Eine Mauer für die Sorgen

Klagemauer in der Fastenzeit

Klagemauer (c) A. Weiffen
Klagemauer
Datum:
Do. 26. Feb. 2026
Von:
A. Weiffen

Steine sind stumm. Aber sie geben Halt. In Jerusalem wenden sich Juden mit Gebeten an die Klagemauer. Dieses Sinnbild wird zurzeit in St. Stephan aufgegriffen. Während der Fastenzeit steht dort eine kleine Mauer aus Backsteinen. Hier sind Menschen eingeladen, ihre Sorgen aufzuschreiben – und sie dort abzulegen. „Gott, wo bist du?“ „Wo warst du, als ich dich gebraucht habe?“ „Warum gibt es Tod, Leid und Krieg?“ „Ich kann nicht mehr, hilf mir!“ Gedanken, für die im Alltag keine Zeit ist. Gedanken, die sich Menschen in einer Leistungsgesellschaft nicht erlauben. Hier dürfen sie sein. Keiner liest die Zettel, die Menschen zwischen die Steine stecken. Am Karfreitag werden sie vor das Kreuz getragen und im Osterfeuer verbrannt. Wer etwas ablegt, hat Platz für Neues: An der Klagemauer in St. Stephan gibt es Hoffnungspsalmen zum Mitnehmen. (wei)