Heute wurde in Maria Einsiedel am Fest Maria Heimsuchung die Große Wallfahrt gefeiert. Unzählige Gläubige kamen zu dem traditionsreichen Wallfahrtsort, um gemeinsam Eucharistie zu feiern, zu beten und Gemeinschaft zu erleben. Unter den alten Bäumen rund um den Freialtar entstand eine besondere Atmosphäre der Ruhe und der Besinnung. Gerade die Verbindung von Natur, Geschichte und Liturgie macht Maria Einsiedel seit Jahrhunderten zu einem Ort, an dem Menschen Kraft schöpfen und Gott begegnen können.
Die Festpredigt hielt Prof. Dr. Martin Klose. Im Mittelpunkt stand Maria als Vorbild des Glaubens. Sie habe Gott ihr bedingungsloses Ja gegeben, ohne zu wissen, wohin ihr Weg sie führen würde. Ihr Vertrauen sei nicht an Sicherheiten oder Bedingungen geknüpft gewesen. Gerade darin könne Maria auch heute Orientierung geben: Glauben bedeute, sich Gott anzuvertrauen – auch dann, wenn der weitere Weg noch nicht vollständig sichtbar ist und persönliche Konsequenzen mit sich bringt.
Mich hat die Predigt in diesem Gedanken angesprochen. In einer Zeit, in der vieles planbar und kontrollierbar sein soll, macht Marias Glaube deutlich, dass Vertrauen auf Gott nicht erst dann möglich ist, wenn alle Fragen beantwortet sind, sondern gerade dann, wenn manches im Unsicheren bleibt und ein Ja im Glauben möglich ist - dennoch.
Was mich heute allerdings auch beschäftigt hat, war ein anderer Eindruck: Mit meinen 57 Jahren hatte ich das Gefühl, zu den Jüngeren zu gehören. Das hat mich nachdenklich gemacht -mal wieder. Wenn Wallfahrten wie Maria Einsiedel auch in Zukunft lebendig bleiben sollen, müssen wir uns fragen, wie wir jüngere Menschen wieder stärker für den Glauben begeistern können. Dabei geht es nicht darum, den Glauben zu verändern, sondern neue Zugänge zu eröffnen, so dass die Lebenswirklichkeiten junger Menschen im Feiern, Bekennen und Leben des Glaubens Relevanz bekommt. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert in Gaudium et spes daran, dass die Kirche „die Zeichen der Zeit zu erforschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“ hat. Genau darin sehe ich heute einen wichtigen Auftrag.
Maria Einsiedel hat heute gezeigt, welches Potenzial in diesem Orten steckt. Die Feier der Eucharistie unter freiem Himmel, die beeindruckende Natur, die jahrhundertealte Wallfahrtstradition und die besondere Ruhe schaffen eine Atmosphäre, die viele Menschen berührt – vielleicht auch eine Chance für Menschen, die mit der Kirche sonst (noch) wenig Berührung haben.
Ich wünsche mir, dass wir solche spirituellen Orte noch stärker nutzen: für Gottesdienste, Glaubensgespräche, Musik, Begegnung und Zeiten der Stille – in Formen, die Menschen heute ansprechen. Maria Einsiedel hat alles, was es dazu braucht.
Es wäre schön, wenn hier nicht nur die Tradition bewahrt, sondern auch Zukunft gestaltet würde. Das ist sicherlich auch ein Auftrag für die neue Pfarrei Heiliger Nepumuk im hessischen Ried.