Spannung und Lernen: Das Escape Room-Spiel „Fixing The Boat – Finding Identity“ kommt im Juni nach Darmstadt. Es lässt in die jüdische Lebenswelt eintauchen und gibt Impulse für das eigene Leben.
Eintauchen in fremde Welten kann man auf vielfältige Weise: mit Büchern, Filmen, Reisen – und indem man einen Escape Room betritt. Ein Escape Room ist ein Spiel, in dem eine Gruppe in einem Raum eingeschlossen wird und Aufgaben lösen muss. Ziel ist es, den Raum (room) wieder verlassen zu können – also die Flucht (escape). Dafür müssen Aufgaben mit Hilfe von Rätseln gelöst werden. Ein besonderes Escape Room-Spiel ist das Projekt „Fixing The Boat – Finding Identity“ (Das Boot reparieren – Identität finden). In diesem Spiel soll jüdisches Leben erfahrbar werden.
Vorgestellt wurde das Projekt 2023 in Düsseldorf. Seitdem kann es gemietet werden. Denn dieser Escape Room ist mobil, kann auf- und wieder abgebaut werden. Entwickelt wurde die Idee von Sabra, der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus in Trägerschaft der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. In Darmstadt macht der Escape Room im Juni Halt.
Zwei Stunden sollten Gruppen für das Spiel einplanen. Vier bis sechs Spieler können pro Runde teilnehmen. Mitspielen kann man ab 16 Jahren. Allerdings muss sich jede Gruppe vorher anmelden und den Raum buchen. Die Anmeldung erfolgt direkt beim Veranstalter, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt.
Der Escape Room „Fixing The Boat – Finding Identity“ ist etwa 20 Quadratmeter groß. Ergänzt wird die Spielfläche noch um einen Kontrollraum, in dem die Spielleitenden sitzen. Bevor es losgeht, werden die Teilnehmenden in die Geschichte eingeführt: Wie der Titel des Spiels erahnen lässt, ist es die Hauptaufgabe, ein Boot zu reparieren: Ein Sturm zieht auf und das Boot droht, auf hoher See zu sinken. Nach der Einführung betritt die Gruppe den Raum, der wie eine Kajüte gestaltet ist – samt Führerstand des Kapitäns mit Blick auf die Wellen. Die Tür wird geschlossen und die Teilnehmenden orientieren sich im Raum. Die Lösungen der Rätsel sind Codes aus Buchstaben oder Zahlen, die dann Schlösser an Gegenständen – wie etwa an einer Truhe – öffnen lassen. Der Inhalt bringt die Gruppe wieder einen Schritt weiter bei der Lösung des Spiels. Mit dem Lösen des ersten Rätsels erhält die Gruppe etwa ein Tablet; damit hat sie Kontakt zum Spielleiter im Kontrollraum. Von dort kommen weitere Rätsel sowie Informationen und auch Tipps, wenn das Spiel ins Stocken gerät.
Im Escape Room „Fixing the Boat – Finding Identity“ lernen die Teilnehmenden eine jüdische Familie und deren Geschichte kennen. Die Spieler stöbern im Raum – lesen in Büchern und Briefen von der Familie, hören ihre Stimmen und erfahren so viel über die jüdische Lebenswelt und Geschichte. Fragen kommen auf: Was passiert etwa mit einer Familie, die ihr Hab und Gut verliert? Die auf der Flucht einander verlieren? Wie können Erinnerungen und Wissen bewahrt werden? Wie kommt man in einem neuen Land, in einer neuen Situation an? Und: Wer bin ich und was macht mein Leben aus?
In diesem Escape Room geht es also um mehr als ein Eintauchen in fremde Welten. Es geht geradezu um ein Eintauchen in die eigene Welt, die man vielleicht noch gar nicht so gut kennt.l
Hintergrund
Sabra ist eine Beratungsstelle für Betroffene von Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung sowie deren Angehörige und für Menschen, die sich dagegen engagieren wollen. Das zentrale Anliegen ist, jüdische Perspektiven in allen relevanten Bereichen einzubringen und dafür zu sensibilisieren. Ein Kern der Arbeit ist außerdem die Bildungs- und Präventionsarbeit im Kontext Antisemitismus.
„Fixing The Boat – Finding Identity“
Der Escape Room macht außerdem im Herbst Halt in Dietzenbach und Frankfurt. Details unter: www.sabra-jgd.de
„Wie werde ich, wer ich bin?“
Bernd Lülsdorf ist der katholische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Darmstadt. Er ist daran beteiligt, dass der Escape Room „Fixing the Boat – Finding Identity“ nach Darmstadt kommt. Im Interview berichtet er von dem Projekt.
Pastoralreferent Bernd Lülsdorf ist Regionalreferent in der Region Südhessen, Bistum Mainz.
Wie kam es zur Idee, den Escape Room nach Darmstadt zu holen?
Im letzten Jahr habe ich diesen Escape Room in Neu-Isenburg gesehen. Und dann habe ich gedacht, da muss man doch was draus machen. Und da ich in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Darmstadt aktiv bin, lag der Gedanke nahe, das tatsächlich in Darmstadt seitens der Gesellschaft anzubieten. Es handelt sich ja um einen Escape Room, der jüdische Identität in ganz besonderer Art und Weise reflektiert.
Und Sie konnten Partner für das Projekt begeistern ...
Ja, ich habe dann sondiert und herausgefunden: Es gibt schon Nachfragen aus Darmstadt, etwa von der Edith-Stein-Schule. Und dann haben wir recht schnell auch weitere Kooperationspartner gefunden, den Bund der Deutschen Katholischen Jugend, die Evangelische Jugend, die katholische Erwachsenenbildung, die evangelische Erwachsenenbildung. Auch die Innovationsförderung im Bistum Mainz gehört zu den Unterstützern.
Neben dem Escape Room wird es eine Ausstellung geben.
Nachdem wir dann mit der evangelischen Friedenskirche in Darmstadt den Ort hatten, habe ich angesichts der vielen Räumlichkeiten, die wir dort haben, überlegt: Wir könnten noch eine Ausstellung zum Thema gestalten. Unter dem Titel „Wie ich werde, wer ich bin“ erzählen zwölf Menschen, was ihre Identität geprägt hat. Die Ausstellung soll im Anschluss an verschiedenen Orten zu sehen sein.
Ergänzt wird die Ausstellung in Darmstadt durch zwei Talkrunden – wer wird daran teilnehmen?
Da konnten wir wirklich hochkarätige Gäste finden. Dabei sind unter anderem der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Hanno Benz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Daniel Neumann. Sowie Salome Saremi, eine aus dem Iran stammende Bensheimerin. Sie ist Vorsitzende des Vereins Fabian Salasars Erbe, Verein für Toleranz & Zivilcourage in Bensheim. Und Weihbischof Joshy Pottackal, der als Mensch mit Migrationshintergrund davon erzählen kann, wie sich Identität bildet und möglicherweise auch verändert in der neuen Gesellschaft, in der man dann lebt.
// Interview: Stefan Sangmeister