Wo geht’s lang?

COJ (c) COJ | M. Krost
COJ
Datum:
27. Apr. 2026
Von:
Anja Weiffen/ Glaube und Leben

Die Schulzeit ist vorbei – und dann? In Mainz bietet das Christliche Orientierungsjahr (COJ) jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr lang im Priesterseminar zu leben. Rückblicke und Ausblicke von Teilnehmenden.

„Mein Beruf ist ein besonderes Handwerk“

Max Sandhäger (23), COJ-Teilnehmer 2021/22 (c) Privat/Anja Weiffen/ Glaube und Leben
Max Sandhäger (23), COJ-Teilnehmer 2021/22

Amerika, China, Spanien, Schweden, Finnland, Mainz: Überall dort war Max Sandhäger schon beruflich unterwegs. Der 23-Jährige ist Orgelbauer. „Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich, ein besonderes Handwerk“, sagt er. „Ich habe viel mit Holz und Metall zu tun. Es wird nie langweilig.“ Zu seinem Beruf kam der junge Mann aus Groß-Zimmern durch seine Zeit im COJ in Mainz vor rund fünf Jahren. Währenddessen baute die Orgelbaufirma Rieger im Dom eine neue Orgel. Bei einem Kennenlern-Abend in der Christlichen Wohngemeinschaft traf Max Sandhäger Bischof Peter Kohlgraf. Beide spielen Orgel. „Wir haben begeistert über das Thema gesprochen, und dadurch ergab sich für mich die Möglichkeit, die Orgelbauer im Dom zu besuchen.“

Nach dem COJ absolvierte er eine Ausbildung zum Orgelbauer bei der Firma Rieger. Von dem Orientierungsjahr habe er aber nicht nur durch die Kontakte in die Orgelbau-Szene profitiert. „Früher war mein Leben durchgeplant. Ich wollte genau wissen, was wird. Im COJ habe ich gemerkt, dass es das nicht immer braucht. Man kann Dinge auch mal auf sich zukommen lassen.“ Pläne hat Max Sandhäger trotzdem. Im Winter möchte er ein Orgelstudium beginnen – nicht, um Organist zu werden, sondern um seinen Beruf als Orgelbauer zu verfeinern. „Für die Klanggestaltung einer Orgel ist ein Musikstudium extrem hilfreich.“

„Das Jahr war das bisher schönste in meinem Leben.“

Ovine Gottschalk (23), COJ-Teilnehmerin 2021/22 (c) Privat/Anja Weiffen/ Glaube und Leben
Ovine Gottschalk (23), COJ-Teilnehmerin 2021/22

Ovine Gottschalk kommt aus Brandenburg, genauer aus Groß Kreutz westlich von Potsdam. Vor vier Jahren nahm sie am COJ in Mainz teil. Davon erfuhr sie von ihrer Firmpatin, die in Mainz Theologie studierte. „Ich stamme aus einer nicht-katholischen Familie. Mit neun Jahren bin ich auf eigenen Wunsch getauft worden. Meine Eltern haben mich darin auch unterstützt“, erzählt die heute 23-Jährige. „Nach dem Abi wollte ich etwas Soziales machen. Ein Auslandsaufenthalt war durch Corona schwierig. Ich entschied mich für das COJ und ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kirchengemeinde.“

Ihr FSJ absolvierte sie im damaligen Dekanat Mainz-Süd und in der Mainzer Oberstadt. Ovine Gottschalk: „Das Jahr war das bisher schönste in meinem Leben.“ Die Gemeinschaft, die sie dort erfuhr, sei eine, „die bleibt“, ist sie überzeugt. „Wir haben das COJ gemeinsam erlebt.“ Für ihre Persönlichkeitsentwicklung hat sie viel mitgenommen. „Wir haben so viel reflektiert, Methoden zur Entscheidungsfindung gelernt, nicht nur für den Beruf, sondern auch für Hobbys und unsere Bedürfnisse.“ Zudem habe sie „unfassbare viele Arten der Spiritualität kennengelernt“, sagt sie. „Auch wenn wir alle unterschiedlich waren, haben wir respektiert, wie wir unseren Glauben leben.“ Das FSJ in der Gemeinde hat ihr vor Augen geführt, was sie in Zukunft machen möchte. Aktuell studiert sie Katholische Theologie, bis nächstes Jahr. „Dann möchte ich in den Pastoralkurs.“ Ihr Ziel: Pastoralreferentin.

„Ich will mir bewusst Zeit nehmen“

Anna-Sophia Hänsch (18), COJ-Teilnehmerin ab September 2026 (c) Privat/ Anja Weiffen/ Glaube und Leben
Anna-Sophia Hänsch (18), COJ-Teilnehmerin ab September 2026

Anna-Sophia Hänsch hat ihr Christliches Orientierungsjahr noch vor sich. Im September soll es losgehen. „Ich bin froh, dass ich darauf gestoßen bin“, sagt die 18-jährige Abiturientin aus Oberzent im Odenwald. Auf einer Berufsmesse an ihrer Schule erfuhr sie vom COJ. Warum sie sich dafür entschieden hat? „Ich will mir bewusst Zeit nehmen, um zu prüfen, was ich den Rest meines Lebens machen möchte.“ Ihr Wunsch: Grundschullehrerin. „Ein Freiwilliges Soziales Jahr wollte ich sowieso absolvieren, am liebsten in einer Grundschule oder in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.“

Hänsch wohnt noch bei ihren Eltern. Durch die Gemeinschaft im COJ erhofft sie sich, persönlich zu wachsen. „Ich möchte raus aus der Komfortzone, rein ins kalte Wasser und ausprobieren, alleine zu leben und erwachsen zu werden. Die Wohngemeinschaft ist ein Zwischenschritt.“ Zugleich mache sie mit dem FSJ etwas Sinnvolles. Als Messdienerin sei ihr das kirchliche Leben vertraut. In der Katholischen Landjugendbewegung engagiert sie sich als Betreuerin bei Kinderfreizeiten. In der Bischofsstadt erhofft sich eine größere christliche Gemeinschaft: „Unsere Kirchengemeinde zu Hause ist klein. In Mainz ist das sicher anders. Durch das COJ möchte ich auch im Glauben wachsen.“

„Es ist nicht das übliche WG-Leben“

Jonathan Kiesow (19), COJ-Teilnehmer 2025/26 (c) Privat/Anja Weiffen/ Glaube und Leben
Jonathan Kiesow (19), COJ-Teilnehmer 2025/26

Sein Abitur hat Jonathan Kiesow seit einem Jahr in der Tasche. Nun lebt der 19-Jährige seit Sommer im Mainzer Priesterseminar und nimmt am Christlichen Orientierungsjahr teil. Seine beruflichen Perspektiven: „Ich möchte ein Lehramtsstudium beginnen, wollte aber zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren“, erzählt der Bad Dürkheimer. Erst schwebte ihm ein FSJ in einem Museum vor, etwa im Gutenberg-Museum in Mainz. „Dann stieß ich in Mainz auf das Gymnasium Theresianum und habe mich dort beworben.“ Er wurde angenommen. Aber wo sollte er wohnen? Bei einer Info-Veranstaltung zum FSJ erfuhr er von der Wohngemeinschaft im Priesterseminar.

„Das COJ finde ich sehr cool, mit sehr netten Leuten. Es ist nicht das übliche WG-Leben.“ Vor allem das Begleit-Programm mit WG-Abenden und Bildungstagen sei genial. „Die einwöchige Rom-Reise mit Papst-Audienz war richtig schön.“ Sein Wunsch, Lehrer zu werden, habe sich durch das FSJ bestätigt. „Erst wollte ich nur Deutsch und Erdkunde als Studienfächer wählen. Jetzt nehme ich Katholische Religion dazu.“ Als Messdiener freut er sich, dass das COJ viele Möglichkeiten bietet, an Gottesdiensten teilzunehmen. „Dadurch bin ich dem Glauben wieder nähergekommen.“ Ihn beeindruckt, im Priesterseminar andere Menschen zu treffen, „die stark im Glauben sind“. Das COJ empfindet er als Möglichkeit, sich beruflich und sozial weiterzuentwickeln.

 

Was ist das COJ?

Das Christliche Orientierungsjahr (COJ) bietet eine Wohngemeinschaft für zehn junge Menschen im Priesterseminar mitten in der Mainzer Altstadt. Das COJ dauert bis zu zwölf Monate und will helfen, Antworten zu finden: Wohin kann es im Leben gehen? Was will ich tun? Was bedeutet der Glaube? Start ist am 1. September oder ab August. Während des COJ absolvieren die Teilnehmenden einen Freiwilligendienst mit einem monatlichen Gehalt von 503 Euro. Kostenbeteiligung für Unterkunft und Nebenkosten: 210 Euro pro Monat. Darüber hinaus wird einmalig ein Betrag von 360 Euro für Wochenenden, Projekttage und Exkursionen berechnet.

Weitere Infos: bistummainz.de/berufe/coj