Rauhnächte

Mo 30. Dez 2019
Pia Arnold-Rammé, Katholische Kirche Frankfurt

„Rauhnacht“ – so heißt ein Alpenkrimi, den ich vor einigen Jahren gelesen habe. Den Titel fand ich erstmal etwas schräg, aber im Buch wird es dann erklärt: Die Rauhnächte, das sind die 12 Nächte um den Jahreswechsel, vom 25. Dezember bis 6. Januar.

Nächten wird besondere Bedeutung beigemessen. Es waren früher besonders geeignete Zeiten für Geisterbeschwörungen, Kontakten zu Tieren oder auch für wahrsagerische Praktiken. Und das ist natürlich auch eine gute Grundlage für einen spannenden Krimi.
Auch wenn mir diese Art der Mythologie relativ fremd ist: Die Tage zwischen den Jahren, so wie ich sie nenne, sind auch für mich immer wieder etwas Besonderes. Die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, viele Menschen haben noch frei, alles ist etwas ruhiger. Es ist eine Zeit, Freunde zu besuchen, mal ins Museum zu gehen oder einfach nur faul auf der Couch zu liegen. Ich genieße diese Tage. Jedes Jahr freue ich mich wieder auf diese Zeit zwischen den Jahren.

Jetzt hat mir eine Freundin von einem Brauchtum für die Rauhnächte erzählt, den ich auch sehr interessant finde: Man schreibt 13 Vorsätze für das neue Jahr auf, immer einen Vorsatz auf einen Zettel. Dann faltet man die Zettel zusammen und legt sie in eine Schale.  Und während der 12 Rauhnächte vernichtet man jeden Abend einen Zettel, willkürlich herausgegriffen. Zum Schluss bleibt ein Zettel übrig. Den liest man dann - und das ist dann der einzige Vorsatz für das neue Jahr. Zugegeben: sehr zufällig, was dann übrigbleibt. Aber was ich an der Übung gut finde: es bleibt nur ein Vorsatz übrig. Und mehr ist doch meistens eh nicht realistisch. Ich kann mich konzentrieren auf eine Sache, die ich mir vornehme. Das erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie mir gelingt. Ich werde das jedenfalls in diesem Jahr mal ausprobieren. Ich werde sie trotzdem vor allem genießen, diese wunderbare Zeit zwischen den Jahren. Und den neuen Alpenkrimi lesen, den ich zu Weihnachten bekommen habe.