Pastoralreferentin Christine Schardt berichtet, warum die internationale Konferenz
der Seelsorgenden an Hochschulen diesmal in Mainz und nicht in den USA stattfand. Ein Interview, das in der Ausgabe des Magazins "Glaube und Leben" erschien.
Christine Schardt ist Leiterin der Katholischen Hochschulgemeinde Mainz. Sie kommt gerade von der Konferenz IACHE, das ist die internationale, multireligiöse Vereinigung der Hochschul-Seelsorgenden. Schardt ist Mitglied der internationalen Leitung. Das Treffen gibt es alle vier Jahre. Diesmal war vieles anders.
Die Hochschul-Seelsorgenden wollten sich ursprünglich in den USA treffen. Was war los?
Als wir uns vor vier Jahren im englischen Sheffield trafen, haben wir vereinbart, dass die nächste Tagung in den USA stattfinden soll. Seitdem haben sich mehrere Dinge verändert. Vor vier Jahren gab es eine andere Regierung in den USA. Mit den Konsequenzen für die Bildungspolitik dort hatte keiner gerechnet. Außerdem hatte niemand die Fußball-Weltmeisterschaft im Blick.
Viele Faktoren kommen aktuell zusammen: Menschen können willkürlich an der Grenze der USA bei der Einreise festgehalten und wieder zurückgeschickt werden. Die Handys werden überprüft. Auch queere Menschen können Probleme bekommen und sich im Moment nicht sicher fühlen. Die WM hat dazu geführt, dass Flug- und Hotelpreise in die Höhe geschossen sind. Zudem werden den Unis in den USA die Gelder gestrichen oder gekürzt. Viele unserer Kolleg*innen sind nicht bei den jeweiligen Kirchen angestellt, wie hier in Deutschland üblich, sondern teilweise bei den Universitäten selbst.
Wie hat die Konferenz-Leitung darauf reagiert?
Vor einem Jahr haben wir umdisponiert und mit Mainz und Frankfurt eine Alternative zu den USA gefunden.
Die Konferenz fand auf Englisch statt, sie war überschrieben mit „diversity, dialogue & democracy. Working together for peace“. Übersetzt: Vielfalt, Dialog und Demokratie. Zusammenarbeiten für den Frieden. Was bewegte die Seelsorgenden?
Wir haben bereits im europäischen Kontext gemerkt, zum Beispiel beim Brexit: Wir sind vernetzt, auch gerade mit unseren Kolleg*innen aus dem Vereinigten Königreich. Wenn Krisen kommen, können wir viel schneller agieren als manch andere, die dann erst anfangen, ihre Netzwerke aufzubauen. Das gilt weltweit genauso. Die Beziehungen zu den USA werden schwieriger. Aber wir haben die guten Beziehungen dorthin, zu unseren Kolleg*innen. Und wir bleiben im Austausch.
Warum ist der Hochschule-Seelsorge die Demokratie wichtig?
Ein offener Dialog braucht einen Rahmen, der dies ermöglicht und keine Denkverbote mitbringt. Der freie Diskurs, die freie Presse sind Bausteine einer Demokratie. Sie schaffen die Möglichkeit, dass Menschen selbstbestimmt, selbstgestaltend miteinander friedlich leben können. Es gibt Kolleg*innen, die können nicht mehr in einem demokratischen Staat leben und arbeiten. Es ist notwendig, dass die Menschen in den freien demokratischen Ländern sich mit ihnen vernetzen und solidarisch sind.
Wie verstehen Seelsorgende an den Unis Diversity – Vielfalt?
Dazu gehört vor allem Bildungsgerechtigkeit: Junge Menschen sollen gute Chancen bekommen, ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Denn das ist die Basis dafür, dass sie später unsere hoffentlich freie, demokratische Gesellschaft mitgestalten können, in verantwortlichen Positionen. Und das gilt nicht nur für die jungen Menschen, die schon gute Startchancen haben.
Diversity steht gegen Klassizismus, Kolonialismus, gegen alle Formen von Diskriminierung. Diversity haben wir übrigens ganz bewusst an den Anfang unserer Konferenz-Überschrift gestellt. Diversity ist zum Kulturkampfbegriff geworden. In amerikanischen Kontexten ist es untersagt, ihn zu benutzen. Aber wir stehen zum Konzept der Vielfalt und Bildungsgerechtigkeit. Wir knicken nicht ein.
Christine Schardt gehört zum Leitungsteam der IACHE, der internationalen Konferenz der
Seelsorgenden an Hochschulen.