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„Bereits verbale oder sogar tätliche Angriffe“

Christoph Albuschkat
Interview mit Christoph Albuschkat, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Faire Woche & Fundraising beim Weltladen-Dachverband in Mainz.
Datum:
26. Okt. 2026
Von:
Interview: Anja Weiffen

Seit rund 50 Jahren gibt es Weltläden. Seitdem ist ihre Anzahl kontinuierlich gestiegen. Wie deuten Sie diese Erfolgsgeschichte?

Bundesweit gibt es rund 900 Weltläden, in denen sich circa 30000 Menschen engagieren – die meisten davon ehrenamtlich. Und es gründen sich immer noch neue Weltläden. Aus meiner Sicht spricht aus dieser Entwicklung, dass die Menschen ein großes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Solidarität bewegt. Und dass sie Weltläden als Akteure sehen, die sich genau dafür einsetzen. So tragen Weltläden zum Beispiel mit ihrem Angebot an fair gehandelten Produkten ganz konkret dazu bei, dass Menschen im Globalen Süden ihre Erzeugnisse zu besseren Bedingungen herstellen und vermarkten können, als es auf dem herkömmlichen Markt möglich wäre.

Welche Rolle haben die Kirchen bei den ersten Weltläden gespielt?

Der Faire Handel ist zu Beginn der 1970er Jahre aus einer kirchlichen Jugendbewegung heraus entstanden. Zehntausende junge Menschen sind in sogenannten Hungermärschen auf die Straße gegangen, um gegen die aus ihrer Sicht ungerechten Handelsbedingungen zu demonstrieren. Diese hielten die Länder des Globalen Südens in Armut und Abhängigkeit. Kirchliche Akteure haben dann die ersten Fair-Handels-Organisationen ins Leben gerufen, die Produkte aus dem Globalen Süden importiert und über Weltläden vermarktet haben. Viele Weltläden haben sich in Kirchengemeinden gegründet und konnten kirchliche Räume nutzen. Bis heute sind die katholische und die evangelische Kirche wichtige Kooperationspartner und unterstützen Weltläden und andere Akteure des Fairen Handels auch finanziell.

Aktuell erleben wir einen politischen Rechtsruck. Zudem ist eine Reform des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ angekündigt, das auch die Weltläden betrifft. Wie wirkt sich das aus?

Weltläden stehen für eine solidarische, weltoffene Gesellschaft und streben nach Gerechtigkeit im internationalen Handel. Die Narrative rechtsextremer Akteure stehen dieser Haltung diametral gegenüber. Leider mussten einige Weltläden wegen ihres Engagements bereits verbale und sogar tätliche Angriffe erleben. Einige Veranstaltungen von Weltläden oder ihrer Kooperationspartner werden durch das Programm „Demokratie leben!“ ermöglicht – auch im ländlichen Raum, wo Weltläden oft die einzige Möglichkeit bieten, etwas über die Zusammenhänge einer zunehmend vernetzten Welt zu lernen. Wir wissen von Weltläden und ihren Kooperationspartnern, dass Förderungen schwieriger werden und damit auch die Durchführung von Veranstaltungen.

 

 

Infos: www. weltladen.de

 

Zur Person

Christoph Albuschkat ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Faire
Woche & Fundraising beim Weltladen-Dachverband in Mainz.