Die Gemeinsamkeiten zwischen Mainz und Metz beschränken sich nicht auf die Kürze ihrer Namen und die gleichen Buchstaben darin. Hier wie dort ist ein großes Gotteshaus dem selben Heiligen geweiht und ein französisch-russisch-jüdischer Maler hat in beiden Kirchen große Kirchenfenster gestaltet.
Die Rede ist von der Kathedrale St. Etienne (Stephan) und
der ehemaligen Stiftskirche St. Stephan. Der Erbauer des Mainzer Doms und Gründer der Stephanskirche, Erzbischof Willigis, und der Metzer Bischof Dietrich I. als Gründer der Vorgängerkirche des dortigen Domes waren gute Bekannte. Die Wahrscheinlichkeit, so der Mainzer Historiker Franz Staab, dass sich die beiden bei einer Synode in Ingelheim 980 trafen und ebenso 983 in Verona, ist sehr groß. Sie beschenkten sich gegenseitig mit Reliquien, und so gelangten die des Hl. Stephanus nach Mainz und gaben der Kirche auf der höchsten Stelle der Stadt ihren Namen.
Schon im Jahr 451 überrannten die Hunnen die lothringischer Stadt, und die damalige
Stephanskirche überdauerte als einzige die Verwüstung von Metz. Deshalb wurde dem Heiligen eine vor Vernichtung schützende Kraft zugesprochen. Dieser Überzeugung waren 1400 Jahre später auch die Mainzer, als die todbringende Explosion eines Pulverturms in der Nähe des Gautors einen ganzen Stadtteil zerstörte und nur das Viertel hinter dem Stephansturm vor der Zerstörung bewahrt blieb: Wieder hatte der Heilige Stephan seine schützende Hand über die Häuser gehalten.
Eine weitere, heutige Gemeinsamkeit von Kathedrale in Metz und Stephanskirche in Mainz
besteht in der Ausstattung des Chores von Marc Chagall. In den sechziger Jahren schuf der
weltberühmte Maler seine zwölf Fenstern in der „Laterne Gottes,“ wie das 800 Jahre alte,
gotische Gotteshaus wegen seiner riesigen Glasflächen genannt wird.
Unter diesen Fenstern wird am 28. September Papst Leo XIV. die Messe feiern. Sein Besuch in
dieser Stadt steht unter dem Motto „Que le monde ait la vie“ — „Auf dass die Welt das Leben
habe“ (Joh.6) — und soll das Wirken des Katholiken Robert Schuman würdigen, der nach dem
Krieg als politischer Brückenbauer und Gründervater — mit Jean Monnet — die Europäische Union auf den Weg gebracht hat. Auch aus der hiesigen Gemeinde machen sich einige auf den Weg nach Lothringen.