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Gesprächsabend zur 5. Jahreszeit in der Akademie des Bistums Mainz:„Gegen Mucker und Philister“ – Revoluzzer in der Fastnacht?

Gesprächsabend zur 5. Jahreszeit
Beim diesjährigen Gesprächsabend ging es um „Revoluzzer in der Fastnacht“, die die Fastnacht selbst von innen veränderten. Nach einer gereimten Einführung ins Thema von dem Mainzer Fastnachtsexperten Peter Krawietz zusammen mit Felicitas Janson, Studienleiterin und Moderatorin des Abends, stürmte das Trommlercorps der Garde der Prinzessin die Bühne und sorgte für fastnachtliche Stimmung im Erbacher Hof.
Datum:
11. Feb. 2026
Von:
Dr. Felicitas Janson

Ein Blick zurück – vor 25 Jahren entstand eine sechsköpfige Boygroup der Fastnacht: „Aca & Pella“, um den musikalischen Leiter Tobias Mann. Der Bassist der Gruppe, Guntram Schmahl, erzählte im Gespräch vom rasanten Aufstieg der Gruppe. „Aber Revoluzzer waren wir keine, eigentlich auch keine Fastnachter, wir sind reingeschlittert in die Fastnacht und haben unseren Spaß auf der Bühne gehabt.“ Mit einer soliden musikalischen Grundbildung und Proben die – ohne Noten – eher Jamsessions glichen, mischten sie die Musikszene in der Mainzer Fastnacht auf. Dialoge mit dem Publikum, etwas Comedy, aktuelle Musikparodien und eine kreative Performance machten die Auftritte unvergesslich, wie verschiedene Video-Einspieler am Gesprächsabend bewiesen. Die vielfältigen Termine stellten die Sänger 2007 vor die Entscheidung, sich weiter zu professionalisieren oder den bisher angestrebten Beruf auszuüben. Sie sind dem Publikum immer noch in guter Erinnerung und mit „Adjee und Tschüss“, einer Stomp Rock Parodie, ging es gut gelaunt in die Pause des Abends.

Das Lied „Ich möcht‘ ein Schloss aus Blumen bau‘n“ von Herbert Bonewitz, in einer Interpretation von Aca & Pella führte mitten hinein in die Fastnacht der 70er Jahre.

Janson begrüßte Michael Bonewitz, Verleger und Kulturjournalist, der dem Publikum viele Erinnerungen an seinen Vater präsentierte. Herbert Bonewitz war seit den 50er Jahren in der Fastnacht präsent, über 30 Jahre Mitglied und musikalischer Leiter der Gonsbachlerchen. Es wurde sehr persönlich, wenn Michael Bonewitz über die akribische Vorbereitung des berühmten Büttenredners und späteren Kabarettisten berichtete. Büttenredner sei sein Vater geworden, weil ihm das die Wartezeit auf den Auftritt der Gonsbachlerchen verkürzte.

Nachdem die Wellen der 68er Revolution auch in Mainz angekommen waren, begann Herbert Bonewitz, das Establishment der Fastnacht und dessen verkrustete Strukturen zu kritisieren. Anfänglich war seine Kritik leise – so im Vortrag „Der Büttenschieber“, der meisterhaft von Johannes Bersch (vor allem bekannt in seiner Rolle als Moguntia) vorgetragen wurde. Gerade die Großen der Fernsehfastnacht übten Zensur aus, waren aber der Gewitztheit eines Herbert Bonewitz nicht gewachsen: Er trug seinen Text auswendig vor, da konnte kein Manuskript zensiert werden!

Die Fernsehfastnacht spiegelte die gut situierte Gesellschaft wider, in Frack oder mit Hochfrisur, mit Zigarren und viel Alkohol auf den Tischen – so beschreibt sie der Büttenschieber 1970: „Tusch, Begrüßung: Auf zum Feste! Nennung aller Ehrengäste: Prominenz, nur beste Plätz, ziemlich vorne, - laut Gesetz – Eintritt frei, doch kaum Applaus, lache später erst… zuhaus!“

Bereits 1975 wechselte der Büttenredner Bonewitz zum Kabarett mit seinen Auftritten im Unterhaus. Hanns Dieter Hüsch nannte ihn „einen rebellischen Querkopf“ und 17 Programme, aufbewahrt im Kabarettmuseum Mainz, zeugen von seiner „Revoluzzer-Haltung“. Sie findet sich vor allem in der bekannten Figur des Prinz Bibi (1974), die Johannes Bersch gekonnt mit Karottenszepter in Szene setzte.

Mit dem Lied „Denn wo kanns schöner sein als hier in Mainz am Rhein“ von Aca & Pella endete ein vergnüglicher Blick in die jüngere Geschichte der Fastnacht, die von Anfang an Revoluzzer anzog und hoffentlich bis heute den kritischen Blick behält. Helau bis zum nächsten Mal?

Gesprächsabend zur 5. Jahreszeit 2026