Ulla-Brede-Hoffmann (c) privat

Kirchenzeitung Glaube und Leben: MOMENT MAL

Ulla-Brede-Hoffmann
Datum:
Mi 30. Sep 2020
Von:
Julia Hoffmann

Ein Chat mit Ulla Brede-Hoffmann (70), ehrenamtliche Flüchtlingshelferin bei den Maltesern in Mainz. Sie ist mit einem Hilfstransport nach Moria gefahren, um den Flüchtlingen dort Verbandsmaterial, Masken und Hygieneprodukte zu bringen.

Wie ist die Lage der Flüchtlinge auf der Insel Lesbos und in Moria?
Die Situation der Flüchtlinge hier ist angespannt, die Menschen sind verzweifelt. Flüchtlinge in Griechenland haben –selbst wenn sie anerkannt sind – eine sehr schlechte Lebensperspektive. Wer nach Anerkennung sechs Monate hier gelebt hat, bekommt eigentlich keine finanzielle Unterstützung mehr. Viele Geflüchtete leben deshalb unter freiem Himmel, etwa in Parks, und sind auf Lebensmittelversorgung durch Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) angewiesen.
Was brauchen die Menschen am nötigsten?
Im Moment brauchen die Menschen im neuen Lager neben Kleidern und Schuhen vor allem Wasser. Es gibt Chemie-Toiletten, wohl nicht in ausreichender Zahl, und Fahrzeuge mit Wassertanks. Es gibt keine Duschen. Die Menschen können sich nicht waschen, weder sich selbst noch ihre Wäsche. Zum Arzt sind es einige Kilometer zu Fuß. Katastrophales Essen, keine Kochmöglichkeiten.
Was muss auf politischer Ebene getan werden?
Es muss die Entscheidung fallen, dieses neue Lager direkt wieder aufzulösen und die betroffenen Flüchtlinge aufs Festland zu bringen und dort in anständigen Unterkünften unterzubringen. Außerdem muss Griechenland die Verwendung der für die Unterstützung der Flüchtlingspolitik gezahlten EU-Gelder verlässlich nachweisen!
Wie haben Sie konkret geholfen?
Wir durften nicht direkt in das neu aufgebaute Zeltlager Kara Pete II (nicht mehr Moria, weil es einige Kilometer entfernt liegt) gehen. Wir waren in zwei anderen kleinen Lagern und haben unsere Spenden auch an Vertreter von vor Ort arbeitenden NGOs verteilt, wie etwa Ärzte ohne Grenzen.
Wie haben die Menschen reagiert?
Sie haben sich sehr gefreut. Vor allem auch über die Geste des Kommens und Helfens mit einem Transporter, der dafür 2700 Kilometer gefahren ist. Es wurde als kleines Zeichen interpretiert, dass Deutschland nicht wegschaut.
Protokoll: Julia Hoffmann
www.malteser-mainz.de