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Interview mit Eva Reuter, Pastoralreferentin in der Cityseelsorge Mainz :„Am Ende siegt das Gute“ – Wie Ostern mitten im Leben zur frohen Botschaft wird

Slider Interview Eva Reuter
Datum:
2. Apr. 2026
Von:
Alexander Stein | Eva Reuter

Ostern verbinden viele Menschen mit Familie, Frühling und freien Tagen – doch die religiöse Bedeutung rückt oft in den Hintergrund. Was bedeutet „frohe Botschaft“ von Tod und Auferstehung heute noch? Eva Reuter, Pastoralreferentin in der Cityseelsorge Mainz, erlebt täglich, wie Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen nach Hoffnung suchen – und wo Ostern dabei überraschend nah ist.

Eva Reuter

Frau Reuter, was nehmen Sie aus Ihrer Arbeit in der Cityseelsorge wahr: Welche Bedeutung hat Ostern heute noch für die Menschen?

Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich schon früh Frühlingsdekorationen in den Schaufenstern – Hasen, Eier, bunte Farben. Viele verbinden Ostern vor allem damit. Dass der religiöse Kern dabei in den Hintergrund tritt, deckt sich mit meinen Erfahrungen – noch stärker als an Weihnachten. Zwar kennen viele das Kreuz als Symbol, aber was es konkret mit Ostern zu tun hat, ist oft unklar. Die Auferstehung bleibt für viele abstrakt und schwer greifbar. Die meisten genießen die freien Tage, Zeit mit der Familie und gemeinsame Rituale. Religiöse Bräuche werden dagegen oft nicht mehr verstanden – das zeigt sich zum Beispiel auch an Diskussionen rund um den Karfreitag als stillen Feiertag, Stichwort Tanzverbot.

Wenn Menschen Ostern eher im Alltag als im Gottesdienst erleben: Kann darin trotzdem schon eine Spur der „frohen Botschaft“ liegen?

Ja, auf jeden Fall. Die Kar- und Ostertage greifen zentrale Erfahrungen des Lebens auf: Gemeinschaft, Leid, Stille und neue Hoffnung. Viele Menschen erleben Gemeinschaft bei gemeinsamen Mahlzeiten, ähnlich wie beim letzten Abendmahl. Trauer und Verlust, wie sie an Karfreitag im Mittelpunkt stehen, kennen ebenfalls viele – auch wenn sie diesen Gefühlen oft lieber ausweichen.
Und auch die Sehnsucht nach Freude und Neubeginn, die wir an Ostern feiern, ist spürbar. Selbst wenn diese Erfahrungen nicht bewusst mit dem Glauben verbunden werden, tragen sie etwas von der österlichen Botschaft in sich.

Wie übersetzen Sie die Osterbotschaft in die Lebensrealität der Menschen?

In Gesprächen über Trauer, Einsamkeit oder Lebensfragen spielt die Hoffnung von Ostern oft eine wichtige Rolle – auch wenn sie nicht immer ausdrücklich benannt wird.
Ich biete meinen Glauben an, indem ich erzähle, was mich trägt. Gleichzeitig entstehen im Gespräch oft gemeinsame Deutungen, die für die jeweilige Situation hilfreich sind.
Dabei geht es nicht darum, alles erklären zu können, sondern darum, die Hoffnung spürbar zu machen, dass kein Mensch verloren geht.

Welche „österlichen“ Hoffnungszeichen erleben Sie konkret in der Stadt?

Ich erlebe viele hoffnungsvolle Initiativen gegen Einsamkeit. Menschen überlegen, wie wir als Gesellschaft besser miteinander leben können – das berührt mich sehr. Ob beim gemeinsamen Mittagstisch, bei Begegnungen auf der Straße oder im interreligiösen Austausch: Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, teilen und einander wahrnehmen, sehe ich österliche Hoffnungszeichen.

Wie verändert die Arbeit in der Cityseelsorge Ihren Blick auf Ostern?

Die biblischen Geschichten werden für mich sehr konkret. Sie handeln von zutiefst menschlichen Erfahrungen: Sehnsucht, Hoffnung, Angst, Neuanfang. In der Trauerbegleitung erlebe ich, wie Menschen durch dunkle Zeiten gehen – und langsam wieder ins Leben zurückfinden. Diese Bewegung von Dunkelheit ins Licht ist für mich eine ganz persönliche Ostererfahrung.

Wo sehen Sie, dass Menschen Neuanfänge suchen oder leben? Konkret im Alltag im Frühling: Menschen gehen hinaus, genießen die Natur, pflanzen Neues, treffen sich mit anderen. Dieses Aufblühen tut gut – äußerlich und innerlich. Es zeigt, wie sehr wir Menschen auf Neubeginn und Hoffnung ausgerichtet sind.

Wie sprechen Sie über die Auferstehung mit skeptischen Menschen?

Ich erkläre sie nicht, sondern biete Bilder an und erzähle von meiner Überzeugung. Manches im Leben muss man nicht vollständig verstehen, um seine Bedeutung zu erfahren. Entscheidend ist, welche Spur es im eigenen Leben hinterlässt – so wie bei Kunst oder bei Erfahrungen von Liebe.

Wenn Sie die „frohe Botschaft“ von Ostern in einem Satz formulieren müssten – wie würde er lauten?

Ich bin überzeugt davon: Am Ende wird alles gut.

Frau Reuter, herzlichen Dank fürs Interview – und frohe Ostern!