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Spiritueller Anker

Um die Schöpfungszeit geht es beim aktuellen Umweltpreis des Bistums Mainz. Der scheidende Umweltbeauftragte Marcus Grünewald erklärt, warum das Thema wichtig ist – und zieht Bilanz.
Marcus Grünewald
Datum:
15. Juli 2026
Von:
Anja Weiffen/ Glaube und Leben

Nach Hitzerekorden in Deutschland ist der Umweltschutz zurück in der öffentlichen Debatte. Wie sich vor Extremwetter schützen? Dieses Thema – die Klimafolgenanpassung – hatte das Bistum Mainz bereits bei seinem Umweltpreis 2024 aufgegriffen. Jetzt läuft die neue Ausschreibung: Der aktuelle Preis prämiert Projekte zur Schöpfungszeit. Pfarreien, Kitas, Schulen, Klöster und weitere kirchliche Einrichtungen sind aufgerufen, sich bis zum 30. November zu bewerben. Die Bedingung: Die Angebote müssen zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober 2026 stattfinden.

Sich bei Gott aufgefangen wissen

Die Schöpfungszeit gibt es seit nahezu 20 Jahren. „Deren Inhalte, also etwa Klima- oder Artenschutz, sind bei uns in den Einrichtungen angekommen“, sagt Marcus Grünewald, Umweltbeauftragter des Bistums Mainz. „Aber die besonders geprägte Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober zu feiern, ist definitiv noch nicht überall verankert.“

Mit dem diesjährigen Thema des Umweltpreises soll das Bewusstsein für die spirituellen Grundlagen des Umweltschutzes gestärkt werden. „Bewahrung der Schöpfung ist für uns Christen kein Nice-to-have, kein nettes Beiwerk, sondern ein Muss“, betont Marcus Grünewald. „Christen engagieren sich nicht für die Umwelt, weil dies im Trend liegt. Sondern wir haben dazu einen göttlichen Auftrag. Und der müsste uns eigentlich an die Spitze der Umweltbewegung katapultieren.“

Für die Schöpfungszeit wünscht er sich flächendeckendere Angebote im Bistum und schaut dabei auch auf die eigene Arbeit zurück: „Lange haben wir uns auf die zentrale Feier des Schöpfungstags konzentriert, die von der Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen veranstaltet wird.“

Die Idee sei nun, die Schöpfungszeit an vielen Orten im Bistum zu etablieren und daraus ein Netzwerk zu gestalten. Sich in Sachen Umweltschutz die geistliche Dimension vor Augen zu führen, könne auch entlastend wirken, findet Marcus Grünewald. „Wenn vieles nicht so läuft, wie gedacht, dann können wir uns bei Gott aufgefangen wissen. Gib mir Geduld – auch darum können wir bitten.“

Stelle bleibt bestehen

Marcus Grünewald ist seit Anfang des Monats im Ruhestand. „Ich betreue aber laufende Projekte weiter, bis die Nachfolge geregelt ist“, sagt der 66-Jährige und zieht Bilanz. Die Grundbedingungen für Umweltschutz im Bistum seien aktuell nicht einfach, denn man müsse sparen – finanziell und personell. „Beim Umwelt- und Klimaschutz haben wir schon einiges erreicht“, sagt er. „Aber die wichtigen Handlungsfelder Gebäude und Mobilität haben noch Nachholbedarf. Da braucht es eine bessere Datenlage, etwa alle Verbrauchsdaten der Gebäude, um Klimaschutz effizienter zu machen.“

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen: Die hauptamtliche Stelle des Umweltbeauftragten bleibt bestehen. Marcus Grünewald wird an anderer Stelle weiterhin für das Bistum tätig sein. Er ist unter anderem Vorstandsvorsitzender des Vereins „Kirchen auf der BUGA 2029“. Die Bundesgartenschau findet in der Region Oberes Mittelrheintal statt, zu der auch Bingen gehört.

Zur Sache

Die Schöpfungszeit ist ein besonderer Abschnitt im Kirchenjahr, der dazu einlädt, die Schöpfung bewusst wahrzunehmen und ihre Schönheit wertzuschätzen. Vom 1. September bis zum 4. Oktober stehen Dankbarkeit  sowie die Verantwortung für den Schutz unserer Umwelt im Mittelpunkt. Alle Infos zum Umweltpreis: umweltbeauftragter@bistum-mainz.de