Schmuckband Rad

Rundgang durch die Kirche

Der bodenständige Altar

Bei der Neugestaltung des Altarraumes stand von vornherein fest, dass der Altar den Chorraum dominieren und den Blick des Kirchenbesuchers auf sich ziehen sollte. So steht der „neue" Altar im Zentrum des Chorraumes. Über ihm laufen die Linien des Chorgewölbes zusammen. Er will ein Ort sein, an dem viele Linien unseres Glaubens, unseres Christusbildes und unseres Lebens zusammenlaufen. Sein Standort lädt uns ein, Christus als die Mitte unseres Lebens zu entdecken.

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Der Altar stammt aus der Evangelischen Kirche Hähnlein / Bergstraße. Das Blattmuster an der Frontseite und die gotische Formgebung stammen von der Hand eines neugotischen Künstlers, so dass seine Entstehung in die erste Bauphase der Gustavsburger Herz-Jesu-Kirche zu Beginn des Jahrhunderts fällt. Der Altar wurde von Steinmetzmeister Joachim Mende zur Verfügung gestellt und aufgestellt.

Wie alle anderen liturgischen Orte (Taufstein, Ambo, Tabernakel) ist er in hellem Sandstein gearbeitet. Er hebt sich dadurch vom roten Sandstein der Raumarchitektur ab. Gleichzeitig ist er durch dieses Material mit dem hellen Jura-Boden verbunden, auf dem er steht. Diese „Bodenständigkeit" erlaubt uns, an ihm mit allem, was wir sind und erfahren, Eucharistie zu feiern und zu singen: „Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu Dir!"

Die Verbindung, die der Altar mit dem Boden eingeht, erinnert die Gemeinde an die Bodenhaftung Gottes, der in Jesus Mensch wurde und dieser Erde auch nach seiner Himmelfahrt verhaftet blieb. Er wehrt der „Bodenlosigkeit" eines weltabgewandten Glaubens und erinnert daran, dass das Mahl, das an ihm gefeiert wird, in unmittelbarem Zusammenhang mit unserem alltäglichen Leben steht. An ihm feiert die Gemeinde in den irdenen Zeichen von Brot und Wein Tod und Auferstehung Jesu.

Lange hat sich die Gemeinde Gedanken darüber gemacht, ob der Altar einen Tisch symbolisiere, an dem das Mahl Jesu von Nazareth gefeiert würde, oder einen Opferstein, an dem das Kreuzesopfer Jesu gegenwärtig würde. In dem neuen Altar erkennen wir beide Aspekte.

Die Altarmensa erinnert an den Tisch, an dem Jesus mit seinen Jüngern Mahl hielt, und ist so ein Zeichen der vertrauten Gemeinschaft in Christus. So feiert die Gemeinde um den „Tisch des Herrn" versammelt Eucharistie.

Der Altarblock erinnert an das Selbstopfer Christi, „der sich für uns dahingegeben hat". Er bringt das Lebensgeheimnis Jesu in Erinnerung, der „für andere" lebte und starb. Immer wieder vernehmen die Gläubigen vom Altar die Worte Jesu: „Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird!" und „Das ist mein Blut, das für Euch und für alle vergossen wird". Diese Proexistenz wird während des gemeinsamen Mahles gegenwärtig und lädt die Mitfeiernden ein, sich im Geist Christi für andere zu engagieren.

Nachdem der erste Gustavsburger Altar 1908, der zweite 1929 (Bischof Ludwig Maria Hugo), der Zelebrationsaltar 1969 (Generalvikar Ludwig Haenlein) konsekriert wurden, erhält der „neue" Altar am 20. September 1997 seine Weihe aus der Hand des damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,  Prof. DDr. Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz.

Vielleicht erinnern sich eingesessene Gustavsburger noch an die Altarweihe 1929, von der der damalige Pfarrer Ballweg in der Pfarrchronik berichtet: „Tief feierlich wirkte der Augenblick, als auf dem gesalbten Altar an den 5 Kreuzchen das Zündwachs als 20 kleine Flämmchen aufleuchtete und zugleich die Glocken anfingen zu feierlichem Geläute."

Das Weihegebet bringt die Bedeutung des Altares eindrucksvoll zum Ausdruck:
Dieser Altar sei uns ein Bild des Herrn Jesus Christus,
aus dessen geöffneter Seite im Wasser und im Blut die Sakramente der Kirche hervorgehen.
Dieser Altar sei die festliche Tafel, um die sich die Tischgenossen Christi freudig versammeln.
Mögen sie hier ihre Sorgen auf dich werfen und neue Kraft schöpfen für den Weg, auf dem du sie führen willst.
Dieser Altar sei ein Ort vertrauten Umgangs mit dir und eine Stätte des Friedens.
Alle, die hier den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen,
mögen mit seinem Geiste erfüllt werden und ständig wachsen in deiner Liebe.
Dieser Altar sei Quelle der Einheit für die Kirche und der Eintracht für diese Gemeinde.
Jeder erfahre hier Gemeinschaft im Glauben und öffne sich dem Geist gegenseitiger Liebe.
Dieser Altar sei die Mitte unseres Lobens und Dankens,
bis wir nach dieser Zeit die Freude der ewigen Heimat erlangen.
Dort weihen wir dir ohne Ende das Opfer des Lobes auf dem lebendigen Altar,
unserem Hohenpriester Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Darum bitten wir dich, Herr, unser Gott:
Gieße vom Himmel her deinen Segen aus über diesen Altar, der errichtet ist in deinem Hause.
Für immer sei er die Stätte des Opfers Christi,
für immer der Tisch des Herrn, an dem dein Volk gestärkt wird im heiligen Mahle.

 

Die Christus Skulptur "Tabor"

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Die Skulptur wurde von dem bekannten Mainzer Künstler Karlheinz Oswald geschaffen. Karlheinz Oswald wurde 1958 in Worms geboren und lebt in Mainz. Für sein Studium der Freien Bildenden Kunst an der Universität Mainz von 1981 bis 1987 erhielt er das Gutenberg-Stipendium der Stadt Mainz. Seine plastischen und graphischen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Zahlreiche Ausstellungen sowie Werke im öffentlichen Raum und Großplastiken in privaten und öffentlichen Sammlungen künden von seiner künstlerischen Schaffenskraft. Beispielhaft genannt seien die Gutenberg-Skulptur vor der Christophskirche in Mainz, die Bonifaziusfigur, die der Papst anlässlich des Weltjugendtages erhielt, die Bronzeplastik "Hildegard von Bingen" und viele mehr. Im Jahre 2002 entstand die Skulptur "Tabor" für den Altarraum der Herz-Jesu-Kirche in Gustavsburg.

Tabor in Gustavsburg
Im Chorraum der Pfarrkirche hängt die Christus Skulptur Tabor. Sie hängt dort, wo der Tradition gemäß ein Kreuz hängt. Tabor ist ein Christus ohne Kreuz, mit zum Himmel hochgestreckten Armen.
Dieser Christus hängt über dem Altar, an dem die Gemeinde Eucharistie feiert, d.h. Danksagung für das Geschenk der Erlösung. Dabei beten die Gläubigen: Deinen Tod, oh Herr verkünden wir, Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit.

Tabor im Heiligen Land
Die Evangelien sprechen freilich von einem anderen Tabor: Tabor, der Berg der Verklärung Jesu. Vor seinem Gang nach Jerusalem, um dort für uns zu sterben, erschien Jesus den Aposteln Petrus, Andreas und Jakobus in einer strahlenden Lichtgestalt. Diese Vision wollte die Vollendung Jesu in der Verherrlichung aufscheinen lassen, wenn tiefstes Leid und Trauer über Jesu Kreuzigung die Seinen erschüttert. Vorerst verbot Jesus darüber zu reden "bis der Menschensohn von den Toten erstanden ist".

Tabor der Gegenwart
Zweitausend Jahre vergingen bis jetzt, da Jesus auf Erden lebte, starb und auferstanden zum Vater heimkehrte. Die Zeiten kennen den Glanz der Verherrlichung nicht, sie leiden unter Katastrophen, Kriegen und Elend. Stehen unter dem Kreuz. Dabei verkündet Paulus zu Recht Christus als den Gekreuzigten, dessen Kreuz die Menschheit mit trägt.

Der Tabor-Christus über dem Altar schwebt frei von den Balken des Kreuzes, ausgestreckt nach Oben, wo seiner die Verherrlichung wartet. Tabor als Zeichen der Hoffnung in aller Endlichkeit. Tabor ein Ort der Zuflucht und des Gebetes: Deinen Tod o Herr verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit
Helmut Hanschur

 

Der Ambo - „Tisch des Wortes"

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Neben dem Altar steht der neue Ambo, von dem aus künftig das Wort Gottes, wie es uns im Alten und Neuen Testament überliefert ist, verkündet wird.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1967) hat die Bedeutung der Wortverkündigung neben der Feier des Opfermahles neu entdeckt und ins Bewusstsein gerufen. Neben dem „Tisch des Mahles" sollte der „Tisch des Wortes" zu stehen kommen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern durch jedes Wort, das aus dem Munde Gottes kommt" (Mt 4,4).

Das Wort Gottes will Orientierung in einer orientierungslosen Zeit anbieten. Es tröstet und mahnt. Es rüttelt auf und ist Ausdruck der Liebe Gottes zu seinem Volk. Der steinerne Ambo, der mit dem Boden verbunden ist, will den unverrückbaren Platz markieren, den das Wort Gottes im Leben der Kirche und des einzelnen einnimmt.

Der schlichte Ambo, der nach einem Entwurf von Dipl.-Ing. Jürgen Gerecht von Steinmetzmeister Jürgen Mende und Kunstschmied Hermann Gradinger gefertigt wurde, lädt zur Konzentration ein: „Wer Ohren hat zum Hören, der höre!" (Mk 4,9).

Der Bischof betet während der Segnung des Ambos:
„Gott, unser Vater,
in den Schriften Alten und Neuen Bundes
ist uns durch den Heiligen Geist dein Wort geschenkt.
Es erfülle dieses Haus
und dringe ein in unser Ohr und in unser Herz,
damit wir ihm gläubig folgen."

"Die Kirche hat die Heilige Schrift immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah sie immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens, weil sie, von Gott eingegeben und ein für alle Male niedergeschrieben, das Wort Gottes selbst unwandelbar vermitteln und in den Worten der Propheten und der Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen lassen. Wie die christliche Religion selbst, so muss auch jede kirchliche Verkündigung sich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientieren. In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft ist im Worte Gottes, dass es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist. Darum gelten von der Heiligen Schrift in besondere Weise die Worte: „Lebendig ist Gottes Rede und wirksam" (Hebr 4, 12), „mächtig, aufzubauen und das Erbe auszuteilen unter allen Geheiligten" (Apg 20, 32; vergl. 1 Thess 2, 13)."
Zweites Vatikanisches Konzil

 

Die „neuerwachten" Fenster der Herz-Jesu-Kirche

Seitdem die Wände, in die die Fenster der Herz-Jesu-Kirche eingelassen sind, vom Grauschleier befreit und die Fenster selbst gereinigt sind, bricht sich das einfallende Licht in ihnen in einer bisher nicht gekannten Klarheit. Das Farbenspiel schlägt den Besucher in Bann. Sie ziehen die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich und kommen in ihrer künstlerischen Qualität ganz neu zur Geltung.

Sie wurden vor nahezu 30 Jahren während der unter Pfarrer Heinrich Fleckenstein durchgeführten Innenrenovierung der Kirche eingesetzt und traten 1969 an die Stelle der beschädigten neugotischen Fenster. Der Mainzer Glaskünstler Alois Plum schuf die „Herz-Jesu-Fenster" in Anlehnung an den im Bistum Mainz verbreiteten Herz-Jesu Gesang „Herz Jesu, Gottes Opferbrand" und nahm damit das Patrozinium der Kirche kreativ auf.

Wenn man die Kirche betritt, flankieren zunächst stilisierte Spitzbogenfenster die Seitenschiffe. Sie sind in einem grauen Grundton gehalten und mit abstrakten Farbelementen versehen. Das Grau deutet auf den Alltag hin, den der Besucher mitbringt. Die Farben erzählen von den Erfahrungen, die den Alltag dominieren: Das Violett von Trauer und Schmerz. Das Grün von Lebensfreude und Hoffnung. Das Rot von Erfahrungen geglückter Liebe. Das Gelb von den Sternstunden des Lebens - Lebensbruchstücke, die der Beter mitbringt.

Diese Lebenserfahrungen verdichten sich in den Chorfenstern, die diese Farben aufnehmen und in das Lebensgeheimnis Jesu zentrieren.

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Das Zentralfenster links zeigt auf dunkelgrauen Tönen das in satten gestuften Rottönen und abstrakten Formen gestaltete Herz Jesu: „O Herz, in Nacht zu uns gesandt". Die Herzwunde Jesu, der sich vom Schicksal der Menschen betreffen lässt, leuchtet in dem Weiß-Gelb der Auferstehung, die mittels der Solidarität Jesu den Schmerz besiegt: „Durch seine Wunden sind wir geheilt" (1 Petr 2,21). Neben der Herzwunde tauchen in dem Fenster die weiteren Wundmale Jesu in leuchtendem Gelb auf. In deren Zentrum leuchtet ein gebrochener Edelstein: „Durch seine heiligen Wunden, die leuchten in Herrlichkeit, behüte uns und bewahre uns, Christus, der Herr!" (Gebet zur Segnung der Osterkerze). Der Künstler dachte an eine Passage aus dem erwähnten Herz-Jesu-Lied: „Herz Jesu, Trost der ganzen Welt..." (Gotteslob 897,3).

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Das rechte Zentralfenster überstrahlt in unzählig gestuften Grün- und Gelbtönen den Chorraum. Die obere Hälfte dominiert das gelb-weiß gleißende Licht, das wie eine Sonne das darunter sprießende Grün in seinen Schattierungen zum Leben bringt. Das Licht deutet auf Christus, die Sonne unseres Heils, die in uns zum Leben kommen lassen will, was in uns liegt: „Christus, du Sonne unsres Heils, vertreib in uns die dunkle Nacht, dass mit dem Licht des neuen Tags auch unser Herz sich neu erhellt". (Gotteslob 675). Das Grün erzählt von der Fülle des Lebens, die unter der Sonne Christi sich entfaltet und entfalten darf. Das Fenster strahlt Hoffnung und Lebensfreude aus und lädt die Gläubigen ein, sich der lebensspendenden Gegenwart Christi auszusetzen. Der Künstler nimmt wiederum auf das Herz-Jesu-Lied Bezug: „Wer liebt, der kehrt zu dir nach Haus und ist der Nacht entrissen. Du bist die Sonne, wir der Schein, wir können ohne dich nicht sein und ohne dich nicht lieben" (Gotteslob 897,2).

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Das in der linken Chorschräge befindliche Fenster zeigt in bizarren Spitzabstraktionen die Gewalt, die man Jesus antat. Diese in Violett-Lila-Blau-Tönen gehaltene Gewaltszene soll den Betrachter an die Gewalt erinnern, die er anderen antat und die er selbst erlitt.

Das rechts in der Chorschräge befindliche Fenster zeigt in blau-roten Tönen aus einem hell leuchtendem roten Element entspringende Ströme. Sie sollen an Blut und Wasser erinnern, die aus dem geöffneten Herzen Jesu strömten. Die Kirchenväter deuteten diese Ströme als die Sakramente der Kirche, die aus dem Herzen Jesu hervorgingen. Das Blau lässt an das Wasser der Taufe denken. Das Rot an die Geistsendung in der Firmung.

 

Die Sakramentskapelle - Ort der Gegenwart Christi

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In der bisherigen Taufkapelle im linken Seitenschiff der Kirche steht der Tabernakel. Wieder nicht am Rand, sondern unter dem Kreuzpunkt der Gewölberippen im Zentrum des Raumes. Er wurde nach Entwürfen des leitenden Architekten Dipl.-Ing. Jürgen Gerecht von Steinmetzmeister Jürgen Mende und Kunstschmied Hermann Gradinger erstellt. Die strenge und schlichte Form lädt zur Konzentration auf das Wesentliche ein.

Dieser Raum will dem Besucher helfen, sich in der Gegenwart Christi zu konzentrieren. Er soll ein Ort sein, der einlädt, in der Gegenwart des eucharistischen Christus gegenwärtig zu sein.

Dazu hilft der geschlossene Raum, in dem sich das Licht durch die von Alois Plum geschaffenen Fenster (1969) in besonders konzentrierter Weise bricht. Das mittlere der drei Fenster, das in der Achse des schlichten Tabernakels liegt, kann als Darstellung des brennenden Dornbuschs gedeutet werden, in dem Moses der Gegenwart Gottes gewahr wurde.

Der Tabernakel steht mit dem Altar auf der Horinzontalachse der Kirche. Dadurch wird der unauflösbare Zusammenhang der aufbewahrten Gaben mit dem auf dem Altar gefeierten Mahl gewahrt. Von hier aus wird den Kranken und Sterbenden die Eucharistie gereicht. So betet der Bischof bei der Segnung des Tabernakels:

„Herr Jesus Christus, sei im Brot des Lebens den Sterbenden Kraft auf ihrem letzten Weg, den Kranken Trost in ihrem Leiden und sei allen, die dich hier anbeten, in deiner liebenden Hingabe nahe." 

 

Der Taufstein steht im Weg  

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In der vertikalen Achse der Kirche, die durch den Mittelgang markiert ist, steht der Taufstein und dominiert den Eingangsbereich. Er steht „im Weg", so dass der, der die Kirche betritt, förmlich über ihn stolpert. Er will daran erinnern, dass Jesus von Nazareth für die Frommen seiner Zeit ein Stein des Anstoßes war und seine Botschaft sich quer in die Wege unserer Tage legt.

Der Taufstein markiert den Eingangsbereich der Kirche und erinnert die eintretenden Gläubigen an ihre Taufe. In der Osterzeit oder beim sonntäglichen Taufgedächtnis ist der Taufbrunnen geöffnet, so dass die Gläubigen sich sinnenfältig mit dem Wasser der Taufe bekreuzigen und sich ihrer besinnen können.

Mit dem neuen Standort des Taufbeckens wird die Taufe als „Eingangssakrament" neu ins Bewusstsein der Gemeinde gerückt. Er markiert den Ort, an dem Kinder und Erwachsene das „Eintrittssakrament" Taufe empfangen: Hier werden sie in die Kirche aufgenommen.

Der Taufstein ermuntert die Vorübergehenden, sich je neu auf den Weg des Christseins zu machen. Er mahnt die Getauften mit einem Wort des Hl. Augustinus: „Viele, die drinnen sind, sind draußen und viele die draußen sind, sind drinnen!".

Taufe und Eucharistie nennt man die „sacramentes maiores". Es sind die Grundsakramente, die wir mit unseren evangelischen Mitchristen teilen. Sie stehen beide in der Längsachse der Kirche und geben den Blick auf den Ort des jeweilig anderen Sakramentes frei. Damit geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass die ökumenischen Bemühungen, nicht bei der gemeinsamen Taufe „stehenbleiben", sondern uns einst den Weg zum gemeinsamen Mahl öffnen werden. So werde dieser Taufbrunnen für alle, die im Glauben hier getauft werden, zur Stätte der Wiedergeburt und zur Quelle neuen Lebens.

"Allmächtiger, ewiger Gott,
jedes Geschöpf kommt durch dich zum Licht des Lebens.
Du schenkst den Menschen das tägliche Brot
und bewahrst sie in väterlicher Sorge.
Doch deine Liebe ist weit größer:
Du berufst die Menschen als lebendige Glieder am Leibe Christi zur Gemeinschaft der Kirche.
Du reinigst sie von ihren Sünden
und führst sie zu Christus, dem Haupt seines Leibes.
Wer im Wasser getauft wird
und so mit Christus stirbt,
den lässt du in deinem Erbarmen frei von Schuld zum neuen Leben auferstehen.
Segne und heilige dieses Wasser,
mit dem wir den Altar dieser Kirche und uns besprengen.
Es ist uns ein Zeichen des heiligen Bandes der Taufe, das uns in Christus gereinigt
und zum Tempel des Heiligen Geistes gemacht hat."
Segensgebet des Bischofs über dem Taufbrunnen

 

Madonna mit der Scherbe

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Die in unserer Pfarrkirche dargestelle Madonna wird auch die "Schöne Hallgartenerin" genannt.

Die Darstellung ist ein Tonabdruck des Originals aus der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Hallgarten.

Geschichte:

Die heutige Pfarrkirche von Hallgarten wurde um 1340 - 50 errichtet. An der Stirnwand der Südseite ist in einem Gehäuse der Barockzeit, die gotische Tonplastik der Hallgarter Madonna, auch Madonna mit der Scherbe, aus der Zeit um 1420 zu sehen. Eine ähnliche Madonna "die schöne Elsässerin", die vermutlich aus derselben Form stammt, stand zunächst im Kloster Eberbach. Im Rahmen der Raubzüge von Ludwig XIV. wurde diese Madonna nach Paris gebracht und befindet sich heute im Louvre.

Die Muttergottes mit der Scherbe wurde von der Zunft der Hallgartener Weinschröter gestiftet, was ihr auch den Beinahmen "Schröter Madonna" bescherte. Die Legende sagt, dass ein reicher Bauer aus Hausen mit seinem Fuhrwerk auf dem Heimweg verunglückte. Ein Fass bester Hochzeitsweins fiel vom Wagen und lief aus. Der Bauer rief die Jungfrau Maria um Hilfe an. Da erschien eine Frau, die die zersprungene Fassdaube wieder reparierte und mit einer Scherbe die Weinlache wieder in das Fass schöpfte. Die Weinschröter, denen der Bauer von dem Wunder erzählte, gelobten der Jungfrau Maria ein Standbild zu stiften.

Die Tonabdrücke (es gibt wohl mehrere davon) wurden durch die Mainzer Tonkünstlerin Elisabeth Solka-Winter gefertigt.

Der Vater von Frau Solka-Winter ist der aus Mainz-Kostheim stammende Bildhauer Adam Winter. Dieser hat in verschiednen Kirchen im Bistum Mainz seine Spuren hinterlassen, u.a. in Gustavsburg mit der im Ostergarten stehenden Steingruppe Maria Magdalena und Jesus. Adam Winter wäre im Jahre 2005 100 Jahre alt geworden.