues Verständnis des Betens. Beten heißt dann nicht mehr Sprechen mit Gott, sondern dem Wort Gottes antworten. Das Gebet ist keine Bitte mehr um das Eingreifen Gottes, weil nichts in der Welt ohne ihn sein kann. Kein Spatz fällt vom Himmel ohne Gott (vgl. Mt 10,29). Ein Gebet kann niemals eine Maßnahme zur Erreichung irgendeines Effektes durch das Eingreifen Gottes sein.

Dass wir in die Liebe Gottes, des Vaters, der Sohnes und des Heiligen Geistes hineingeschaffen sind, was wir mit jedem Kreuzzeichen bekennen, kann nicht an dem eigenen Wohlergehen abgelesen werden. 

Nachdem wir nun geklärt haben, dass Gott der ist, ohne den nichts ist, in allem mächtig und dass dieser Gott im zwischenmenschlichen Wort Jesu uns mitteilt, dass wir in die Liebe Gottes, des Vaters zum Sohn im Heiligen Geist hineingeschaffen sind, kann unser Glaube starten. Siehe im nächsten Kapitel "anlassen und Rundumblick".