Schmuckband Kreuzgang

Seligenstädter Walldürn-Wallfahrt

Wallfahrtsweg

Die Wallfahrt startet mit einem Bustransfer ab 05.15 Uhr von der Kirche im Seligenstädter Ortsteil Froschhausen bzw. ab 05.30 Uhr vom Kapellenplatz in Seligenstadt zum Mainparkplatz in Groß-Heubach, wo der ca. 2 km lange Fußweg die Pilger über 612 Stufen mit 6 Gebetskapellen und 14 Kreuzweg-Gebetsstöcken aus dem 17. Jahrhundert mit Gebeten und Gesang – unterstützt durch die Stadtkapelle Seligenstadt – zum Kloster Engelberg führt.

Nach der Pilgermesse gegen 07.00 Uhr, einem anschließenden Frühstück und dem Reisesegen geht der Fußweg ab 08.30 Uhr zur Maria-Hilf-Kapelle, an der für die Kranken und in sonstigen Anliegen gebetet und gesungen wird.
Der weitere Weg führt – nach einer kurzen Rast am Bahnhof von Miltenberg – singend und betend über einen Waldpfad zum Waldkreuz an der „Steige“ an der Straße nach Walldürn, wobei auch Gehbehinderte den Bustransfer ab Bahnhof in Anspruch nehmen können. Nach einer kurzen Rast wird den Verstorbenen gedacht. Der weitere Weg leitet die Fußwallfahrer mit Gesang, Gebeten, Texten und Meditationen über Wenschdorf, Reichartshausen und Gottersdorf über weniger stark befahrene Seitenstraßen und gut befestigte Waldwege zur Mittagsrast in die „Linde“ nach Gerolzahn.

Gegen 14.15 Uhr führt der Fußweg am Golfplatz in Neusaß vorbei nach Walldürn, wo die Pilger zur Messe in der Wallfahrtskirche (16.15 Uhr) in Empfang genommen werden.
Die Rückfahrt mit Bussen erfolgt nach einer Andacht um 19.30 Uhr am Freialtar gegen 20.00 Uhr.
Die gesamte Fußwegstrecke beträgt ca. 25 Kilometer.

Termin und Gottesdienste

Die Wallfahrt findet jeweils am 9. Tag nach Fronleichnam statt.
Gottesdienste gegen 07.00 Uhr Klosterkirche Engelberg und um 16.15 Uhr in der Wallfahrtsbasilika in Walldürn
aktuelle Informationen finden Sie hier auf der Homepage unter "Nachrichten"

Ansprechpartner
Gerhard und Bettina Sattler, sattlergerhard@arcor.de

Seligenstädter Walldürn-Wallfahrt im Bild

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Geschichte der Seligenstädter Walldürn-Wallfahrt

Nach der Literatur fand die 1. Wallfahrt wahrscheinlich im Jahre 1630 statt.
In der Folge gab es Unstimmigkeiten wegen Rangordnungen u. a. zwischen Steinheim und der untergeordneten Amtsvogtei Seligenstadt, die aus der „Stadt und umliegenden Dorfschaften 600 Pilger nach Walldürn schickte“.  
1699 wurde die 30 Jahre unterbrochene Wallfahrt als feste Prozession wieder aufgenommen.
1719 erhielten die Seligenstädter Musikanten für die Teilnahme an der Wallfahrt ein Salär von 3 Gulden aus der Gemeindekasse von Seligenstadt, das auch in den folgenden Jahren gezahlt wurde.
Am 2. Juni 1721 erfolgte Namens der Bürgerschaft Seligenstadts ein vom Stadtrat unterschriebenes Ersuchen an das erzbischöfliche General-Vikariat zu Mainz, den Pfarrer in Walldürn zu veranlassen, auch die Seligenstädter Wallfahrt in Walldürn abzuholen.
Der Brauch im 18. Jahrhundert, etliche kleine Kanonen (Eigentum des hiesigen Zentgrafen Kurz) auf dem Schiffe mitzunehmen und beim Vorüberfahren größerer Orte Salutschüsse abzufeuern, führte dazu, dass im Jahre 1723 eine Kanone durch allzu starkes Laden ohne weiteren Schaden zersprang, ein Teil des Kanonenmetalls ins Wasser fiel und nicht mehr gefunden wurde. 1725 beschwerte sich der Steinheimer Pfarrer über die bevorzugte Abholung der Seligenstädter Wallfahrer in Walldürn.
In der Chronik von Franz Hell ist erstmals 1735 eine Wallfahrt mit dem Schiff unter Musikbegleitung und Gesang der „Singjungfrauen“ erwähnt, zu der ein Geldbetrag von der Hospitalkasse (öffentlich geförderte, von Kranken unterstützte und von lebenden Mitbürgern in den Testamenten bedachte 1699 gegründete Einrichtung in der Großen Fischergasse) für wohltätige Zwecke und von der Stadtkasse zur Bestreitung der Kosten sowie Kerzenstiftungen gezahlt wurde.
Am 1. November 1738 verstarb der Bürger und Brudermeister Theodor Gade, der über 25 Jahre jedes Jahr die Prozession nach Walldürn führte.
1743 geriet auf der Rückreise bei Klein-Ostheim am 27. Juni das Schiff in die Schusslinie zwischen Franzosen auf der einen und Engländern, Deutschen und Österreichern auf der anderen Seite. Die Wallfahrer konnten rechtzeitig ohne Schaden landen, das Schiff erlitt einige Beschädigungen; die Kosten der Schadensbehebung wurden von der politischen Gemeinde Seligenstadt und der Hospitalkasse übernommen.
Gemäß der Wallfahrtsrechnung aus dem Stadtarchiv von 1770 standen den Einnahmen von 47 fl 29 Kr Ausgaben von 37 fl 3 Kr gegenüber.
Am 3. Juni 1770 wurde der Vertrag des Stadtvorstandes mit dem Marktschiffer Johann Adam Schneider aus Miltenberg über 10 Jahre bezüglich des Transportes der Wallfahrer von Seligenstadt nach Miltenberg und zurück für 60 fl für max. 325 Personen geschlossen, wobei jede Person 14 Kr Trinkgeld zahlen sollte. Bei Überschreitung der Anzahl um 25 Personen konnte der Schiffer 65 fl verlangen.
Gemäß Wallfahrtsführer Pfarrer Offenstein standen 1773 den Einnahmen von 23 fl 13 Kr Ausgaben von 43 fl 44 Kr gegenüber; Brudermeister waren die Herren Müller, Hildenbrand und Nessel.
1775 wurde durch Pfarrer Johannes Sebastianus Severus von Walldürn eine feste Prozessionsordnung (Reihenfolge der Besuche) mit „Montag in der Oktav“ und 200 Seligenstädter Pilger festgelegt.
1776 konnte Wallfahrtsführer Conventuale P. Andreas eine ausgeglichene Rechnung vorlegen.
1788 untersagte eine kurfürstliche Verordnung den Geistlichen die Teilnahme an der Wallfahrt nach Walldürn sowie das Mittragen von Kreuz und Fahnen.
1790 wurden aus Seligenstadt 120, aus Klein-Welzheim 14 und aus Froschhausen 11 Pilger gemeldet.
Am 9. Juni 1808 wurden durch Großherzogliche Verordnung die Bestimmungen von 1788 neu eingeschärft; erst nach einigen Jahrzehnten wurde aufgrund der lieb gewordenen Gewohnheit des Wallfahrens des Volkes die Beteiligung der Geistlichen für die Erhaltung der Ordnung und Vermeidung von Missbräuchen wieder gestattet.
Der Wallfahrtsweg begann 1949 mit dem Übersetzen auf der Mainfähre nach Groß-Welzheim und dem Fußweg zum Bahnhof Dettingen, mit der Bahn bis Klein-Heubach und mittels Fährnachen nach Groß-Heubach; 6 Musiker sowie Kaplan Kräft begleiteten die Pilger.

Gemäß den Aufzeichnungen ist die Anzahl der Pilger von 128 in 1977 auf 333 Personen in 1988 angestiegen und dann sukzessive auf 143 Pilger in 2019 zurückgegangen, wobei zwischen 10 und 30 (1988) Musiker der Stadtkapelle Seligenstadt die Gottesdienste auf dem Kloster Engelberg und in Walldürn sowie auf dem Pilgerweg musikalisch begleiteten. Auch die Geistlichkeit der Basilika-Pfarrei St. Marcellinus und Petrus war als Zelebrant der Messen und/oder Pilger regelmäßig vertreten.

Eine gute Tradition ist es geworden, dass seit 1977 nahezu jährlich Gesangvereine aus Froschhausen und insbesondere aus Seligenstadt das Pilgeramt in Walldürn – in Verbindung mit der Stadtkapelle Seligenstadt – musikalisch mitgestalten.

Paul Rühl war nach der Übernahme von Peter Winter im Jahre 1977 25 Jahre Wallfahrtsführer, ehe in 2002 die Eheleute Gerhard und Bettina Sattler die Organisation und Durchführung der Wallfahrt übernahmen. Gebete und Lieder werden überwiegend dem in 2005 überarbeiteten Wallfahrtsbuch entnommen.
2019 fand die 123. Fußwallfahrt statt.