„Kirche gestaltet Zukunft mit“

Sie haben mal in Mainz studiert. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe, sodass Sie von Berlin nach Mainz zurückkommen?
Ursprünglich stamme ich aus Kaiserslautern. Aber das Rhein-Main-Gebiet ist für mich ein Stück Heimat. In Mainz und Frankfurt habe ich Theologie studiert. Meine Frau ist Mainzerin. Grund für den Wechsel ist aber meine künftige Arbeitsstelle: Das Katholische Büro in Mainz vertritt die Interessen der katholischen Bischöfe in der rheinland-pfälzischen Landespolitik, so gestaltet die Kirche dort die Zukunft mit. Der jetzige Leiter des Katholischen Büros, Dieter Skala, der ab November im Ruhestand ist, macht eine fantastische Arbeit und die Einrichtung genießt einen guten Ruf. Daran möchte ich anknüpfen.
Haben Sie schon vorab eine Botschaft an die Politikerinnen und Politiker in Rheinland-Pfalz? Was ist Ihnen als Vertreter der katholischen Kirche besonders wichtig?
Um ein konkretes Thema zu kommunizieren, ist es zu früh. Aber ich freue mich wahnsinnig, die Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik kennenzulernen, und auf die Gespräche mit ihnen. Ich verstehe mich dabei nicht als ein hartes Gegenüber, sondern als konstruktiven Gesprächspartner. Papst Leo XIV. hat in seiner Enzyklika der Kirche Impulse gegeben, wie sie bei den Zukunftsthemen mitreden kann – mit ihren Erfahrungen, ihren Einrichtungen, ihrer Lehre. Ich möchte in meiner künftigen Position schauen, wo in Rheinland-Pfalz die Zukunftsthemen liegen und was die Menschen im Land bewegt.
Rheinland-Pfalz hat seit Mai einen neuen Landtag mit der AfD als größter Oppositionspartei. Wie ist Ihre Haltung dazu?
Die Haltung der katholischen Kirche ist hier eindeutig. Die deutschen Bischöfe haben klar benannt, dass Positionen, die die Menschenwürde relativieren, Menschen ausgrenzen oder demokratische Grundprinzipien in Frage stellen, mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar sind. Das Katholische Büro orientiert sich an dieser Linie. Deshalb pflegen wir keine institutionellen Beziehungen zur AfD. Ich sehe keinen Anlass, diese Praxis zu verändern.
Wofür haben Sie sich an Ihrer jetzigen Arbeitsstelle bei der Deutschen Kommission Justitia et Pax in Berlin besonders eingesetzt?
Bei der Kommission Justitia et Pax – eine Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) – habe ich als Referent Fragen der Friedens- und Sicherheitspolitik bearbeitet, so etwa die Herausforderung des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Aber auch Themen wie die nukleare Abschreckung, die Organisierte Kriminalität und auch die Künstliche Intelligenz (KI) haben mich beschäftigt.
Als Leitbild dient mir das Konzept des „Gerechten Friedens“, das die DBK in ihren Dokumenten 2000 und 2024 ausformuliert hat. Die katholische Friedensethik ist für mich ein Schatz, der uns durch neue Herausforderungen navigieren kann und den ich unter die Menschen bringen möchte.
Meine Erfahrungen auf der Bundesebene kann ich in Rheinland-Pfalz einbringen, denn die Bundesthemen haben längst landespolitische Dimensionen: Mit den Militärstandorten Büchel und Ramstein zum Beispiel wird in einem möglichen Bündnisfall Rheinland-Pfalz zur Drehscheibe. Auch die Künstliche Intelligenz wird viele politische Gestaltungsaufgaben in Rheinland-Pfalz verändern – von der Bildung über die Verwaltung bis hin zum Gesundheitswesen.
// Interview: Anja Weiffen
Zur Person
Markus Patenge wurde 1979 in Kaiserslautern geboren. In Mainz studierte er Praktische Theologie an der Katholischen Fachhochschule und danach Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, wo er auch promovierte. Berufliche Stationen sind unter anderem das Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften in Hamburg und zuletzt die Deutsche Kommission
Justitia et Pax in Berlin.