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Parresfastnacht:ein bisschen Familie

Pfarresfastnacht Gernsheim
Rheinischen Frohsinn gibt es nicht nur in den Karnevalshochburgen. Im südhessischen Gernsheim ist einiges los. Einer der Fastnachtsvereine beruft sich ausdrücklich auf kirchliche Ursprünge.
Datum:
12. Feb. 2026
Von:
Von Stefan Sangmeister und Anja Weiffen
Sitzungspräsident Benedikt Kiefer (28)  ist seit 22 Jahren  aktiver Fastnachter

Das Zepter bekam Benedikt Kiefer 2020 überreicht. Ein Jahr später war er König ohne Land. Die Corona-Pandemie bremste auch die Gernsheimer Parresfastnacht aus. Vor drei Jahren begann Kiefers wirkliches Präsidenten-Dasein: „Man repräsentiert den Verein, moderiert die Fastnachtssitzung und hält den Laden zusammen“, erzählt der 28-Jährige.

Der Pfarrer ist immerder Schirmherr

Die Parresfastnacht Gernsheim ist nicht das einzige Fastnachts-Event in dem rund 11 000-Seelen-Städtchen am Rhein. Weitere fünf Narren-Vereine haben gerade Saison, im Saal und auf der Straße. Das Besondere der Parresfastnacht: „Wir sind eine Gruppe, die sich aus der Pfarrei heraus gegründet hat“, erklärt Benedikt Kiefer. „Das steckt bei uns im Namen. Parresfastnacht, das heißt die Fastnacht des Pfarrers oder der Pfarrei. Der Pfarrer ist immer Schirmherr unseres Vereins und bekommt eine Narrenkappe. Und natürlich eröffnet er unsere Sitzungen“, sagt er. „Je nachdem, wie die Pfarrer in der Vergangenheit drauf waren, hielten sie einen Vortrag bei der Sitzung oder sangen etwas. Auch gereimte Predigten im Gottesdienst gibt es. Das gehört alles dazu.“

Inzwischen existiert die Parresfastnacht seit 66 Jahren, „das ist eine stolze Zeit“, findet Benedikt Kiefer. Keimzellen der Gernsheimer Parresfastnacht waren in den 1960er Jahren katholische Jugendverbände, die Christliche Arbeiterjugend (CAJ), die Pfadfinder, die Messdiener, und die Kolpingsfamilie. Als Termin wurde damals der Fastnachtssonntag gewählt – aus Sorge, dass sonntagsmorgens keiner in die Kirche kommt, wenn die Sitzungen am Abend zuvor gehalten werden. Die Veranstaltungen entwickelten sich zum Renner, heißt es in der Geschichte des Vereins.

Auch heute noch machen Gruppen aus der Pfarrei mit, erzählt der Sitzungspräsident. „Wir haben unsere KjG, die katholische junge Gemeinde, und unsere Zeltlagergruppe, die ein Männerballett aufführt oder als gemischtes Ballett tanzt.“ In diesem Jahr begrüßt Pfarrer Clemens Wunderle das Publikum nicht nur als Schirmherr. Wegen des besonderen Anlasses tritt er mit eigenem Beitrag auf, zusammen mit Pfarrvikar Maximilian Eichler. Sie singen als „Waschweiber“, als Maxi und Clementine, ein Lied aus Wunderles Feder. Zündende Idee war für den Pfarrer die Frage, was sich auf „sechzisch“ reimt. Da sei ihm – ebenfalls im Gernsemer Dialekt – die „Wäschkisch“, die Waschküche, eingefallen, erzählt Clemens Wunderle, der vor sechs Jahren nach Gernsheim kam. Der Dialekt allerdings ist ihm nicht fremd, denn sein Vater stammt aus dem Ort.

Elferrat in Kita und Grundschule

Auf die Frage, wie der Verein es schafft, genug Menschen für die Organisation der Parresfastnacht zu finden, sagt Sitzungspräsident Benedikt Kiefer: „Wir haben unsere lange Tradition, und da gibt es natürlich auch einige große Fastnachtsfamilien, bei denen dieses Engagement dazugehört. Die Kinder wachsen auf, werden Teil des Vereins, sind aktiv. So hat man eine gute Basis.“

Und dann gebe es auch Zufallsfunde, beispielsweise wenn einer dazukommt und sagt: Hey, ich bin hier zugezogen und habe Lust mitzumachen. Zudem hat der Verein eine aktive Jugendfastnacht. „Wir fangen schon ab dem Kindergartenalter und der Grundschule mit eigenem Elferrat an und versuchen, die Kinder für die Kultur zu begeistern“, sagt der Fastnachter.

Mit den Vereinen der Karnevalshochburgen könne man sich zwar nicht vergleichen, zum Beispiel was die Mittel angeht, sagt Benedikt Kiefer. Aber er betont bei der Gernsheimer Parresfastnacht die „Liebe zum Detail“. „Wir haben auch Programmpunkte, bei denen wir uns mit den Großen messen können, etwa bei den Tänzen oder den Reden.“ Zudem sei die Parresfastnacht viel familiärer als die Sitzungen der großen Mainzer Garden mit tausend Mitgliedern. „Das finde ich sehr angenehm.“

Für ihn persönlich sei die Fastnacht „so ein bisschen Familie geworden“, erzählt der junge Sitzungspräsident. „Ich bin seit 22 Jahren als Aktiver dabei, das ist eine lange Zeit.“ Es sei ein großartiges Gefühl, auf der Bühne zu stehen und Menschen zu unterhalten. „Ich tanze, singe, halte Vorträge“, berichtet Benedikt Kiefer. Es sei schön, Feedback vom Publikum zu bekommen und zu wissen, dass die Menschen sich darüber freuen. „Dann macht es auf der Bühne umso mehr Spaß.“