Verheißung für alle Glaubenden

Fest Mariä Himmelfahrt: Hintergründe zum ältesten Marienfest am 15. August

Marientod, um 1520 (Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz) (c) Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz
Marientod, um 1520 (Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum Mainz)
Do 15. Aug 2019
Pfarrer Franz-Rudolf Weinert

Zu diesem Termin im August feiern die christlichen Kirchen des Ostens und des Westens gemeinsam das älteste Marienfest, die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Zwei Gemälde in Mainz wollen das Fest veranschaulichen.

„Mariä Himmelfahrt“ von Franz Anton Maulbertsch in der Kirche St. Quintin, Mainz (1758) (c) Christian Albert
„Mariä Himmelfahrt“ von Franz Anton Maulbertsch in der Kirche St. Quintin, Mainz (1758)

In den Kirchen des Ostens, wo das Fest im fünften Jahrhundert bezeugt ist, beging man zunächst den „Tag der Entschlafung Mariens“.

Wie bei allen heiligen Märtyrern verstand man auch ihren Todestag als „Geburtstag in den Himmel“ („dies natalis“), mehr noch: Da Maria, so der Glaube, ohne Sünde war und damit den Keim des Todes nicht in sich trug, blieb sie vor der Verwesung ihres Leibes bewahrt.

Das um 1520 entstandene Bild „Marientod“, das sich im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Mainz befindet, zeigt Maria auf dem Sterbebett. Nach einer altchristlichen Legende („Transitus Mariae“), die schon um das Jahr 400 entstand, hätten Engel die in aller Welt zerstreuten Apos-tel vor dem Entschlafen der Gottesmutter auf wunderbare Weise durch die Lüfte zu ihrem Sterbelager gebracht, so dass sie noch mit ihr wachen und beten konnten. Das ist im Bild eindrücklich dargestellt. Die Apostel entzünden die Sterbekerze, bereiten das Rauchfass und begleiten die sterbende Maria mit ihren Gebeten. Der heilige Petrus besprengt Maria mit Weihwasser, und Johannes hält ihr einen Palmzweig als Hoffnungszeichen entgegen. In dem Fensterausschnitt im Hintergrund sind Engel zu sehen, die den Leib Mariens zum Himmel tragen, um ihn mit der Seele, dargestellt als Kind, zu vereinigen und von Christus empfangen werden.

Der Auferstandene selbst wälzt den Stein weg

Das von dem österreichischen Maler Franz Anton Maulbertsch 1758 geschaffene Marienbild in der Mainzer Quintinskirche, das größte Gemälde der Stadt, zeigt, was wiederum die „Transitus Legende“ berichtet: Nach ihrem Hinscheiden hätten die Apostel Maria in einem Grab beigesetzt. Der auferstandene Christus selbst sei dann mit seinen Heerscharen erschienen, habe den Stein weggewälzt und seine Mutter ins Leben gerufen mit den Worten: „Erhebe dich, meine Freundin, du wirst nicht die Zerstörung deines Leibes im Grabe erfahren.“ Auf dem Maulbertsch-Gemälde sieht man die Jünger, die das Leinentuch wegnehmen und in das leere Grab schauen. Im oberen Teil des Bildes fährt Maria in den Himmel auf, ihr Haupt umkränzt mit zwölf Sternen.

Nimmt man den Schleier der Legende weg, bleibt die österliche Botschaft mitten im Hochsommer; was für Maria gilt, das Urbild der Kirche, ist die Verheißung für jeden glaubenden Menschen: die Vollendung des Lebens mit Leib und Seele.

Der Schweizer Psychotherapeut Carl Gustav Jung sagte, Papst Pius XII. habe mit dem Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (1950) 50 Millionen Menschen seelisch geheilt. Wie er das genau gemeint hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Von ihm ist auch bekannt, das seelische Problem aller seiner Patienten sei die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude

Wenn es aber nach unserem Tod eine Aufnahme in den Himmel gibt, mit Leib und Seele, ist die Sinnfrage gelöst. So ist zu verstehen, dass der 15. August in vielen Ländern ein Volksfest des Jubels und der Lebensfreude geworden ist, ein Fest der neuen Schöpfung, an dem nicht nur festliche Gottesdienste gefeiert, sondern auch Kräuter und Blumen im Gotteshaus gesegnet werden.