Last in Segen verwandeln

Di 31. Dez 2019
Kirche im hr / Beate Hirt

Der letzte Tag im Jahr ist heute: Vermutlich gibt es kaum jemanden, der da nicht auch einen Blick zurückwirft. Ich werd mich sicher auch noch mal erinnern, was alles war in den letzten zwölf Monaten: große Ereignisse und kleine Erlebnisse, neue Gesichter, berufliche und private Entwicklungen. Über vieles bin ich froh und dankbar. Aber es gibt natürlich auch jedes Jahr Dinge, auf die ich weniger glücklich zurückschaue. Verluste, Kränkungen, eigene Schuld. Manches hab ich einfach nicht geschafft, manches Ziel nicht erreicht.

Am Ende eines Jahres bleibt manches an Unzufriedenheit und Enttäuschung übrig. Wie eine Last kann das sein, wie ein Rucksack mit schweren Steinen, der es mir schwer macht, ins neue Jahr zu gehen. Was kann ich damit machen? Eine Antwort gibt für mich ein Text von Jochen Klepper. Er wird heute auch sicher in einigen Kirchen als Lied zum Jahresende gesungen (vgl. Gotteslob Nr. 257). Da heißt es am Anfang: „Der du die Zeit in Händen hast / Herr, nimm auch dieses Jahres Last / und wandle sie in Segen!“ Ich finde das eine wunderbare und im wahrsten Sinne des Wortes: sehr erleichternde Lösung. Ich muss diese Last nicht weiter mit mir herum schleppen, muss meinen Rucksack mit schweren Steinen nicht ins nächste Jahr mitnehmen. Das ist nicht gut für mich als Mensch – und es ist auch, da bin ich sicher, ganz und gar nicht gut im Sinne Gottes. Gott bietet sich an als der, dem ich meine Last übergeben und anvertrauen kann. Aber er nimmt sie mir nicht einfach nur ab und lässt sie verschwinden – er nimmt sie und verwandelt sie, und zwar in etwas überaus Gutes: in Segen. Segen, das ist so ziemlich genau das Gegenteil von Last: Der Segen zieht nicht herunter, macht nicht schwer und träge. Segen macht leicht und beweglich, er belebt, er sagt Gutes zu, macht Mut, treibt voran zu Neuem.

 

Meine Last des Jahres will Gott in Segen verwandeln. Aber ganz ohne mein Zutun geht es nicht. Ich muss meine Last auch wirklich aus der Hand geben wollen. Wirklich loslassen wollen. Das Seltsame ist ja: Manches drückt mich schwer – und zugleich kann ich es kaum loslassen. Es ist gar nicht so einfach, zu vergeben und zu verzeihen. Auch mir selbst. Aber wenn es gelingt: Dann kann ich wirklich Versöhnung und Erleichterung erleben. Dann kann ich leichtfüßiger ins neue Jahr gehen. Und so sing ich dieses Lied zum Jahresschluss wieder aus vollem Herzen:

 

„Der du die Zeit in Händen hast / Herr, nimm auch dieses Jahres Last / und wandle sie in Segen!“