Benjamin Weiß befindet sich hier auf dem Jakobsweg, der auch durch Mainz führt (c) Anja Weiffen

Vom Camino ins Seminar

Benjamin Weiß befindet sich hier auf dem Jakobsweg, der auch durch Mainz führt
Fr 3. Mai 2019
Kirchenzeitung/ Anja Weiffen

Kirchenzeitung "Glaube und Leben"

Wer die Jakobsmuschel und die Landschaftsbilder auf seiner Einladungskarte sieht, spürt: Der Jakobsweg ist für Benjamin Weiß mehr als ein Postkartenmotiv. Am 11. Mai lässt sich der Priesteramtskandidat zum Diakon weihen.

 

Wo verläuft in Mainz der Jakobsweg? Irgendwo am Dom … In einer Seitenstraße „blinkt“ plötzlich an einer Straßenlaterne der blaue Aufkleber mit der Muschel. Auf dem Jakobsweg und dort, wo sich für Pilger der Blick auf die Mainzer Kathedrale eröffnet, ist für Benjamin Weiß der passende Ort, um sich für die Kirchenzeitung ablichten zu lassen.
Elf Wochen war er damals unterwegs. Benjamin Weiß lief von zuhause, von Heusenstamm aus los. Zu Fuß in Richtung Santiago de Compostela. „Der erste Tag endete in Darmstadt“, erzählt der heute 35-Jährige lachend. Vor vier Jahren war das. „Ich war zuerst schlecht vorbereitet, trug Turnschuhe. Später habe ich mir Wanderschuhe zugelegt.“ Er durchquerte Deutschland, Frankreich, Spanien, um an das Grab des heiligen Jakobus zu gelangen. Der eigentliche Endpunkt seiner Pilgertour hieß jedoch Muxia, circa 70 Kilometer nordwestlich von Santiago am Atlantik gelegen.


„Die Warum-Frage hat mich nie losgelassen“


Benjamin Weiß wollte sein Leben neu ordnen. Deshalb hatte er sich 2015 auf den Jakobsweg, auf den Camino (spanisch: Weg) gemacht. Der Glaube spielte für ihn früh eine Rolle, genauso die Naturwissenschaften. „Mein Interesse an Religion begann in der Grundschule. Mich interessierte: Woher kommen wir? Warum gibt es uns Menschen Biologie war eines meiner Lieblingsfächer. Diese Warum-Frage hat mich seitdem nie losgelassen.“
Von seinen Großeltern lernte er beten. Als Jugendlicher brachte er sich in das Gemeindeleben in Heusenstamm ein, leitete zusammen mit seiner Schwester Messdiener-Gruppen. Eine Wegmarke, die ihn für den Glauben begeisterte, war der Weltjugendtag 2005, als seine Heimatgemeinde Austauschgäste aus Frankreich beherbergte.
2006 begann er Theologie zu studieren, zuerst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, sattelte an der Uni Frankfurt noch ein Studium der Biowissenschaften drauf. Doch der Weg, der ihn ins Lehramt führen sollte, war nicht seiner.
Benjamin Weiß: „In Kontakt mit engagierten pastoralen Mitarbeitern habe ich gemerkt: Kirchliches Engagement kann man ja auch beruflich ausüben.“ Seinen Wunsch, sich auf den Weg ins Priesteramt zu machen, wollte er für sich auf dem Jakobsweg prüfen.
Bei einer Tasse Tee in einem Café in der Mainzer Altstadt berichtet Benjamin Weiß, was ihm von diesem Weg besonders in Erinnerung geblieben ist: „Ich habe unterwegs eindrucksvolle Menschen getroffen. Etwa eine Frau, die bei einem Unfall Arme und Beine sowie Teile ihres Gedächtnisses verloren hatte. Da war auch ein Banker, der sich im Ruhestand neu erfinden wollte.“
Neu erfinden, das musste sich Benjamin Weiß auf dem Jakobsweg auch organisatorisch. „Ich hatte zu viel Ballast mitgenommen und schickte mehrere Päckchen nach Hause, um etwas loszuwerden. Ich wollte nicht mehr so viel tragen. Zugleich wusste ich: Gott trägt mich.“ Auf dem Weg habe er gelernt, Prioritäten anders zu setzen und sich immer wieder zu verabschieden. „Das ist ein Weg vom Loslassen. Man kann an keiner Station bleiben.“
Buchstäbliche Sternstunden sind ihm noch sehr präsent. So erzählt er, wie er auf der Wegstrecke in Frankreich unter freiem Himmel übernachtete. Oder wie er in Santiago de Compostela die Kathedrale besuchte. „Dort sind über einer Tür die griechischen Buchstaben Alpha und Omega zu lesen, aber sie stehen dort vertauscht: erst das O, dann das A. Ich habe es so interpretiert: Das Ende ist ein Anfang.“

Für Benjamin Weiß ist es so gekommen. Das Ende des Jakobswegs war für ihn der Anfang seiner Berufsausbildung zum Priester. 


Weihbischof Udo Markus Bentz weiht Benjamin Weiß am 11. Mai 2019 in der Augustinerkirche, Augustinerstraße 34, in Mainz zum Diakon. Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr.

Den ganzen Beitrag mit weiteren Hintergründen lesen Sie in der Print-Ausgabe von "Glaube und Leben" vom 5. Mai

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