„Menschen mit einer unbeirrbaren Hoffnung“

Markus-Konrad-Militärpfarrer-Gottesdienst (c) Bundeswehr/ Maximilian Bosse
Markus-Konrad-Militärpfarrer-Gottesdienst
Datum:
26. März 2026
Von:
Interview: Anja Weiffen

"Es war für mich etwas ganz Besonderes, dass ich das Osterfest im letzten Jahr im Libanon feiern durfte. Entfernungsmäßig ganz nah dran an den Orten des Osterereignisses. Für den Palmsonntag haben die Spezialpioniere aus Husum Palmblätter geschnitten, um einen passenden Rahmen zu gestalten." Der Mainzer Pfarrer Markus Konrad ist Militärseelsorger. 2025 war er mehrere Monate im Libanon, auch über Ostern.  Was denkt er heute über die Lage dort?

Was empfinden Sie, wenn Sie in den Nachrichten die Kriegsbilder aus Nahost und aus dem Libanon sehen?

Die Nachrichten und die Bilder aus dem Libanon bewegen mich natürlich sehr. Ich war mit den deutschen Soldaten ganz im Süden des Libanon stationiert, an der Grenze zu Israel, in Naqoura; wobei der Ort im Zuge der Auseinandersetzungen mittlerweile fast vollkommen zerstört ist. Ich habe das Leid der zivilen Bevölkerung vor Augen, die dort vor den Trümmern ihrer Existenz steht, und selbstverständlich die Soldaten der Vereinten Nationen, die immer mehr unter Druck geraten.

Was geht Ihnen durch den Kopf?

Es sind unterschiedliche Bilder: Der sich allabendlich aktivierende Iron-Dome (Raketenabwehrsystem, Anmerkung der Redaktion) im 30 Kilometer entfernten Haifa. Ich denke an, ich sage das jetzt bewusst, meine Kameraden, mit denen ich im Bunker saß und wartete, dass es Entwarnung gab. An Einschläge in Hör- und Sichtweite – oft am frühen Morgen, manchmal mitten am Tag. Aber auch an unterschiedliche Menschen mit einer unbeirrbaren Kraft, doch auf eine positive Wendung zu hoffen. An den Espresso Macchiato mit guten Gesprächen und Kameraden im Sri Café, einem Café unweit der Soldaten aus Sri Lanka mit einem tollen Blick aufs Meer, und an die muslimischen Frauen, die das Café bewirtschaftet haben – mit denen ich mich oft über den Glauben und die Sehnsucht nach Frieden unterhalten habe. Und an die Gottesdienstgemeinde, die sich jeden Sonntag im Camp oder mitten auf dem Meer auf dem Flugdeck der Fregatte Brandenburg eingefunden hat.

Was hat Ihnen der Libanon-Aufenthalt bedeutet?

Es war für mich eine unglaublich wichtige Zeit. Teilweise auch hart und an Grenzen rührend. Aber ich möchte keinen Tag missen. Als Militärpfarrer darf man auch „Kulturmittler“ sein. Das heißt, die Soldaten sollen ein tieferes Verständnis für das Land, die Geschichte erhalten – politisch wie gesellschaftlich und kulturell. Dazu gehört auch das, was die Menschen prägt, etwa die Religion. Da gab es einige Begegnungen mit Guides, die uns das Land erschlossen und mit uns ihre Sicht der Dinge geteilt haben: Priester am christlichen Wallfahrtsort Harissa, die Stadtführerin in Beirut, die Museumsführerin im Nationalmuseum. Aber auch alltägliche Kontakte wie mit libanesischen Fahrern und mit dem jungen Friseur Khodor unweit des Camps, der nur zu zweit und in Schutzausstattung in seiner Friseur-Baracke aufgesucht werden konnte. Mitten in all den Trümmern hat er so viel Zuversicht verbreitet, dass mich das tief beeindruckt hat.

Welche Hoffnungen haben Sie für die Region?

Es war für mich etwas ganz Besonderes, dass ich das Osterfest im letzten Jahr im Libanon feiern durfte. Entfernungsmäßig ganz nah dran an den Orten des Osterereignisses. Für den Palmsonntag haben die Spezialpioniere aus Husum Palmblätter geschnitten, um einen passenden Rahmen zu gestalten. Der Karfreitag auf dem Meer mit der Besatzung der Fregatte Brandenburg, wo wir unsere schmerzlichen Erfahrungen und unsere Ohnmacht, die wir verspürt haben, gut in die Liturgie einbinden konnten. Und dann die Befreiung des Osterfestes.

Ja, es gibt Hoffnung – auch für den Libanon, Israel, für den ganzen Nahen Osten. Das Durchhalten und Durchtragen gehört zum Dienst eines Soldaten, und es gehört auch zur Haltung eines gläubigen Menschen.

// Interview: Anja Weiffen, aus dem Magazin "Glaube und Leben"