RT8A0040-R (c) Bistum Mainz

Kirche als wichtiges Netzwerk

RT8A0040-R
Datum:
Fr 2. Okt 2020
Von:
Bischof Peter Kohlgraf

"Wort des Bischofs"

„Wir leben in Deutschland nicht auf einer Insel der Seligen“, sagt Bischof Peter Kohlgraf. Im „Wort des Bischofs“ weist er auf die Missio-Kampagne hin, die am Wochenende in Mainz startet. Westafrika steht diesmal im Fokus.

Im Augenblick geht es um konkrete Hilfe für notleidende Menschen

Am 3./4. Oktober 2020 eröffnen wir in Mainz gemeinsam mit dem Hilfswerk Missio den Monat der Weltmission. Die Missio-Kampagne zum Monat der Weltmission steht in diesem Jahr unter dem Motto „Selig, die Frieden stiften“ (Matthäus 5,9). Verschiedene Aktionen führen hin zum Weltmissionssonntag am 25. Oktober.
Als sich die Verantwortlichen für das Friedensmotiv entschieden, war von der Corona-Pandemie noch nicht Rede. Natürlich ist auch jetzt das Thema Frieden zentral. Weltweit brennen zahlreiche Kriegs- und Krisenherde, und nicht zuletzt dadurch bekommt die Thematik von Flucht und Vertreibung große Aktualität. Zu erinnern ist an die Menschen im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, deren Situation eskaliert ist. Wir stehen vor der Frage einer angemessenen Reaktion.
Als Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 11) erzählte, ermutigte er zur konkreten Hilfe für den Menschen in Not. Und er stellte nicht die Frage nach den Ursachen des Überfalls, möglichen Strukturhilfen für Menschen auf dem Weg durch die Wüste oder ähnlichen Fragen. Solche Fragen sind sicher wichtig, können aber auch zum Alibi werden, nicht helfen zu wollen oder angeblich nicht helfen zu können. Im Augenblick geht es um konkrete Hilfe für notleidende Menschen. „Kein Weihnachten in Moria“ – unter diesem Motto rufen kirchliche Gruppen zum Handeln für die Geflüchteten auf Lesbos (und anderswo) auf.

Zum Missio-Gottesdienst am 4. Oktober  können in der jetzigen Situation – anders als ursprünglich geplant – leider keine Gäste aus der Weltkirche anreisen. Dennoch werden wir den Monat der Weltmission eröffnen. Es ist gut, dass wir in unserem Land, in dem die Corona-Krise im Weltvergleich relativ glimpflich verläuft, den Horizont über unsere eigenen Probleme hinaus weiten. Missio nimmt in diesem Jahr besonders die Menschen in Westafrika in den Blick. Während wir über die Systemrelevanz der Kirche in unserem Land rätseln, ist es in vielen Regionen der Erde die Kirche, es sind lebendige Gemeinden, Christinnen und Christen, die wirksame Hilfe leis-
ten, so auch in Westafrika. Dort sind die Folgen der Corona-Pandemie dramatisch, zusätzlich zu Armut, Hunger und islamis-
tischem Terror. Es geht um die Existenz vieler Menschen. Armut und Not werden durch die Pandemie verstärkt, Islamisten nutzen die Krise. Die katholische Kirche spielt eine wichtige Rolle für die Menschen in Westafrika und an vielen anderen Orten dieser Erde. Sie gibt Hoffnung, die Menschen vertrauen ihr, sie bildet ein wichtiges Netzwerk, um helfen zu können.

Wir leben in Deutschland nicht auf einer Insel der Seligen

Eva Baillie, Missio-Mitarbeiterin im Bistum Mainz, war mit einer Gruppe in Ghana unterwegs und fasst ihre Erfahrungen zusammen: „Im Februar war ich mit einer Gruppe aus dem Bistum Mainz in Ghana. Kurz darauf stand unsere Welt Kopf. Schnell richteten wir im Bistum eine Coronanothilfe ein. Damit konnten wir unseren Freunden Hilfe für Lebensmittel und medizinische Ausstattung zukommen lassen. Gleichzeitig erreichten uns Solidaritätsnachrichten aus aller Welt. Das hat mich bestärkt in meiner Überzeugung, dass wir als Menschen die großen Herausforderungen unserer Zeit nur gemeinsam bewältigen können.“
Ob Friedensarbeit, die Sorge um Migranten, der Kampf gegen Hunger, Armut und Terrorismus: Wir leben in Deutschland nicht auf einer Insel der Seligen, die sich abschotten kann gegen die Probleme dieser Welt. Ich bin dankbar für jedes Engagement für Menschen in Not. Das alles ist Mission, denn die Sendung der Kirche besteht aus dem Zeugnis in Tat und Wort. Unterstützen wir dieses Anliegen im Gebet, in den vielen Formen der Mithilfe, und auch dadurch, dass wir menschenverachtenden Stimmen keinen Raum geben.
 

Ihr Bischof Peter Kohlgraf