Schmuckband Kreuzgang

Das Wort zum 2. Ostersonntag

Glaube und Kirche - Texte: Apg 2, 42-47 u. Joh 20, 19-31

Pfarrer Karl Zirmer (c) Markus Schenk, Büttelborn
Pfarrer Karl Zirmer
Datum:
Sa. 11. Apr. 2026
Von:
Pfarrer Karl Zirmer

„Ich kann glauben auch ohne Kirche. Die ist doch eh nur eine alte, verknöcherte Institution. Und erst recht die Gottesdienste! Das bringt mir nichts.“ Solche und ähnliche Aussagen kann man immer wieder hören. Die ablehnenden Stellungnahmen gegenüber der Kirche sind vielfältig. Und ja: Man kann auch ohne die Kirche glauben.

Aber ohne die Kirche hätten wir unseren christlichen Glauben nicht. Denn wenn die ersten Christinnen und Christen nicht überzeugt gewesen wären, dass es gut und richtig ist, diesen Glauben weiterzugeben, dann wüssten wir heute nichts mehr von diesem Jesus von Nazareth. Dann hätte er irgendwann einmal gelebt, wäre für einige Menschen seiner Zeit wichtig gewesen, wäre dann aber in Vergessenheit geraten. So haben sich schon sehr früh seine Apostel und deren Schüler hingesetzt und haben in den neutestamentlichen Schriften das Leben und die Botschaft Jesu niedergeschrieben und den kommenden Generationen überliefert. Damit auch wir heute noch an diesen Jesus Christus glauben und ihn als unseren Herrn und Gott bekennen. So wie es heute am Ende des Evangeliums heißt.

Freilich, dass es aufgeschrieben ist, bringt noch nicht  den persönlichen Glauben hervor. Das sehen wir auch beim Apostel Thomas. Er kann nicht einfach an die Auferstehung Jesu glauben, nur weil ihm die anderen sagen, dass sie den Herrn gesehen haben. Er muss seine eigene Erfahrung machen. Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass er diese Erfahrung in der Gemeinschaft der anderen Jünger macht. Er bleibt bei ihnen. Und sie halten den Zweifelnden in ihren Reihen

Das ist letztlich der Sinn von Kirche: persönliche Glaubenserfahrung ermöglichen, indem die Kirche diesen Glauben von Generation zu Generation weitergibt und den Raum öffnet für die eigene Glaubenserfahrung.

Sicher hat die Kirche nicht immer diese Aufgabe erfüllt. Oft klebt sie an Formeln und Regeln, die nicht mehr zeitgemäß sind und verstellt so eher den Weg zu Christus, als dass sie ihn öffnet. Und doch gäbe es den christlichen Glauben ohne die Kirche nicht.

Kirche ist jedoch weit mehr als nur eine Organisation und Institution. Sie ist die Gemeinschaft derer die an Christus glauben und Christus selbst ist in dieser Gemeinschaft auf verborgener Weise gegenwärtig. Er ist das Haupt der Kirche und sie ist sein geheimnisvoller Leib, wie der Apostel Paulus es seinen Gläubigen immer wieder einschärft. Durch ihre Existenz will die Kirche den Raum zur Gotteserfahrung für den einzelnen öffnen und helfen, dass sich die Glaubenden wechselseitig stärken – so wie die übrigen Apostel den Thomas.

Der Glaube ist ein Geschenk. Manche Menschen finden nur schwer zum Glauben. Sie müssen sich mit vielen Fragen und Zweifeln herum plagen. Da sind sie mit Thomas in guter Gesellschaft. Der Apostel Thomas hatte viele Fragen und Zweifel. Er war aber auch offen und bereit für neue Erfahrungen. Thomas beharrte nicht auf seiner Position, der er einmal eingenommen hat. Er ist ein Mensch, der offen ist für neue Erkenntnisse und der bei allen Schwierigkeiten die Möglichkeit nicht ausschließt, es könnte doch etwas geben, was sein Verstehen übersteigt, was er bisher noch nicht erfahren hat. So zieht er sich nicht von den übrigen Jüngern zurück, sondern kommt „acht Tage darauf“ wieder zur Versammlung der Jünger. Thomas ist ein Suchender. Seine Zweifel sind keine unüberwindliche Barriere, sondern lassen die Möglichkeit einer neuen Erfahrung zu.

Was können wir von Thomas lernen? Wenn wir Probleme und Schwierigkeiten mit dem Glauben haben, brauchen wir nicht zu verzagen Wir dürfen unsere Fragen und Zweifel offen ansprechen und nach Antworten suchen, die uns weiterhelfen.

Bemerkenswert im Wandlungsprozess von Thomas ist die Rolle der Gemeinschaft der Apostel und Jünger. Durch sie erfährt er, dass Jesus lebt und in dieser Gemeinschaft kommt es auch zur Begegnung mit dem auferstandenen Herrn.

Niemand findet allein zum Glauben, er braucht die Gemeinde, das Zeugnis anderer Menschen. Wer behauptet, auch ohne Kirche an Christus glauben zu können, gibt sich Illusionen hin. Groß ist die Gefahr, dass man sich einen Glauben nach eigenen Vorstellungen und Wünsche zurechtlegt, der mit dem Jesus der Bibel nicht mehr viel zu tun hat.

Auf die Frage, die so gern und oft gestellt wird: Was hab ich denn davon, wenn ich glaube“ antwortet der Evangelist Johannes kurz und bündig: Leben! Ein neues und sinnvolles Leben! Ein Leben in Fülle, ewiges Leben! Wer sich auf Jesus Christus einlässt, und nur wer das tut, wird das spüren und von der Richtigkeit dieser Aussage überzeugt werden. Das alles geht nicht mit einem Schlag, von heute auf morgen. Auch wenn es manche Bekehrungserlebnisse gibt, wie das z.B. beim Apostel Paulus der Fall war, so bleibt dennoch festzuhalten: Glauben ist ein langer Lernprozess. Die Beziehung zu Jesus muss erst langsam wachsen, wie auch eine Freundschaft erst allmählich zu einer erfüllenden Beziehung wachsen kann.

A m e n