Er hatte als Türmer vom Kirchturm aus hoheitliche Aufgaben wahrzunehmen und wachte als städtischer Angestellter über der Stadt.
Sein Leben und seinen Beruf lernen die Teilnehmer der monatlichen Turmführung kennen, wenn sie die 200 Stufen hoch in die ehemalige Türmerwohnung steigen, einem achteckigen Saal, der damals in mehrere Zimmer unterteilt war. Schneiders Vorgänger und Nachfolger waren verheiratet, hatten Kinder und brauchten die Räume, während er selbst kinderlos 25 Jahre als Ehemann und 25 Jahre als Witwer da oben verbrachte. In diesen 50 Jahren sah er auf die Stadt hinunter, die die turbulenten, napoleonischen Zeiten der französischen Besetzung und Verwaltung durchlebte, die das von Soldaten eingeschleppte Fleckfieber zu ertragen hatte, ebenso wie das Ende des bischöflichen Kurstaates und den Anschluss an das Großherzogtum Hessen.
Schneider führte genau Buch über seine Beobachtungen aus hoher Warte und hat sich mit seinen vierzig Gespenstergeschichten auch literarisch verewigt. Die nächste öffentliche Turmführung ist am 26. Juni um 15 Uhr. Anmeldung: pfarrei.st-stephan-mainz@bistum-mainz.de.