Initiative AUFSTEHEN FÜR !:„Herz statt Hetze“

„Wer in der Demokratie pennt, wacht in der Diktatur auf.“ Unerschrocken sagt Michael Krummeich diesen Satz in die Kamera. Der Mann aus dem Vogelsberg ist Mitglied im Rat der Katholikinnen und Katholiken im Bistum Mainz. Zusammen mit weiteren Mitgliedern macht er mit bei einer besonderen Social-Media-Aktion. Das höchste Laiengremium im Bistum beteiligt sich an der ökumenischen Initiative „aufstehen-fuer.de“. Im Vorfeld der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz am 22. März und der Kommunalwahlen in Hessen am 15. März geht es um nichts Geringeres, als für die Demokratie einzustehen. Das Mainzer Gremium entschied sich, eigene Socia-Media-Spots für diesen Zweck zu drehen. Seit Aschermittwoch sind sie im Internet zu sehen, darunter auch eines mit einem Statement des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf.
Sorge wegen AfD-Wahlprogramm
Michael Krummeich gehört im Mainzer Rat der Katholikinnen und Katholiken zur Arbeitsgruppe „Demokratie fördern – dem Extremismus widerstehen“. Nicht nur als ehrenamtlich tätiger Katholik, sondern auch aus beruflichen Gründen kann der 61-jährige Familienvater zu Angriffen auf die Demokratie nicht schweigen. Denn er ist hauptamtlicher Dozent der Verwaltungsakademie Hessen. Sein gesetzlicher Auftrag: Beschäftigte des öffentlichen Dienstes im Sinn einer demokratischen Staatsauffassung aus- und fortzubilden. Zu Antisemitismus, Hetze, Diffamierungen und dem Infragestellen der demokratisch-rechtsstaatlichen Werte müsse er etwas sagen. „Habe nichts gesehen, habe nichts gehört, sage nichts – das hatten wir mal. Das darf nicht wieder sein. Nie wieder ist jetzt“, betont er.
Mit Sorge blickt Michael Krummeich etwa auch auf das Wahlprogramm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September. Die Partei will dort die Kirchensteuer abschaffen und Staatsleistungen streichen. „Das Programm der AfD wird sich in anderen Bundesländern im Großen und Ganzen nicht von dem in Sachsen-Anhalt unterscheiden“, gibt der Jurist zu bedenken. Er verweist auf die fünf Verfassungsprinzipien, die durch eine sogenannte Ewigkeitsklausel besonders geschützt sind. Neben Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gehört dazu der Sozialstaat. Ebenso ist die Gewaltenteilung Teil dieser Prinzipien. Auch die sieht Krummeich aktuell in Gefahr.
Der Rat der Katholikinnen und Katholiken im Bistum Mainz beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Demokratie. Vor drei Jahren verfasste das Gremium eine Stellungnahme gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, 2017 hatte es ein Papier gegen Rechtspopulismus veröffentlicht. Und nun die Teilnahme an „aufstehen-fuer.de“. Zur Entscheidung, dafür Social Media zu nutzen, sagt Christian Trieb aus der Demokratie-AG: „Wir möchten insbesondere hier unsere Position deutlich machen. Damit in den Sozialen Medien nicht nur negative Stimmen zu unserer Demokratie veröffentlicht werden.“ Zudem würde man über diesen Kanal auch andere Zielgruppen erreichen, nicht nur die klassische Gemeinde. Der Wormser betont: „Mir ist als Katholik und Pax Christi-Mitglied wichtig, deutlich zu machen, dass völkischer Extremismus, Rassismus und Antisemitismus keinen Platz in unseren Parlamenten haben dürfen. Das ist auch schon im Gebot der Nächstenliebe dargelegt.“
Sein Rats- und AG-Kollege Michael Krummeich bringt die christlichen Werte und ihre Unvereinbarkeit mit rechts-extremem Gedankengut in seinem Video folgendermaßen auf den Punkt: „Bei uns gilt Herz statt Hetze. Und unser Kreuz hat keine Haken. Deshalb aufstehen und Gesicht zeigen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.“
Die Initiative
Sie stehen gemeinsam auf für Menschenwürde und Demokratie: die Bistümer Speyer, Trier, Mainz, Fulda und Limburg sowie die Evangelischen Kirchen in der Pfalz, im Rheinland, in Hessen und Nassau sowie von Kurhessen-Waldeck. Ebenso angeschlossen haben sich die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Rheinland-Pfalz/Saarland und in Hessen-Rheinhessen.
www.aufstehen-fuer.de
bistummainz.de/social-wall
Instagram.com/bistummainz