Schmuckband Rad

Einhardbasilika

Rundgang durch die Basilika

Wir betreten die Basilika durch die neuromanische Vorhalle. Der Blick nimmt zuerst die klare Raumwirkung des Mittelschiffs aus dem 9. Jh. wahr und dringt über die Vierung in den Chor des 13. Jh. Das Mittelschiff, dessen helle Wände an einer flachen Bretterdecke enden, öffnet sich in je neun weit gespannten Arkaden zu den Seitenschiffen von nahezu halber Höhe der Seitenschiffe an und teilt die Wand in eine monumentale Arkadenzone und den Obergarden. Ein großer Spitzbogen bildet am östlichen Ende des Mittelschiffes den Übergang zum Querhaus, während sich in den Seitenschiffen die ursprünglichen Rundbogendurchgänge erhalten haben. Ihre Basissteine sind original und die Kämpferprofile getreu wiederhergestellt.

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 Befremdlich wirkt auf heutige Besucher das teilvergoldete Eisengitter. Abt Peter IV. Schultheis hat es 1725 zur 900-Jahrfeier anfertigen lassen. Es soll an der Stelle des ehemaligen Lettners den Mönchschor von dem Gemeindeschiff trennen. Zur Feier der Gottesdienste wird heute selbstverständlich das Gitter geöffnet und damit die Distanz zwischen dem Chorraum und dem Versammlungsraum der Gemeinde gemildert.
 
In den Jahren 1982 und 1983 fand eine gründliche Innenrenovierung statt, bei der die Basilika ihren jetzigen Zelebrationsaltar auf der vorgezogenen Altarinsel erhielt, wie es für die Liturgie nach dem II. Vatikanischen Konzil angemessen ist.

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Unter dem Zelebrationsaltar wird der Reliquienschrein der Seligenstädter Schutzheiligen Marcellinus und Petrus gezeigt. Der Schrein, der mit Platten aus Silberblech beschlagen ist, wird in die Jahre um 1680 datiert, da sich der Auftraggeber, Abt Franciscus I. Hoffmann (1674-1695), auf dem Schreindeckel mit seinem Wappen verewigen ließ. Die Treibarbeiten bieten nicht nur üppige Akanthusranken mit großen Blüten, sondern auch die Heiligen Marcellinus und Petrus auf der einen Seite und weitere Heilige aus einer Märtyrerfamilie: Marius mit Ehefrau Martha und ihren Söhnen Audifax und Habakuk (Frontseite), deren Reliquien ebenfalls von Einhard nach Seligenstadt gebracht wurden und in dem Schrein aufbewahrt werden.

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 Über dem Zelebrationsaltar hängt heute eine eindrucksvolle Darstellung eines romanischen Kruzifixus. Christus wird nicht nur als der Leidende, Gekreuzigte und unter Qualen Gestorbene dargestellt, sondern zugleich als der erhöhte Herr: Wir sehen zwar die Wundmale an Händen, Füßen und sogar an seiner Seite, aber er trägt statt der Dornenkrone eine goldene Königskrone. Er hängt nicht nackt am Kreuz, sondern ist mit einem kostbaren Gewand bekleidet. Er hängt nicht an rohen Holzbalken, sondern an einem gestalteten Zierkreuz mit ausladenden Enden. Diese Form der Darstellung, simultan Niederlage und Sieg, Leid und dessen Überwindung, Erniedrigung und Erhöhung, Tod und Auferstehung zu zeigen, war typisch in romanischer Zeit, bevor in der Gotik eine förmliche Leidensmystik einsetzte. Alter und Herkunft des Kreuzes sind nicht bekannt. Sein heutiges Aussehen erhielt es erst 1907, als der damalige Pfarrer Weckerle die fehlenden Arme und Füße wie die Krone und die farbliche Fassung ergänzen ließ und auch die Kreuzbalken in Auftrag gab.

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Hinter den Gittern fällt die barocke Ausstattung ins Auge, die einen wesentlichen Beitrag zur Ausschmückung des Hochchores unserer Basilika bildet. Der Hochaltar und die zwei Seitenaltäre wurden um 1715 nach den Entwürfen des Kurmainzer Architekten Maximilian von Welsch für das Karthäuserkloster St. Michael bei Mainz in der Werkstatt des Hofbildhauers Burkhard Zamles geschaffen und kamen 1792 in die Abtei. Der prachtvolle Hochaltar stellt ein Hauptwerk des mittelrheinischen Barock dar. Den Höhepunkt bildete wahrscheinlich einmal eine Darstellung der allerheiligsten Dreifaltigkeit, ein sogenannter Gnadenstuhl, von dem wir heute nur noch den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube wahrnehmen können. Vor den Säulen des Hochaltares stehen die abendländischen Kirchenväter: Bischof Augustinus mit dem Flammenherz, Papst Gregor der Große mit der Tiara und dem Papstkreuz (drei Kreuzbalken), Bischof Ambrosius mit dem Bienenkorb und Kardinal Hieronymus mit dem Löwen zu seinen Füßen. Über ihnen sitzen auf dem Gebälk des Altaraufbaus Johannes der Täufer mit dem Kreuz und dem Lamm sowie der heilige Josef mit dem Jesuskind. Links und rechts von ihnen sehen wir als Mainzer Heiligen Rabanus Maurus, den Lehrer Germaniens, und Bonifatius, der das vom Schwert durchstoßene Evangelienbuch in seiner Hand hält.

 

Den Basilika-Führer des Verlages Schnell + Steiner gibt es auch von der Firma Artguide als App für Ihr Smartphone.
Unter "Artguide" finden Sie die App bei Google-Play oder im App-Store.