Eine Maske tragen

Do 20. Feb 2020
Alexander Matschak,hr2 Zuspruch

Heute am Rosenmontag tragen viele Jecken Masken. Alexander Matschak hat sich Gedanken darüber gemacht, wann Menschen auch im Alltag Masken tragen.

„Ach Alexander – du bist das!“ Diesen überraschten Ausruf habe ich in den vergangenen Wochen öfter mal gehört. Ich fahre nämlich auch im Winter Fahrrad und habe mir eine Sturmmaske gekauft. Die schützt mich vor Wind und Kälte. Aber sie bedeckt auch mein ganzes Gesicht. Nur die Augen sind zu sehen. Klar, dass mich meine Nachbarn, meine Kolleginnen und Kollegen beim Vorbeifahren nicht erkennen. Und immer erstmal etwas misstrauisch gucken, wenn ich sie grüße. So nach dem Motto: „Wer quatscht mich denn da plötzlich von der Seite an?“ Aber dann doch meistens erfreut lächeln, wenn ich meine Maske abziehe. Für mich ist das eine ganz interessante Erfahrung: Ich kann hinter einer Maske ganz verschwinden. Kann fast unsichtbar werden für meine Mitmenschen. 

Vor Gott muss ich keine Masken tragen

Heute, am Rosenmontag, da verschwinden viele Menschen hinter Masken. Zu Tausenden strömen sie wieder verkleidet zu den Rosenmontagszügen. Sind für ein paar ausgelassene Stunden mal jemand ganz anderes. Verbergen mit Schminke und Perücke ihr eigentliches Ich hinter einer Maske. Sind vielleicht ein Superheld. Vielleicht ein Clown. Vielleicht ein Einhorn. Ich packe heute wieder mein Zauberer-Kostüm aus: mit Spitzhut und langem grauen Bart. Und beim Verkleiden denke ich: Da steckt auch immer eine kleine Sehnsucht dahinter. Die Sehnsucht, ein bisschen so zu sein wie mein Masken-Ich. Also: Superkräfte zu haben, jemanden zum Lachen zu bringen, in einer Fantasy-Welt zu leben. Oder zaubern zu können. Oder wenigstens einfach mal ganz anders zu sein, als ich sonst so bin. Für ein paar Tage an Fastnacht tut das gut.
Menschen tragen Masken: Das erlebe ich aber nicht immer nur als etwas Schönes. Im Alltag finde ich es manchmal auch schade, wenn sich Menschen hinter Masken verbergen. Ich kenne Menschen, die auch in ihrem Alltag Masken tragen. Ich denke da zum Beispiel an einen Bekannten, der anderen gegenüber oft mürrisch und kurz angebunden ist. Den ich aber persönlich als offen, freundlich und mitteilsam kennen gelernt habe. Oft habe ich gedacht: Wie schade, dass er diese Maske trägt. Wie schade, dass er sie nicht wenigstens ab und zu mal kurz lüftet. Denn er ist doch eigentlich ganz anders.
Vor Gott muss ich keine Masken tragen. Ich bin tief davon überzeugt: Gott kennt mich, ihm kann ich nichts vormachen. So heißt es auch schon in Psalm 139: „Herr, du hast mich erforscht und kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern. Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen. Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, Herr, da hast du es schon völlig erkannt. Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt.“ Ich weiß: Gott liebt mich, so wie ich bin. Mit allen Ecken und Kanten. Mit allen Macken und Fehlern. Ohne Maske. Und ganz ungeschminkt.