Künftige Seelsorger des Bistums lernen die Welt der Arbeit kennen. (c) Kirchenzeitung Bistum Mainz

So tickt die Arbeitswelt

Künftige Seelsorger des Bistums lernen die Welt der Arbeit kennen.
Mi 16. Okt 2019
Anja Weiffen

Kirchenzeitung "Glaube und Leben"

In einem Lebensmittelgeschäft mit anpacken. Sich eine Müllverbrennungsanlage anschauen. Bei einer Verhandlung am Arbeitsgericht dabei sein: Künftige Seelsorger des Bistums lernen die Welt der Arbeit kennen.

Wie funktioniert die Logistik im Lebensmitteleinzelhandel? Fran- cis Ozochi hat in einer Filiale von Tegut in Frankfurt mitgearbei- tet. Seit einigen Jahren arbeitet die Betriebsseelsorge im Bistum Mainz mit dem Lebensmitte- leinzelhändler Tegut mit Sitz in Fulda zusammen. So können an- gehende Seelsorger wie Francis Ozochi, Theologe aus Nigeria und Teilnehmer des aktuellen Pa- storalkurses im Mainzer Priester- seminar, Erfahrungen mit kon- kreten Arbeitssituationen sam- meln. Zwei Wochen lang haben sechs angehende Seelsorger im Bistum im Rahmen ihres Pasto- ralkurses (siehe „Hintergrund“) Einblicke in die Arbeitswelt ge- nommen, organisiert von der Be- triebssseelsorge im Bistum.

Müll heizt Mainzer Dom und weiteren Kirchen ein

Die Mitarbeit in einem Lebensmittelgeschäft ist dabei längst nicht die einzige Station, aller- dings die zeitlich längste. Auf dem Programm stehen neun weitere Stationen wie etwa die Industrie- und Handelskammer, ein Arbeitsgericht, ein Jobcen- ter: Ziel ist die Sensibilisierung der Theologen für ökonomische Zusammenhänge, die Verände- rungen in der Arbeitswelt sowie die Sorgen und Nöte von Arbeit- nehmern. Sie lernen zudem das Umfeld der vier Betriebsseel- sorger im Bistum, Hans-Georg Orthlauf-Blooß, Richard Kunkel, Michael Ohlemüller und Ingrid Reidt, kennen.

Der Besuch eines größeren Un- ternehmens ist jeweils Teil des Schnupperkurses in die Arbeits- welt. Diesmal ist es die Mainzer Müllverbrennung. Beim Rund- gang erklärt Betriebsmeister Er- win Geier die Anlage auf der Ingelheimer Aue und erläutert Abläufe und Arbeitsbedingungen. Die ausländischen Theologen stellen fest, dass es ähnliche Anla- gen in ihren Heimatländern prak- tisch nicht gibt. In der bis zu 1000 Grad Celsius heißen Brennkam- mer werden täglich circa 1300 Tonnen Müll in Energie umgewandelt. Mit dem entstehenden heißen Dampf wird in Genera- toren Strom erzeugt oder Fern- wärme gewonnen. Damit wird seit 2002 auch die Raumheizung und die Warmwasserversorgung unter anderem im Mainzer Dom sichergestellt. Außerdem wer- den eine Vielzahl anderer Woh- nungen, Bürogebäude, Kirchen und Einrichtungen in Mainz mit Wärme und Warmwasser ver- sorgt. Spannend ist auch das Gespräch mit dem Vorsitzenden des Betriebsrats der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden, Thomas Scherer. Er berichtet von den Aufgaben der Betriebsräte und der Beteiligung an Unternehmensentscheidungen, die Theologen ihrerseits über die Situation der Wirtschaft und die Herausforderung der Menschen in ihren Ländern.

Auch Langzeitarbeitslose im Blick

Mit der Situation von Lang- zeitarbeitslosen setzen sich die künftigen Seelsorger im Kette- ler-Cardijn-Werk in Darmstadt- Griesheim auseinander. Die Ein- richtung ist einer der Standorte der Initiative Arbeit im Bistum Mainz. Hier werden Menschen auf ihrem Weg zurück in die Er- werbsarbeit unterstützt. Projekt- leiter Thomas Rasche stellt unter anderem die Projekte „Computer für Alle“ und „Stromspar-Check“ vor. Der ehemalige Arbeitslosen- seelsorger Bruno Schumacher geht auf die Folgen von langan- haltender Arbeitslosigkeit ein. „Arbeitslosigkeit stellt die Leu- te vor die Tür. Sie fallen in ein schwarzes Loch und sehen kein Licht mehr. Ihnen in dieser Lage Mut zu machen, ihnen weiterzuhelfen, das ist Sinn dieses kirchlichen Angebots.“ (pm)

Den Beitrag mit weiteren Hintergründen lesen Sie in der Print-Ausgabe von "Glaube und Leben" vom 13. Oktober

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