Vieles ist noch im Prozess

Dom Mainz (c) Bistum Mainz
Dom Mainz
Datum:
4. Feb. 2022
Von:
Anja Weiffen/ Kirchenzeitung

Was wird getan, um sexualisierte Gewalt in der Kirche aufzuarbeiten? Wie einige andere Bistümer auch hat das Bistum Mainz eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben. Das ist nicht die einzige Maßnahme. Ein Überblick in der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung.

Blick auf Zahlen hilft nur bedingt

Die Präsentation des Münchener Missbrauchsgutachtens bewegt weiterhin die Kirche. Dabei lenken die Ereignisse den Blick – wie auch 2021, als ein Gutachten im Erzbistum Köln vorgestellt wurde – auf unabhängige Studien. Auch im Bistum Mainz läuft ein unabhängiges Aufklärungsprojekt, mit dem die Bistumsleitung im Juni 2019 den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber beauftragt hat. „Kirche kann und darf Aufarbeitung nicht nur für sich alleine konzipieren und kann das auch nicht leisten“, sagt Stephanie Rieth, Referentin von Generalvikar Udo Markus Bentz und verantwortlich für Intervention, Aufarbeitung und Prävention.
Das Mainzer Projekt „Erfahren. Verstehen. Vorsorgen“ (EVV) soll alle Fälle sexualisierter Gewalt im Bistum seit 1945 bis heute aufklären. „Der Schwerpunkt der Studie liegt auf Gesprächen mit Betroffenen, die dann mit Erkenntnissen aus den Akten, die Weber vollumfänglich zur Verfügung stehen, ergänzt werden“, erläutert die Referentin des Generalvikars. „Coronabedingt hat es hinsichtlich der Möglichkeit, Gespräche mit Betroffenen zu führen, Verzögerungen gegeben. Auch wurde große Sorgfalt auf das Verfahren der Akteneinsicht verwendet, was ebenfalls längere Zeit in Anspruch genommen hat.“ 

Es braucht den externen Blick

Einen Termin für den EVV-Abschlussbericht stellt Rechtsanwalt Ulrich Weber mit Spätherbst 2022 in Aussicht. Weber: „Es handelt sich um einen laufenden Prozess. Seit Projektbeginn haben wir umfangreiches Aktenmaterial an verschiedenen Stellen, insbesondere im Bischöflichen Ordinariat, gesichtet und bereits zahlreiche Gespräche mit Betroffenen, Zeugen und Wissensträgern geführt. Die Gespräche werden nach wie vor durchgeführt.“
Stephanie Rieth weist darauf hin, dass es den externen Blick braucht. „Aber die Kirche kann sich, um ihrer Verantwortung willen auch nicht herausziehen und nur andere machen lassen.“ Sie müsse gewährleisten, dass Maßnahmen zur Aufarbeitung und Prävention auch im System umgesetzt und nachgehalten werden. „Und Aufarbeitung ist weit mehr als das in Auftrag geben von Studien“, betont Rieth. Diese könnten nur ein Teil von Aufarbeitung sein, „aber eben im Sinne der Bestandsaufnahme und Transparenz ein notwendiger und grundlegender Teil“.
Auch der Blick auf die Zahlen, die Anzahl der Anträge, die Höhe der Leistungen in Anerkennung des Leids, helfe in der Frage nach den Anforderungen an eine wirksame Aufarbeitung nur bedingt, sagt Rieth. „Im Bistum Mainz ist Aufarbeitung sehr vielschichtig aufgestellt. Vieles davon ist noch im Prozess.“


Parallel zur Prävention und Intervention hat das Bistum diese Maßnahmen zur Aufarbeitung ergriffen:

»»Beraterstab: Bischof Peter Kohlgraf und Generalvikar Udo Markus Bentz haben Anfang 2018 einen Beraterstab gegründet, der sich aus internen Kräften und externen Experten zusammensetzt, sich regelmäßig trifft und auch zur kurzfristigen Besprechung von aktuellen Fällen zur Verfügung steht.
»»Unabhängige Aufarbeitungskommission (siehe „Hintergrund“)
»»Betroffenenbeirat: Seit Oktober 2021 gibt es einen bistumsübergreifenden Betroffenenbeirat der Diözesen Fulda, Limburg und Mainz. Der Betroffenenbeirat hat drei Mitglieder in die Aufarbeitungskommission von Mainz entsandt.
»»Unabhängiges Aufarbeitungsprojekt EVV „Erfahren.Verstehen.Vorsorgen“ 


Es besteht immer noch die Möglichkeit, sich bei Rechtsanwalt Ulrich Weber zu melden, um einen Beitrag zur EVV-Studie zu leisten als Betroffener oder Zeuge. Kontakt: Ulrich Weber,
Telefon 0941 / 7 06 06 31, E-Mail:
uweber@uw-recht.org, https://www.uw-recht.org

Weitere Informationen auf der Website des Bistums unter

https://bistummainz.de/gegen-sexualisierte-gewalt 

Diesen Artikel und noch viel mehr lesen Sie in der neuesten Ausgabe von Glaube und Leben vom 6. Februar 2022. Gibt's was Neues bei Ihnen, lassen Sie es uns wissen! Anruf - 06131/28755-0 - oder E-Mail: info@kirchenzeitung.de

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