Martin Buhl (c) Anja Weiffen

„Geistliche Stimmung hat mich überrascht“

Martin Buhl
Mi 5. Feb 2020
Interview: Anja Weiffen

Kirchenzeitung "Glaube und Leben"

Martin Buhl nahm an der Vollversammlung in Frankfurt teil. Er ist einer der sieben Delegierten aus dem Bistum Mainz beim Synodalen Weg.

Es war zu spüren, dass die Versammlung vom gemeinsamen Glauben getragen ist.

Der Schulleiter an der Gesamtschule in Riedstadt-Goddelau ist Mitglied des Katholikenrats und Delegierter im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Er berichtet von drei besonderen Tagen.

Wie würden Sie die Atmosphäre bei der ersten Versammlung des Synodalen Wegs beschreiben?

Die geistliche Stimmung hat mich überrascht. Schon beim Eröffnungsgottesdienst war das ein erhabenes Gefühl. Es war zu spüren, dass die Versammlung vom gemeinsamen Glauben getragen ist. Wir haben an jedem der drei Sitzungstage einen Gottesdienst gefeiert, auch zwischendurch gab es Stillephasen. Kritik, die von der Synodalversammlung als einem „protestantischen Kirchenparlament“ spricht, kann ich nicht nachvollziehen. Auch finde ich das respektlos den evangelischen Christen gegenüber. Den Vergleich finde ich schräg. Für mich hat der Rahmen gestimmt.

Wie haben Sie das Miteinander wahrgenommen?

Durch die alphabetische Sitzordnung war die Atmosphäre untereinander kollegial. Ich habe neben einem Domkapitular aus Aachen gesessen, hinter mir saß der Nuntius Nikola Eterović. Zugleich war es ein sehr respektvolles Miteinander. Aber es wurde auch deutlich, dass es die einander diametral entgegengesetzten „Lager“ quer durch die Standesgruppen gibt: Die Bewahrer und die Progressiven, wobei die meisten Äußerungen in die Richtung gingen, dass sich in der Kirche etwas ändern muss.

Welche Hoffnungen haben Sie für den Fortgang des Synodalen Wegs?

Es gibt große Erwartungen, dass sich tatsächlich etwas ändert. Wenn das nicht passiert, wäre das meiner Meinung nach schlimm. Mögliche Beschlüsse aber finden wohl ihre Grenze bei den Themen, die die Glaubenslehre betreffen wie etwa Priestertum für Frauen und der Umgang mit Homosexualität. Wichtig wäre es, bei der Frage der Beteiligung von Laien, bei demokratischen Strukturen, weiterzukommen, weil hier die Bischöfe Handlungsmöglichkeiten haben. Die aktuelle Situation ist nämlich in einer demokratischen Gesellschaft wie in Deutschland nicht mehr vermittelbar.

Den Beitrag mit weiteren Hintergründen lesen Sie in der Print-Ausgabe von "Glaube und Leben" vom 9. Februar

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